Alsdorf: Anti-Terroreinsatz in Alsdorf läuft ins Leere

Alsdorf: Anti-Terroreinsatz in Alsdorf läuft ins Leere

Es war ein Hinweis aus der Bevölkerung, der die Kleinstadt Alsdorf einen Tag lang ins Zentrum internationaler Aufmerksamkeit gerückt hat. Nach einem großflächigen SEK-Einsatz, der bis in die Abendstunden dauerte, und sieben Festnahmen stand schließlich jedoch fest: Es sind unbescholtene Bürger, die ins Visier der Fahnder geraten waren.

Der erste Hinweis sei schon in den späten Abendstunden des Montag eingegangen: Eine Person, die möglicherweise in Zusammenhang mit den Attentaten in Paris stehe, sei in Alsdorf gesehen worden. „Eine Zeugin aus einem anderen Bundesland“, wie es in der offiziellen Mitteilung der Polizei heißt, habe Angaben zu einem Fahrzeug mit Aachener Kennzeichen gemacht, das sie am vergangenen Mittwoch beobachtet hatte.

Am Vormittag wurden drei Verdächtige am Jobcenter verhaftet, später zwei Männer in einem Mehrfamilienhaus. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Zeugin sei überzeugt gewesen, unter den Insassen einen der Drahtzieher der Anschläge in Paris erkannt zu haben. Wie Polizeisprecher Werner Schneider darlegte, habe es dabei einen Zusammenhang zu dem 1987 geborenen Abdelhamid Abaaoud geben können, einem Belgier mit marokkanischen Wurzeln, der im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufgewachsen ist, über Kampferfahrung in Syrien verfügt und als einer der Drahtzieher der Attentate vom 13. November gilt.

Spezialkräfte der Polizei sammelten sich am Nachmittag an der Schaufenberger Straße. Foto: Ralf Roeger

Dies führte zur Festnahme von zwei Frauen und einem Mann am Dienstagmorgen vor dem Jobcenter an der Joseph-von-Fraunhofer-Straße im Alsdorfer Gewerbegebiet. Spezialkräfte der Polizei fingen den Wagen des Trios ab, als der Fahrer auf den Parkplatz abbiegen wollte.

Maskierte Einsatzkräfte der Polizei am Nachmittag in Alsdorf. Foto: Ralf Roeger

Der zweite Hinweis von einer „für die Polizei sehr vertrauenswürdigen Person“, was Schneider zum Schutz der Betreffenden nicht weiter ausführen wollte, ging während der Anschlussermittlungen ein und führte zum Großeinsatz vor einem Mehrfamilienhaus an der Schaufenberger Straße. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris, der 26-jährige international gesuchte Salah Abdeslam, sei in Schaufenberg gesehen worden, lautete der Verdacht, dem die Fahnder in aller Konsequenz nachgingen. Die Folge war die Festnahme von vier Männern im Stadtteil Schaufenberg.

Am Nachmittag erfolgte ein zweiter Einsatz an der Schaufenberger Straße. Foto: Ralf Roeger

Nach intensiven Ermittlungen zur Identität der Festgenommenen und gründlicher Durchsuchung des Mehrfamilienhauses wurde am Abend schließlich Entwarnung gegeben. „Es gibt keine Hinweise, dass die Personen mit Paris in Verbindung stehen“, stellte Polizeisprecher Schneider abschließend fest. Es werde kein strafrechtlicher Vorwurf gegen die Festgenommenen erhoben, die nach und nach wieder auf freien Fuß gesetzt wurden.

An der Siersdorfer Straße in Alsdorf sammelten sich starke Polizeikräfte. Foto: Beatrix Oprée

Zuvor war Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor die Presse getreten. „Leider ist es wohl nicht der, auf den wir alle gehofft hatten, dass er es sein könnte“, erklärte er. Es bestehe aber weiter die Sorge, dass einer der Täter in Nachbarländer Frankreichs fliehe. Belgien hatte bereits am Sonntag einen internationalen Haftbefehl gegen den Terrorverdächtigen Salah Abdeslam ausgestellt, der in Molenbeek lebte. Der Bruder des Selbstmordattentäters Brahim Abdeslam, der sich am Freitagabend vor einem Pariser Café in die Luft sprengte, hatte einen Polo gemietet, mit dem die Attentäter zur Konzerthalle Bataclan gefahren waren, wo sie fast 90 Menschen ermordeten. Einer der in Alsdorf Festgenommenen soll in der Tat große Ähnlichkeit mit Salah Abdeslam haben.

Am Vormittag waren am Jobcenter drei Verdächtige verhaftet worden. Foto: Ralf Roeger

Der Polizeisprecher betont: „Wir nehmen weiter alle Hinweise sehr ernst und gehen mit allen rechtsstaatlichen Mitteln vor, um Täter zu ermitteln. Bei den heute Festgenommenen werden wir uns natürlich entschuldigen.“

Der Wagen mit den drei Verdächtigen wurde auf der Zufahrtstraße zum Parkplatz des Jobcenters gestoppt. Foto: Beatrix Oprée
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