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Aachen: Angeklagte schildert weinend Martyrium

Aachen : Angeklagte schildert weinend Martyrium

Zum Prozessauftakt erschien die Angeklagte ganz in Schwarz. Die 50-Jährige aus Alsdorf muss sich seit Mittwoch wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Aachen verantworten.

Sie soll ihrem Ehemann nach jahrelang ertragener häuslicher Gewalt mit einem Handfäustel den Schädel zertrümmert haben. Ihr 23 Jahre älterer Mann war nach dem Geschehen geistig behindert.

Am Mittwoch konnte sich die Angeklagte an die Bluttat nicht mehr erinnern, stellte sie allerdings auch nicht in Abrede. So schilderte sie einen vorausgegangenen Streit, bei dem der durch einen Schlaganfall bereits beeinträchtigte Mann ihr einen Faustschlag ins Gesicht verpasst habe.

Dann sei alles dunkel geworden. Sie wisse nur noch, dass sie vollkommen durcheinander im Büro gestanden habe und dem gemeinsamen Sohn telefonisch erklärt habe: „Ich glaube, ich habe Deinen Vater umgebracht.”

Ihre Ehe sei ein mehr als 25 Jahre währendes Martyrium gewesen, sagte die Frau. Vor Gericht kämpfte sie immer wieder mit den Tränen.

Der Mann habe sie von der Hochzeitsnacht an regelmäßig misshandelt. Er habe sie unter anderem geschlagen und getreten. Sie müsse deshalb Zahnprothesen tragen und habe eine verkrüppelte Hand nach einer Schnittverletzung. Außerdem sei ihr ganzer Kopf von Narben übersät.

„Alles musste gemacht werden, wie er es wollte.” Scheidungsandrohungen habe er niedergemacht mit den Worten: „Ich habe so viel Geld, dass ich Dich erschießen lassen kann.” Zwei Mal habe sie Tabletten genommen, um sich das Leben zu nehmen, „weil ich es nicht mehr aushalten konnte”.

Ihr wurde aber jedes Mal noch rechtzeitig der Magen ausgepumpt. Ihren Kummer habe sie dann im Alkohol ertränkt. Auch bei der Tat habe Alkohol eine Rolle gespielt. „Aber wir haben auch schöne Zeiten gehabt”, erinnerte sich die Frau. „Er hat uns viel geboten. Wir haben Weltreisen gemacht und ich konnte mir alles kaufen.”

Mit 69 Jahren schließlich habe er einen Schlaganfall bekommen, war halbseitig gelähmt. Doch habe er sich nicht nachbehandeln lassen. „Das wird schon alles”, davon sei er überzeugt gewesen. Und sie habe ihn stets wieder hoch gepäppelt, wenn er nachts nach einer Flasche Weinbrand zu Hause gestürzt sei und in seinem Blut gelegen habe, bis sie von der Arbeit nach Hause gekommen sei. „Es heißt, ich hätte ihn öfter geschlagen. Das stimmt aber nicht.”

Der Mann ist vor zwei Monaten in einem Pflegeheim gestorben. Sein Tod soll aber nicht mit der Tat in Zusammenhang stehen.

Der Prozess soll nach zwei Verhandlungstagen mit dem Urteil am 18. Mai zu Ende gehen.