RAF-Mitglieder erschießen Zöllner: Als der Terror Kerkrade erreichte

RAF-Mitglieder erschießen Zöllner : Als der Terror Kerkrade erreichte

Zwei Mitglieder der RAF wollten an Allerheiligen 1978 die deutsch-niederländische Grenze bei Herzogenrath überqueren. Sie flogen auf und erschossen zwei niederländische Zöllner.

An jenem Allerheiligentag täuschten sie beim Grenzübertritt Alltag vor. Mit einem Aktenkoffer und einem Blumenstrauß aus langstieligen roten Nelken, eine halbe Stunde zuvor im Aachener Hauptbahnhof gekauft, passierte der junge Mann um 12.30 Uhr zuerst den schmalen Übergang zwischen Deutschland und den Niederlanden, die junge Frau folgte wenig später. Es war eine der bequemsten Stellen, die damals noch vorhandene Grenze zu queren. Allerdings war sie nur Inhabern eines besonderen Passierscheins vorbehalten, die natürlich keine zollpflichtigen Wagen mitführen durften.

Die Tarnung der Terroristen wirkte nicht – vier Zöllner, in einem unauffälligen Fiat auf der Nieuwstraat unterwegs, schöpften Verdacht. Der 20-jährige Zöllner Dirk de Jong stieg aus und forderte den jungen Mann auf, sich auszuweisen und den Aktenkoffer zu öffnen, in dem sich mehrere Stangen Zigaretten befanden. Der Beamte verlangte, dass der junge Mann ihn zur Kontrollstelle Locht begleiten solle. Daraufhin zückte Heißler plötzlich eine Pistole und feuerte auf den Zöllner.

Als er am Boden liegt, schießt Heißler ihm in den Kopf

Der Zöllner bricht schwer getroffen zusammen. Als er am Boden liegt, schießt ihm Heißler noch einmal in den Kopf. Der 20-Jährige stirbt noch an Ort und Stelle. Auch die Adelheid Schulz eröffnet nun das Feuer aus einer automatischen Maschinenpistole, insgesamt 24 Schüsse werden später gezählt. Ein weiterer Zöllner, Jan Goemans (24), wird durch Schüsse in den Kopf aus nächster Nähe schwer verletzt. Er erliegt später den Verletzungen. Ein dritter Kollege wird an der Schulter getroffen. Er überlebt, der vierte kommt mit einem Schock davon, der ihm aber lebenslang zu schaffen macht.

Die ahnungslosen Beamten hatten keine Chance gegen die eiskalten Mörder, resümierte am Ende der Ermittlungen die Staatsanwaltschaft Maastricht. Den Blumenstrauß warfen die Täter zu den Sterbenden und entfernten sich ohne besondere Eile in Richtung Kerkrade-Zentrum, wie Zeugen berichteten. Sie zwangen einen Bäcker, seinen Lieferwagen zur Verfügung zu stellen, der später drei Kilometer weiter entdeckt wurde, und konnten so vorläufig entkommen.

2001 auf Bewährung entlassen

Von Anfang an hatten die Fahnder einen Verdacht, wem das schießwütige Duo zuzuordnen war: Die eiskalte Manier deutete auf die RAF hin. Rolf Heißler soll an der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer beteiligt gewesen sein. Er wurde 1982 wegen der Ermordung der niederländischen Zollbeamten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, wobei ein gefälschter Ausweis, der in einer Tasche des überlebenden Zöllners gefunden worden war, der wichtigste Beweis war. 2001 wurde Heißler auf Bewährung entlassen.

Gegen Adelheid Schulz wurde wegen der Schleyer-Entführung und des Mordes an dem Banker Jürgen Ponto 1985 dreimal lebenslange Haft ausgesprochen, 1994 kam eine weitere lebenslange Haftstrafe wegen der Schießerei an der deutsch-holländischen Grenze hinzu. Nach 16 Jahren Haft wurde sie, mit Rücksicht auf ihren schlechten Gesundheitszustand, 1998 vorläufig aus der Haft entlassen und schließlich 2002 begnadigt.

Im Bewusstsein verankert scheint das tödliche Geschehen nicht mehr. „Sorry, ich wohne erst seit 2011 hier“, antwortet eine junge Frau in einem nahegelegenen Haus an der Kokelestraat auf Deutsch: „Das ist auch kein Thema hier.“