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Die belgische „UFO-Welle“: Als Ostbelgien Außerirdische jagte

Die belgische „UFO-Welle“ : Als Ostbelgien Außerirdische jagte

Vor 30 Jahren sorgte die „belgische UFO-Welle“ für Schlagzeilen. Etliche unbekannte Flugobjekte wurden gesichtet, nachdem Gendarmen das Phänomen in Raeren beobachtet hatten.

Was könnte Außerirdische gerade an Belgien so faszinieren? Diese Frage ploppte auf, als vor 30 Jahren massenhaft Sichtungen von Unbekannten Flugobjekten im Nachbarland gemeldet wurden. Das Phänomen machte als „belgische UFO-Welle“ Furore und hielt sich mehrere Jahre. Ihren Anfang hatte die Welle am 29. November 1989 im Grenzort Raeren genommen.

Am frühen Abend waren zwei Gendarmen mit ihrem Streifenwagen auf der Nationalstraße unterwegs, als sie auf einer Weide einen sehr hellen Lichtfleck bemerkten. Später berichteten sie von einem in 120 Metern Höhe über dem Boden schwebenden Objekt, das die Form eines Dreiecks habe und mit drei starken Scheinwerfern nach unten leuchte. Es habe zunächst lautlos in der Luft gestanden und sei dann langsam die Straße entlang geflogen.

Die Gendarmen verfolgten das Dreieck mit dem Streifenwagen bis zu Gileppe-Talsperre. Auch eine Autofahrerin aus Eupen berichtete der Polizei und dem Rundfunk von dem seltsamen Objekt. An diesem Abend wird noch eine ganze Reihe von Sichtungen gemeldet. „Im ganzen Grenzland rätselt man über ein leuchtendes Flugobjekt“ titelt die Aachener Volkszeitung und diagnostiziert im Dreiländereck ein „UFO-Fieber“.

Das stieg in der Folgezeit noch gehörig. Bis 1992 meldeten Tausende Belgier fliegende Dreiecke mit Scheinwerfern. Skeptiker merkten süffisant an, dass die Anordnung der Lichter der von Flugzeugen entspreche und diese UFOs nach den Regeln der zivilen Luftfahrt immerhin ordnungsgemäß beleuchtet seien. Andere versuchten, die Sichtungen mit Wetterphänomenen zu erklären, auch Verwechslungen mit Militärhubschraubern oder Testflüge von Tarnkappen-Jets wurden ins Spiel gebracht.

Luftwaffe im Einsatz

Ernst genommen wurden die Berichte von der Belgischen Gesellschaft für die Erforschung von Weltraum-Phänomenen (Sobeps), die diese Meldungen sammelte und auswertete. Bei ihrer Jagd nach UFOs bekam sie sogar Unterstützung von den belgischen Luftstreitkräften: Das Militär stellte den privaten Forschern zwei abrufbereite F-16-Kampfjets samt Piloten und spezieller Ausrüstung zur Verfügung. Dreimal stiegen die Militärmaschinen auf um die „mutmaßlichen Eindringlinge zu identifizieren“, wie der damals zuständige Generalmajor Wilfried de Brouwer rund 20 Jahre später vor Journalisten berichtete.

Die Kampfjets hätten „schnelle Änderungen von Tempo und Höhe, die jenseits der Möglichkeiten von herkömmlichen Flugzeugen lagen“, registriert. „Den Piloten gelang es jedoch nicht, visuellen Kontakt herzustellen.“ Rücksprachen mit Nato-Partnern und zivilen Luftfahrtbehörden sowie die Untersuchung von Wetterphänomenen lieferten auch keine Erklärungen. „Die Luftwaffe war außer Stande, die Art, Herkunft oder Absicht des gemeldeten Phänomens zu bestimmen“, resümierte de Brouwer.

Einige Tage nach der UFO-Jagd per Kampfjet tauchte dann ein sensationelles Foto auf: Zu sehen war ein fliegendes Dreieck mit Scheinwerfern, leicht verwischt und aufgenommen in Petit-Rechain unweit von Verviers. Das Objekt entsprach im Wesentlichen den bis dahin schon üblich gewordenen Beschreibungen und galt vielen als Beleg, dass es da doch etwas geben musste.

Gefälschtes Foto

Sobeps-Forscher untersuchten das Bild und befanden es für glaubwürdig. Doch 2011 gestand der Fotograf die Fälschung: Das UFO habe er aus einer Kunststoffplatte und ein paar Lampen selbst gebaut, aus dem richtigen Blickwinkel und etwas verwackelt fotografiert. Zweck der Inszenierung: Arbeitskollegen foppen. Doch das angeblich geprüft glaubwürdige Foto eines UFOs hatte zu schnell weite Kreise gezogen, und der Urheber bekam den Geist nicht mehr in die Flasche zurück.

Es passte wohl auch zu gut in eine Zeit, in der UFO-Sichtungen am Himmel über Belgien schon fast zur Folklore wurden. Zu erklären wäre das auch durch einen sich selbst verstärkenden psychologischen Prozess, liest man bei Wikipedia, wo die „Belgische UFO-Welle“ es zu einem eigenen Eintrag gebracht hat. Darin wird der Skeptiker Jean-Michel Abrassart erwähnt mit dem Verweis darauf, dass gerade dort viele Sichtungen gemeldet wurden, wo die Medien häufiger über UFOs berichtet hatten. Das mag die Angst vor Hohn und Spott gemildert haben, dem man sich ansonsten mit Berichten von seltsamen Phänomenen aussetzt.

Knapp drei Jahre nach der UFO-Verfolgung von Raeren nach Gileppe war der Spuk vorbei. Die Sobeps hat sich inzwischen aufgelöst. UFO-Sichtungen werden auch heute noch in Belgien gemeldet, nach einer Meldung des Belgischen Rundfunks waren es immerhin 254 im Jahr 2013. Meist ließen sich die Beobachtungen logisch erklären, zehn Prozent der Fälle bleiben aber rätselhaft.

Eine Erklärung haben Kenner der Szene immerhin: Dank der beleuchteten Autobahnen gilt Belgien als heller Fleck auf der Weltkarte. Wenn Außerirdische sich für unseren Planeten interessieren sollten, würden sie wohl vom Licht angelockt.