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Ansturm auf Hebammen-Studiengang in NRW

Landesverband : Ansturm auf Hebammen-Studiengang in NRW

Das Interesse am noch recht neuen Hebammen-Studiengang in NRW ist nach Angaben des Landesverbandes groß. Der freut sich darüber, sieht aber noch einige politische Versäumnisse.

Für die Hebammen-Ausbildung an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen sind viele Bewerbungen eingegangen. Das sagte die Vorsitzende des Hebammenverbands NRW, Barbara Blomeier, der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings habe man einige Studienplätze infolge unklarer Vorgaben des Landes nicht besetzen können. Planungen für die Studiengänge hätten zudem teilweise „im luftleeren Raum“ stattfinden müssen. NRW habe sich hier „nicht gerade mit Ruhm bekleckert“.

Vor rund zwei Jahren war eine bundesweite Umstellung beschlossen worden: Hebammen sollen nicht mehr auf Hebammenschulen, sondern in einem Bachelorstudium mit hohem Praxisanteil an Hochschulen ausgebildet werden. Zum Entwurf des Landesgesetzes, das die Umsetzung in NRW regeln soll, habe es erst vor wenigen Tagen eine Anhörung im Düsseldorfer Landtag gegeben. „Es hat sich gezeigt, dass noch einige Nachbesserungen nötig sind“, berichtete Blomeier. Das Gesetz soll Anfang 2022 in Kraft treten. „Vieles hätte man schon längst vorher regeln können und müssen.“

Das Land habe zwar gesagt, wie viele Studienplätze gefördert werden sollen. Es gebe aber noch keine einheitliche Vorgabe des Landes, wie die praktische Ausgestaltung laufen solle. Als Kooperationspartner brauche es für den Studiengang Kliniken und freiberufliche Hebammen, die aber - ebenso wie die Hochschulen - nicht auf eine einheitliche Regelung bauen könnten, bemängelte Blomeier. Viele seien daher verunsichert oder abgeschreckt. Um einen Platz an einer Hochschule zu ergattern, müssten Studierende aber als Partner für den praktischen Teil eine Klinik und eine freiberufliche Hebamme als Partner vorweisen.

Nachdem zunächst die Hochschule für Gesundheit in Bochum und zwei private Hochschulen in Düsseldorf und Bielefeld den Studiengang angeboten hatten, sind nun einige weitere damit an den Start gegangen - so die Hochschule Niederrhein in Krefeld. Hier konnte man Blomeier zufolge aber von 45 Plätzen, die das Land zugesichert habe, nur 25 vergeben, weil Praxispartner angesichts der bestehenden Unklarheiten fehlten. „Wenn die Lage an anderen Standorten ähnlich ist, kann man sich vorstellen, wie es um die Versorgung mit Hebammen in den nächsten Jahren bestellt sein wird.“

Die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen müssten zudem verbessert werden. „Das Gesamtpaket der Bedingungen stimmt nicht“, betonte die Vorsitzende. Kliniken seien nicht verpflichtet, Geburtshilfe vorzuhalten. Da diese nicht gut bezahlt werde, lohne sich das für Kliniken häufig nicht. Hebammen seien oft stark überlastet. Statt der angestrebten 1:1-Betreuung müssten sie in der Regel mehrere Geburten parallel betreuen. Burnout und Depressionen seien nicht selten. Manche kehrten ihrem Beruf den Rücken.

Im neuen Landesgesetz werde eine Meldepflicht verankert - ein „Schritt nach vorne“, sagte Blomeier. Da es eine solche Meldepflicht bisher nicht gebe, wisse man nicht genau, wie viele Hebammen es überhaupt in NRW gebe. Der Landesverband NRW habe rund 4500 Mitglieder. Ein noch sehr kleiner Teil darunter sei männlich. „In anderen Ländern ist das längst üblich, bei uns aber relativ neu.“ Der Begriff „Entbindungspfleger“ werde mit dem neuen Gesetz gestrichen. „Männliche Hebamme“ sei nun die korrekte Berufsbezeichnung.

(dpa)