Amtsgericht Eschweiler: Prozess um Racheakt an Stolberger Journalisten

Wie eine „Räuberpistole“ : Racheakt an einem Stolberger Journalisten vor Gericht

Als die Kripo ihre Ermittlungen abschloss, ging sie noch von einem Mordversuch aus. Vor Gericht geht es nun jedoch „nur“ noch um Brandstiftung: Am 20. März wird der mutmaßliche Racheakt an einem Stolberger Journalisten am Eschweiler Amtsgericht verhandelt.

Ein Journalist recherchiert wegen des möglichen Subventionsbetrugs eines jungen Gewerbetreibenden, das Auto des Journalisten geht mitten in der Nacht direkt vor seinem Haus in Flammen auf, die Kripo ermittelt wegen Mordverdachts, weil in dem Haus, auf das die Flammen überzugreifen drohten, vier Menschen schliefen, einer der Verdächtigen nimmt sich das Leben, bevor er festgenommen werden kann: Der Kriminalfall, der sich im vergangenen Oktober in Stolberg abgespielt hat, hat einiges von einer handfesten Räuberpistole. Nun wird die Geschichte gerichtlich geklärt.

Am Mittwoch, 20. März, stehen der Gewerbetreibende, der zur Tatzeit 19 Jahre alt war, und ein damals 30-jähriger Komplize vor dem Eschweiler Amtsgericht. Vorgeworfen wird ihnen gemeinschaftliche Brandstiftung in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung. Verhandelt wird der Fall vom dortigen Jugendschöffengericht, weil der jüngere Angeklagte noch als Heranwachsender gilt.

Dass das Verfahren nicht vor dem Aachener Schwurgericht gelandet ist, liegt daran, dass die Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung vom Vorwurf des versuchten Mordes abgerückt ist. Und dafür ist vor allem das abschließende Gutachten des Brandsachverständigen verantwortlich gewesen, wie Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, auf Anfrage erklärt. Der Experte habe nämlich festgestellt, dass der „fiktive weitere Brandverlauf“ mit „sehr eindrucksvollen optischen und akustischen Wahrnehmungen“, insbesondere auch „eindrucksvollen Knallgeräuschen“ verbunden gewesen wäre, weswegen die Bewohner des Hauses mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgewacht wären – und das lange Zeit bevor das Feuer aufs Wohnhaus übergegriffen hätte.

Damit war der Mordverdacht vom Tisch, so Schützeberg: „Mit diesem Gutachten können wir nicht unterstellen, dass die Angeklagten den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen haben.“ Tatsächlich hatte die Frau des Journalisten laut dessen Angaben das Feuer rechtzeitig bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Diese habe dann „ein vollständiges Übergreifen der Flammen auf das Gebäude und damit eine Gefahr für die Bewohner verhindern können“, teilte die Polizei später mit.

Porsche Cayenne angezündet

Keinen Zweifel hat die Staatsanwaltschaft indes an der Schuld der Angeklagten. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Jüngere gegenüber den Ermittlern gestanden haben, dass er dem Journalisten habe Schaden zufügen wollen. Laut Anklage soll er den 30-Jährigen und einen weiteren 50-jährigen Mann in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober vorigen Jahres bis in die Nähe des Hauses des Journalisten in Stolberg gefahren haben. Dort habe er dann auf die beiden Komplizen gewartet, während diese den Porsche Cayenne des Journalisten angezündet hätten.

Als Tatmotiv geht die Anklage von Rache aus. Der junge Gewerbetreibende habe dem Jounalisten, der in seinem Umfeld recherchierte, einen Denkzettel verpassen wollen. Dieser hatte einen Tipp verfolgt, wonach es der Geschäftsmann mit seinen Finanzen nicht so genau nehme, hoch verschuldet sei und öffentliche Subventionen erschlichen habe. Und weil der Journalist nach dem Brand angab, der 19-Jährige habe ihn wegen seiner Recherchen bereits vorher bedroht und sogar verfolgt, geriet dieser schnell in den Fokus der Ermittler.

Am 31. Oktober wurde er auf einem Parkplatz in Würselen festgenommen. Seitdem sitzt er in U-Haft, weil bei ihm von hoher Fluchtgefahr ausgegangen wird. Der 30-Jährige, der am 30. Oktober in Bergisch-Gladbach verhaftet worden war, ist dagegen seit dem 7. Januar wieder auf freiem Fuß. Bei ihm sieht man keine Fluchtgefahr. Der mutmaßlich als Dritter an der Tat beteiligte 50-Jährige lebt nicht mehr. Er hatte laut Polizei einige Tage vor seiner beabsichtigten Festnahme einen Suizidversuch unternommen und starb einige Wochen später im Krankenhaus.

Das Verfahren vor dem Eschweiler Amtsgericht beginnt am 20. März um 9 Uhr in Saal 17. Falls nötig, wird der Prozess am 4. April fortgesetzt.

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