Bundespolizisten in Untersuchungsausschuss: Amad A. war anhand seiner Fingerabdrücke identifizierbar

Bundespolizisten in Untersuchungsausschuss : Amad A. war anhand seiner Fingerabdrücke identifizierbar

Zwei Bundespolizisten haben zum Fall des Syrers Amad A. ausgesagt, dass sie den Mann anhand seiner Fingerabdrücke eindeutig identifizieren konnten. „Das hat einwandfrei funktioniert“, sagten die Beamten, die am Dienstag als erste Zeugen öffentlich im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags in Düsseldorf zum Tod des unschuldig inhaftierten Syrers Stellung nahmen.

Der Syrer habe am 4. Juli 2018 ohne Fahrkarte und ohne Ausweispapiere nachts in einem Zug in Düsseldorf gesessen. Zudem sei ein Tütchen Marihuana bei ihm gefunden und sichergestellt worden. Die Verständigung mit ihm sei sehr schwierig gewesen.

Über das sogenannte Fast-ID-Verfahren und das System Inpol habe er aber mit Hilfe der Fingerabdrücke eindeutig als Amad A. aus Aleppo identifiziert werden können. Das Foto habe ebenfalls übereingestimmt. Es sei ein Verfahren wegen Schwarzfahrens eingeleitet und der Mann dann entlassen worden. Eine Fahndung nach ihm sei vom System nicht angezeigt worden.

Ein Polizist in Krefeld hatte den Syrer nur wenige Stunden nach den Bundespolizisten erneut überprüft - wiederum wegen Schwarzfahrens. In seinen Taschen habe man vier Zahlungsaufforderungen der Deutschen Bahn und eine Sparkassenkarte entdeckt. Im NRW-Datensystem Viva sei ebenfalls keine Fahndung nach ihm gespeichert gewesen.

Der hellhäutige Syrer Amad A. soll dennoch zwei Tage später am Niederrhein mit einem dunkelhäutigen Mann aus dem afrikanischen Mali verwechselt worden sein, nach dem wegen Diebstahls mit Haftbefehl gesucht worden war.

Dies könnte nach bislang offiziell nicht bestätigten Informationen seinen Ausgang in Siegen genommen haben. Dort soll eine Sachbearbeiterin in der dortigen Kreispolizeibehörde am 4. Juli einen neuen Datensatz zu seiner Person angefertigt haben - wenige Stunden nach den beiden Vorfällen wegen Schwarzfahrens. Der in Siegen angelegte Datensatz könnte die Fehlerkette in Gang gesetzt und bei späteren Abfragen zu falschen Auskünften geführt haben.

Bei dem in Siegen angefertigten Datensatz für das landesweite Polizei-Auskunftssystem Viva sollen erstmals Informationen über den in Hamburg gesuchten Afrikaner Amedy G. mit denen von Amad A. vermischt worden sein. Der Mann aus Mali soll den Namen Amad als Alias-Namen verwendet haben.

Der 26-jährige Syrer saß daraufhin wochenlang unschuldig im Gefängnis in Kleve und hatte schließlich laut Gutachter einen Brand in seiner Zelle gelegt, an dessen Folgen er starb. Die strafrechtlichen Ermittlungen in der Sache dauern weiter an. Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittelt wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und der fahrlässigen Tötung.

(dpa)