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Anklage: Tierquälerei im Schlachthof Frenken in Düren

Schlachthof Frenken : Tierquälerei in Dürener Schlachthof – Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Vor mehr als vier Jahren nahmen Tierschützer verstörende Bilder von Tierquälerei im Dürener Schlachtbetrieb auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Jetzt sollen die Verantwortlichen vor Gericht.

Mehr als vier Jahre ist er her, dass die Soko Tierschutz zwei Mitarbeiter auf dem Schlachthof Frenken in Düren einschleuste. Damals bewarben sich die Männer auf offene Stellen. Sie wurden sofort eingestellt, sie brauchten nicht einmal ein Gesundheitszeugnis vorzulegen, berichtete einer von ihnen später.

Der neue Mitarbeiter war gelernter Metzger und konnte so die Zustände in einem Schlachtbetrieb gut beurteilen. Mit seinem Kompagnon nahm er an den wenigen Arbeitstagen im Oktober und November 2017 heimlich Bilder im Schlachtbetrieb auf. Sie wurden später zusammengestellt für einen TV-Beitrag im Magazin „Report München“. Parallel fasste auch die Süddeutsche Zeitung die Zustände bei Frenken unter der Unterschrift „Stirb langsam“ zusammen.

„Wir haben es noch nie erlebt, dass innerhalb so kurzer Zeit so unglaublich viele gesetzliche Verstöße, solche Quälereien, eine solche Inkompetenz und ein solches Hygienechaos dokumentiert wurden“, sagte Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz damals. Mülln hat den gemeinnützigen Verein vor etwa zehn Jahren gegründet. Immer wieder prangert der Verein Missstände in deutschen Ställen und Schlachthöfen mit heimlich aufgenommenen Bildern an.

Seine Soko-Mitarbeiter berichteten damals, wie schnell sie eingearbeitet wurden. „Ich hätte schon nach einem Tag Tiere schießen dürfen“, sagt einer der Männer. Seine Aufnahmen zeigten Bullen und abgemagerte Milchkühe, die wohl erst nach einigen Fehlschüssen in den Kopf betäubt wirken. Einige Tiere reagierten noch in dem Moment, als ihnen ein Schlachter das Messer zum Todesstich in die Brust rammte. Tiere erwachten blutend auf dem Schlachtband, immer wieder versagte der Bolzenschuss, Falltore wurden krachend auf Rinderrücken geschlagen. Das alles ist auf den Bildern zu sehen.

Schlachtsystem versagt

Es habe nach Exkrementen und dem Schweiß der gestressten Tiere gerochen, gab er später zu Protokoll. Und auch das: Mitarbeiter hätten die Schweine in die Schlachthalle in einen schmalen Gang getrieben, wer stehenblieb, wurde getreten. Die Tiere wurden an den Beinen am Schlachtband hochgezogen, sie sollten zuvor durch einen Messerstich getötet worden sein.

Der eingeschleuste Mitarbeiter sah nach eigenen Angaben dutzende Male, wie zuckende Tiere in der Luft um ihr Leben kämpften. Erlöst wurden sie nicht, sie fuhren minutenlang strampelnd in Richtung heißes Bad, wo ihnen die Borsten weggebrüht wurden, beschrieben die Tierschützer. „Dieses Schlachtsystem versagt an sich selbst, nicht nur bei dramatischen Fehlern durch das Personal, sondern allein schon durch die maximale Ausbeutung der Ware Tier“, reklamiert Mülln.

In Düren beobachteten seine Leute, dass die Tiere von Leuten ohne Kompetenz getötet wurden, sagt er. Deswegen stellte der Tierschutzverein damals Strafanzeigen gegen den Eigentümer des Betriebs, den damaligen Subunternehmer und einen ehemaligen Vorarbeiter. „Wir stellen nie Anzeige gegen erkennbar im Fließbandstress überforderte Mitarbeiter“, hatte Mülln damals gesagt. Auch die seien Opfer des Systems. „Sie sind nicht gut ausgebildet und werden gnadenlos ausgebeutet.“

Der Schlachthof hatte damals schnell reagiert und den für das Schlachten beauftragten Subunternehmer umgehend gekündigt. Zudem sollten künftig weniger Tiere geschlachtet werden, um mögliche Schlampereien zu unterbinden, kündigte die Firma an.

Vier Jahre lang ermittelt die Behörde, um dann tatsächlich Anklage zu erheben. Die Staatsanwaltschaft will die drei angezeigten Männer vor Gericht bringen. Der Vorwurf: Sie sollen „gemeinschaftlich Wirbeltieren erheblichen und länger andauernde Schmerzen und Leiden zugefügt haben“. Es geht nur um den kleinen Zeitraum zwischen Oktober und November 2017, als die Soko ihre Mitarbeiter auf dem Schlachthof zeitversetzt untergebracht hatte.

Seit Mitte November 2021 liegt die Anklage nun beim Landgericht, die entsprechende Kammer muss prüfen, ob es einen hinreichenden Tatverdacht gibt, um das Verfahren zu eröffnen. Lässt sie die Anklage zu, liegt der Strafrahmen für die Beschuldigten für aufgelisteten Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zwischen einer Geldstrafe und einer dreijährigen Haftstrafe.