Biologischer Kampfstoff: Anwälte von mutmaßlichen Rizin-Bombenbauern schweigen

Biologischer Kampfstoff : Anwälte von mutmaßlichen Rizin-Bombenbauern schweigen

Es wäre der erste Terroranschlag in Deutschland mit einem biologischen Kampfstoff gewesen: Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen ein Paar erhoben, das in Köln eine Bombe mit dem hochgiftigen Rizin gebaut haben soll.

Die Anwälte der mutmaßlichen islamistischen Rizin-Bombenbauer von Köln haben zur Anklage der Bundesanwaltschaft zunächst keine Stellung genommen. Er habe die umfangreiche Anklageschrift erst gestern erhalten, sagte der Bonner Verteidiger Martin Heising am Donnerstag auf Anfrage.

Verteidigerin Seda Basay-Yildiz, die die Ehefrau des Hauptbeschuldigten vertritt, teilte in Frankfurt/Main mit, ihre Mandantin habe sich zu den Vorwürfen bislang nicht eingelassen. Sie werde dies als ihre Anwältin derzeit auch nicht tun.

Die Bundesanwaltschaft hat gegen den 30-jährigen gebürtigen Tunesier Sief Allah H. und seine 43-jährige deutsche Ehefrau Yasmin H. Anklage erhoben. Beide sollen eine Bombe mit dem hochgiftigen Bio-Kampfstoff Rizin gebaut haben. Inzwischen halten die Ermittler seine Ehefrau für eine Mittäterin.

Beide sollen einen Terroranschlag in Deutschland durch den Bau der Rizin-Bombe vorbereitet haben. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) habe den 30-Jährigen dazu ermuntert.

Zuvor habe er zwei Mal vergeblich versucht, zum IS nach Syrien auszureisen. Die Ausreise über die Türkei nach Syrien war jedes Mal gescheitert. Der Ehefrau wird wegen der Ausreise Beihilfe vorgeworfen: Sie soll die Flüge und Unterkünfte gebucht haben.

Die Polizei hatte den Islamisten Mitte Juni 2018 in Köln festgenommen, seine Ehefrau Ende Juli. Ermittlungen ergaben, dass beide vorhatten, eine mit dem hochgiftigen Bio-Kampfstoff Rizin präparierte Splitterladung „an einem geschlossenen und belebten Ort“ zu zünden, wie es im August hieß.

Im Internet und über Messenger-Dienste habe sich das Paar über die Begehung von Anschlägen und den Bau von Sprengvorrichtungen informiert. Für die Sprengladung habe er sich Feuerwerkskörper aus Polen besorgt. Eine Test-Sprengung sei erfolgreich verlaufen.

Das Paar habe sich außerdem mit der Herstellung des Sprengstoffs Ammonal und der Verwendung von Metallkugeln beim Bau einer Bombe befasst.

Im Online-Handel soll das Paar mehr als 3000 Rizinussamen besorgt und daraus 84,3 Milligramm Rizin gewonnen haben. Weniger als ein Milligramm gilt bereits als tödlich für den Menschen. Es wäre der erste Terroranschlag in Deutschland mit einem biologischen Kampfstoff gewesen.

Außerdem habe er laut Bundesanwaltschaft Medienpropaganda für den IS betrieben. Im Frühjahr 2018 habe er über das Internet und über einen Messenger-Dienst Propagandatexte des „IS“ sowie mehrere Nachrichten über Anschläge und Selbstmordattentate verbreitet. Als IS-Terrorist stufte die Bundesanwaltschaft den 30-Jährigen dennoch nicht ein, wirft ihm aber vor, dass er versucht habe, Teil der Terrorgruppe zu werden.

Sollte die Anklage zum Prozess zugelassen werden, findet dieser im Hochsicherheitstrakt vor einem Staatsschutzsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts statt.

(dpa)
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