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Stolberg: An fremden Bank-Konten bedient

Stolberg : An fremden Bank-Konten bedient

„Sie haben versucht, einen Fehler mit noch schlimmeren Fehlern auszubügeln”, staunte selbst der Staatsanwalt über das Vorgehen des angeklagten Rechtsanwaltes, der sich seit Montag vor dem Eschweiler Amtsgericht verantworten muss.

Dem 46-jährigen Stolberger wird gewerbsmäßige Untreue zu Lasten einer zur Tatzeit (Ende 1999 bis Februar 2002) 80-jährigen demenzkranken und bettlägerigen Dame vorgeworfen, für die er vom Gericht zum Betreuer in Vermögensfragen bestellt worden war.

Mehrfach soll sich der Anwalt selbst bedient haben, wenn er von diversen Konten der vermögenden Dame, die sich mehrere Hausangestellte leistete, Geld abgehoben hatte.

Der Staatsanwalt sprach von insgesamt 128.000 Mark sowie 11.000 Euro und weiterhin von 17.600 Mark von einem Konto, das zur Verwaltung einer Hausgemeinschaft diente, deren Verbleib ungeklärt sei.

Schwierig sind denn auch die Details aufzuklären, wo einzelne Beträge verblieben sind, zumal der Angeklagte „ein Chaos in der Buchung verursacht hat, das allein schon für den Vorwurf der Untreue reicht”, so der Staatsanwalt.

Der Angeklagte habe im Nachhinein sogar zu Luftbuchungen gegriffen, um seine Taten zu verschleiern. So erfolgten Abhebungen in den Küstenorten Renesse und De Panne, die im Nachhinein mit Belegen getarnt werden sollten.

Finanzielles Desaster

Der Angeklagte gab sich reue- voll und geständig. Er habe sich mit der Betreuung der alten Dame überfordert gefühlt, zumal die Vermögensverhältnisse einen enormen Zeitaufwand verursacht hätten.

Durch das betreuende Mandat habe er die Kosten für seine Bürogemeinschaft decken können. Als es ihm wirtschaftlich besser gegangen sei, habe er sich vom Konto der Betreuten Vorschüsse auf gewinne gewährt, die er noch nicht gehabt habe.

Als Ungereimtheiten in der Buchführung ruchbar geworden seien, das Vormundschaftsgericht seinen Vergütungsanträge nicht nachgekommen und auch das Finanzamt die Tasche aufgehalten habe, seien die Engpässe nicht mehr zu stopfen gewesen. Das finanzielle Desaster sei nicht mehr aufzuhalten gewesen.

„Es war keine Unterschlagung, sondern mein Mandant gewährte sich ein Darlehen für sich und seine Familie”, formulierte der Verteidiger des Angeklagten. „Es war der hoffnungslose Versuch, gerade zu stellen, was nicht mehr zu richten war”.

Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.