Maastricht/Aachen: An Avantis vorbei direkt von Aachen nach Maastricht

Maastricht/Aachen: An Avantis vorbei direkt von Aachen nach Maastricht

Nein, auch in absehbarer Zeit wird kein Zug über das niederländisch-deutsche Gewerbegebiet Avantis rollen, um Aachen und Maastricht direkt auf der Schiene zu verbinden. Zwar steht das im Sommer 2011 mit viel Enthusiasmus wiederbelebte Projekt Via Avantis nicht auf dem Abstellgleis. Doch es wird aller Voraussicht nach noch lange auf dem Wartegleis verweilen müssen.

Dennoch soll es in absehbarer Zeit die lang ersehnte direkte Zugverbindung zwischen den beiden Regional-Metropolen geben. Läuft alles glatt, wird ab 2017 ein in den Niederlanden Sneltrein genannter Regionalexpress vom Aachener Hauptbahnhof über Herzogenrath und Heerlen einmal die Stunde nach Maastricht rollen. Unter anderem ist auch ein Halt des Zuges am Bahnhof Woonboulevard in Heerlen geplant. Die Zeitersparnis gegenüber der bestehenden Bahnverbindung mit Umstieg in Heerlen soll bei mindestens zehn Minuten liegen — statt eine Stunde oder vor allem in Richtung Aachen länger sollen die Reisenden nur noch knapp 50 Minuten unterwegs sein. Die Direktbuslinie 50 braucht mindestens 60 Minuten für die Strecke.

„Endlich tut sich etwas im grenzübergreifenden Zugverkehr“, sagt Jeu Titulaer. Der Christdemokrat sitzt für die CDA im Limburger Provinzparlament und darf getrost als einer der Impulsgeber für die neue Verbindung angesehen werden. Mit der CDA, den Liberalen der VVD und der sozialdemokratischen PvdA stützt ihn eine große Koalition. Nur die rechtspopulistische PVV sträubt sich. Aber das, sagt Titulaer, ist egal.

Grundlagen werden gelegt

Zwei Initiativen hat er in den vergangenen Jahren lanciert. Nun ist sein Bestreben, den grenzüberschreitenden Bahnverkehr auszubauen, zumindest teilweise von Erfolg gekrönt. Zwar versuche die niederländische Bahn NS weiterhin, größere Lösungen wie die IC-Verbindung zwischen Eindhoven und Aachen zu blockieren. „Doch was seit Jahren nicht geklappt hat, kommt jetzt: die Direktverbindung zwischen Maastricht und Aachen.“ Zur Freude auch von Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer des für den Schienenverkehr zuständigen Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR), der das ambitionierte Projekt unterstützt.

Dafür werden derzeit auf beiden Seiten der Grenze die Grundlagen gelegt. Zentral dabei ist die Ausschreibung für den regionalen ÖPNV in Limburg für die Jahre 2016 bis 2031, in deren Rahmen auch besagte Sneltrein-Linie vergeben wird. Im zweiten Halbjahr 2014 sollen die Ergebnisse vorliegen. Doch bereits jetzt wird tatkräftig gearbeitet. Staatssekretärin Wilma Mansveld hat sich für Montag in Limburg angekündigt. Sie ist im niederländischen Verkehrsministerium für den Schienenverkehr zuständig und wird für die bislang fehlende Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Landgraaf und der deutschen Grenze den Baustart einläuten. Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen Provinz und dem niederländischen Reich, dass die Kosten von 15 Millionen Euro geteilt werden.

Auf deutscher Seite steht der Herzogenrather Bahnhof im Mittelpunkt, der durch den Halt des Sneltreins zu einer kleinen Drehscheibe in Richtung Niederlande für den Aachener und Heinsberger Raum würde. „Wir haben ein gesteigertes Interesse daran, dass dies so kommt“, sagt Joachim Hergesell, Verkehrsingenieur bei der Stadt Herzogenrath. Für rund sechs Millionen Euro soll möglichst bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 die Strecke von der Grenze bis zum Bahnhof ebenfalls elektrifiziert sein. Zudem muss bis dahin das Gleisfeld im Bahnhof durch zwei neue Weichen ausgebaut werden.

Dabei muss als NVR-Forderung die bereits bestehende Verbindung nach Heerlen bis zur Elektrifizierung sichergestellt sein. Denn die Euregiobahn fährt nur noch bis Ende 2015 nach Heerlen. Dann soll die sogenannte Ringbahn-Hauptstrecke der Euregiobahn von Aachen über Herzogenrath, Alsdorf, Würselen, Eschweiler, Stolberg bis Aachen fertig sein und mit mehr Zügen als bislang befahren werden. Heerlen entfällt als Euregiobahn-Halt. Die Folge: Bis der Sneltrein fährt, muss eine Übergangslösung gefunden werden, damit Heerlen zwischenzeitlich nicht gänzlich abgekoppelt wird.

Und die Avantislinie? „Es wird intensiv daran gearbeitet, die Voraussetzungen für die Förderfähigkeit des Projektes zu erreichen“, sagt NVR-Chef Sedlaczek. Denn längerfristig soll die Sneltrein-Verbindung auf die Via Avantis umgelenkt werden. Wann das sein wird? Eine gemeinsame Absichtserklärung von Provinz und NVR soll dabei helfen, dass das Thema an Fahrt gewinnt. Vielleicht fahren Züge 2019, 2020 über diese Linie, sagt Jeu Titulaer. Andere sprechen eher von 2022.

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