Düsseldorf/Köln: Aschewolke: Kein Flugverkehr in NRW

Düsseldorf/Köln: Aschewolke: Kein Flugverkehr in NRW

Die Lage an den Flughäfen in Europa wird sich nach Vorhersagen der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol auch am Samstag nicht entspannen. Die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilten die Luftsicherheitsexperten in Brüssel mit.

Darauf deuteten alle Wetterdaten hin. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen.

Das sagte der Chef der Luftraumüberwachung bei Eurocontrol, Brian Flynn.

Der Vulkanausbruch auf Island hatte den Flugbetrieb in Nordrhein-Westfalen am Freitag lahmgelegt. Die Airports im Land wurden wegen der für Flugzeuge gefährlichen Aschewolke weitestgehend gesperrt. Wann der Flugverkehr wieder planmäßig ablaufen wird, ist nach Angaben der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt am Main unklar. Viele Reisende stiegen auf Mietautos und die Bahn um. Am größten Flughafen im Land, am Düsseldorfer Airport, wurde der Flugbetrieb am Freitagmorgen um 6 Uhr eingestellt. Auch an den übrigen Flughäfen in NRW durften die meisten Flugzeuge nicht starten und landen.

Von den Flughafen-Sperrungen nicht betroffen waren nach Angaben des Flughafens Münster-Osnabrück Luftfahrzeuge, die nach Sichtflugregeln fliegen wie etwa Hubschrauber oder kleinere Sport- und Reiseflugzeuge. Sie hätten weiterhin starten dürfen. Für den übrigen Verkehr wurde der Luftraum über Nordrhein-Westfalen bis Samstagmorgen um 8 Uhr gesperrt.

Eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes sagte, sie rechne damit, dass die Sperrung sogar noch auf den gesamten Samstag ausgeweitet werde. Viele Reisende stiegen wegen der Flugausfälle auf die Bahn um. Das Unternehmen setzte zusätzliche Züge ein. „Wir versuchen, alles einzusetzen, was rollen kann”, sagte ein Bahnsprecher. Trotzdem könne es passieren, dass wegen Überfüllung der Züge manche Fahrgäste nicht mehr zusteigen könnten. Auch die großen Autovermieter sahen sich einem verstärkten Ansturm gegenüber. „Die Nachfrage ist wahnsinnig groß”, sagte ein Sprecher von Europcar. Das Unternehmen habe daher Fahrzeuge aus weniger frequentierten Regionen an die Flughäfen gebracht, damit sie dort für verhinderte Fluggäste bereitstünden. Sixt hat nach Angaben eines Unternehmenssprechers kurzfristig zusätzliche Fahrzeuge besorgt, um dem Ansturm zu begegnen.

Der 1. FC Köln lud am dortigen Flughafen gestrandete Fluggäste ein, sich am Freitagabend das Erstligaduell Köln gegen Bochum anzusehen. Reisende, die einen gültigen Flugschein vorlegen konnten, der belegt, dass sie am Freitag von Köln-Bonn aus fliegen wollten, sollten Freikarten erhalten. Die Flugsicherung rechnete unterdessen mit längeren Auswirkungen der über Europa ziehenden Aschewolke. Selbst wenn sich die Aschewolke nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull sofort verflüchtige, werde es dauern, bis sich der Betrieb normalisiere, sagte eine Sprecherin. Allein nach dem Streik der Lufthansa-Piloten habe es vier Tage gedauert, bis sich die Lage normalisiert habe. Nun handele es sich sogar um ein europaweites Ereignis. Wann die von Nord nach Süd ziehende Aschewolke Deutschland überquert haben wird, steht einem Sprecher der Flugsicherung zufolge noch nicht fest.

Am Freitag habe sich die Wolke kaum vorwärts bewegt. Der Vulkan an der Südseite Islands war am Mittwoch ausgebrochen. Die Lava brachte das Gletschereis über dem Vulkan zum Schmelzen und ließ Rauch und Asche kilometerhoch aufsteigen. Der Wind treibt sie über die britischen Inseln auf das europäische Festland. Falls Flugzeuge durch die Aschewolken fliegen, können die sehr harten und scharfen Partikel gefährliche Schäden verursachen. Sie können unter anderem Flugzeugtriebwerke verkleben und zum Stillstand bringen sowie Sensoren zur Flugdatenermittlung beeinträchtigen. In Nord- und Nordwesteuropa wurden deshalb bereits am Donnerstag zahlreiche Flüge gestrichen. In Großbritannien sind alle Flüge mit einigen Ausnahmen bis mindestens Freitagabend gestrichen.

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