Meerbusch: Anakonda gesichtet: Beliebter Ausflugssee gesperrt

Meerbusch : Anakonda gesichtet: Beliebter Ausflugssee gesperrt

Eine alte Frau geht mit ihrem Gehwagen über einen Fußweg am Latumer See in Meerbusch. „Ist die Schlange schon gefangen?”, fragt die Dame mit leicht ängstlicher Stimme. Die vorläufige Antwort lautet: leider nein.

Meerbusch in der Nähe von Düsseldorf ist seit Donnerstag im Ausnahmezustand. Grund ist eine gelbe Anakonda, eine Würgeschlange, die sich im Latumer See, einem beliebten Ausflugsziel, tummeln soll. Für Menschen gilt das Tier als ungefährlich, aber für Katzen oder Hasen ist sie eine echte Bedrohung. Und bei zweieinhalb Metern Länge ist auch vielen Meerbuschern nicht ganz geheuer, was da in ihrem See schwimmt.

Angefangen hat die Geschichte mit Eugen Janischewski. Am Donnerstag will er ganz normal angeln auf dem rund zehn Hektar großen Baggersee. Dann aber macht er eine Entdeckung. „Ich dachte erst, das ist ein gelber Schlauch”, sagt der Angler einen Tag später. „Als ich etwas näher kam, ist sie abgehauen.”

Wenige Stunden später entdeckt auch das Ordnungsamt das Tier. Der Ehemann einer Mitarbeiterin wagt sich mutig in das Gewässer und will die Schlange fangen - doch sie ist schneller. Danach bleibt das zweieinhalb Meter lange Tier vorerst verschwunden. Die Stadt Meerbusch sperrt den Zugang zum See vorsichtshalber ab, geschwommen werden darf dort ohnehin nicht. Anhand von Fotos sind sich Experten aber sicher: Das ist eine gelbe Anakonda.

Viele Bäume und Büsche stehen direkt in Ufernähe. Versteckmöglichkeiten gibt es reichlich für die Schlange. Das kühlere Wetter ist zudem nicht wirklich förderlich für die Suchaktion. „Viel Sonne wäre hilfreich, um das Tier einzufangen”, erklärt Arnd Römmler vom Ordnungsamt. Dann legt sich das Tier gerne in die Sonne.

Eine größere Suchaktion mit Hilfe der Feuerwehr soll es nicht vor Montag geben. „Wir arbeiten gerade an Plänen”, sagt Römmler. Experten für Reptilienrettung der Feuerwehr Düsseldorf könnten eingreifen - dazu muss das Tier vorher allerdings wieder gesichtet werden. Nach Einschätzung des Ordnungsamtes könnten auch Reusen helfen, der Schlange habhaft zu werden. Zunächst sollen nun Mitarbeiter des Ordnungsamtes das weitläufige Gelände absuchen.

Die Stadt vermutet, dass die Schlange ausgesetzt wurde. Dass Schlangen in die Freiheit gelangen, passiert allerdings immer wieder. Erst in der Nacht zu Montag war eine Boa aus einem Terrarium in Tönisvorst verschwunden und am Mittwochabend wieder aufgetaucht.

Selbst wenn es noch kühler wird, dürfte das für die Schlange kein Problem werden, erläutert Römmler. Aber bei Frost bekämen die Tiere echte Schwierigkeiten. Wenn die Schlange nicht bis zur kälteren Jahreszeit eingefangen ist, wird sie den Winter kaum überleben.

Angler Janischewski hat derweil gemischte Gefühle. Er hat zwar die wohl aktuell bekannteste Einwohnerin von Meerbusch entdeckt. Aber genau deshalb kann er am Wochenende nicht angeln gehen. Der See ist abgesperrt.

(dpa)