Titz: Alles neu am Dreieck Jackerath: Die A 44 wird neu gebaut

Titz: Alles neu am Dreieck Jackerath: Die A 44 wird neu gebaut

Unermüdlich fressen sich die Bagger durch das Erdreich. Tag für Tag, Meter für Meter. Auch während Hans-Werner Seul in der Straßenmeisterei Titz sitzt und über die Pläne für das Autobahndreieck Jackerath spricht, knabbern die riesigen Schaufeln an der Tagebaukante, rückt das Projekt Garzweiler II Richtung Westen vor, Richtung Erkelenz.

Hören kann er die Bagger in seinem Büro nicht, sehen auch nicht. Doch in den nächsten fünf Jahren werden die Riesen von RWE Power das Leben des Diplom-Bauingenieurs in Diensten des Landesbetriebs Straßenbau bestimmen. Denn Ende 2017 werden die Bagger an der A 61 stehen - und dann müssen das neue Autobahndreieck Jackerath sowie die beiden Kreuze Wanlo und Holz fertig sein, damit der Verkehr weiterhin reibungslos auf den Autobahnen 44, 46 und 61 fließen kann.

„Der Zeitplan ist sehr ambitioniert”, sagt Seuls Kollege Matthias Bächler: „Und der Druck ist erheblich”, fügt der stellvertretende Leiter der Niederlassung Ville-Eifel an, die für den Bau in Jackerath zuständig ist. Denn: Wenn die RWE-Bagger - womöglich wochenlang - stehenbleiben müssten, wäre das für den Energieriesen ein herber finanzieller Verlust. Daher werde alles Mögliche getan, den Zeitplan einzuhalten. „Das ist realistisch”, sagt Bächler, dessen Dienstherr quasi im Auftrag von RWE das mit rund 105 Millionen Euro veranschlagte Gesamtprojekt stemmt. Den größten Batzen zahlt mit mehr als 95 Prozent der Gesamtkosten übrigens der Essener Konzern, der mit seinen Plänen zur Fortführung des Tagebaus Garzweiler Auslöser der neuerlichen Autobahnverlegung ist.

Bomben und Frankengräber

So ist der Braunkohlentagebau im rheinischen Revier zwar immer eine Geschichte des - schmerzvollen - Verlusts von Heimat, wie nun im Falle Jackeraths etwa in Immerath und Holzweiler, aber auch eine Geschichte der Straßenbauer. Für den Tagebau Hambach beispielsweise wird derzeit bei Buir die A 4 verlegt. Die alte Trasse der A 44 wurde bereits 2006 von den Garzweiler-Baggern weggeschaufelt, seitdem müssen Autofahrer zwischen Düsseldorf und Aachen die Schleife über Mönchengladbach und die Kreuze Wanlo und Holz nehmen. Nun also der Neubau des Dreiecks Jackerath.

Zwar wird am 30. Mai offiziell der erste Spaten in den Boden gerammt. Doch die Planungen und Arbeiten laufen längst, bereits seit Jahren. Genauer: seit 2004. Am augenfälligsten war dies wohl Mitte März, als Kampfmittelräumer eine Bombe fanden und zur Entschärfung des Reliktes aus dem Zweiten Weltkrieg das Dreieck gesperrt werden musste. Auch die Archäologen sind fündig geworden. Hofstellen und andere Anlagen aus der Eisenzeit rund 500 vor Christus seien entdeckt worden, sagt Thomas Vogt vom Landschaftsverband Rheinland, und ein fränkisches Gräberfeld, das auf das 6. bis 7. Jahrhundert nach Christus datiert wird. „Solch ein Fund ist nicht so häufig”, meint Grabungsleiter Martin Heinen.

Für Straßenbauer weitaus spektakulärer ist der Damm, der seit Monaten im Tagebauloch aufgeschüttet wird und auf dessen Kamm ab 2017 der Verkehr zwischen Jackerath und Holz rollen soll. „Bis zu einen Kilometer breit, 300 Meter hoch und rund 7,2 Kilometer lang wird das Fundament sein, auf dem die A 44 künftig sechsspurig gebaut wird”, sagt der 51-jährige Seul, der das Projekt seit einem Monat leitet: „Als Basis wird der Abraum genommen, mit dem das Loch sowieso verfüllt wird.”

Ein bis zwei Kilometer kürzer

Parallel dazu wird zunächst auf der grünen Wiese der neue Verkehrsknoten gebaut. Dabei wird die vierspurige Trasse der A 44 zwischen der Anschlussstelle Titz und dem Dreieck den jetzigen Verlauf verlassen und nach rund drei Kilometern auf das künftige Dreieck stoßen, in dem die A 44 wie bisher über die A 61 hinweggeführt wird. Insgesamt verkürzt sich der Weg von Aachen nach Düsseldorf ab 2017 um ein bis zwei Kilometer.

„Doch das ist bei weitem noch nicht alles”, sagt Bächler: „Zum Projekt Jackerath gehören die Kreuze in Wanlo und Holz mit dazu. Das muss man als Netzwerk sehen.” Will heißen: Da die Bagger auf ihrem Weg Richtung Erkelenz in einigen Jahren auch Teile der A 61 wegbaggern werden, muss die Verkehrsführung in beiden Kreuzen angepasst werden, in Wanlo wird zudem eine neue Brücke gebaut.

Zudem wird ab 2013 die A 46 auf der 2,3 Kilometer langen Trasse zwischen Holz und Wanlo bis 2017 um zwei auf sechs Spuren verbreitert, da sie wegen der wegfallenden A 61 mehr Autos, Lkw und Busse verkraften muss, sagt Markus Reul, Projektleiter von der Landesbetrieb-Niederlassung in Mönchengladbach, die für diese Bauabschnitte zuständig ist.

Die Arbeitsteilung im Gesamtprojekt hält er für nicht problematisch. Auch wenn es einen erhöhten Koordinierungsbedarf gebe. Spannend wird es nur 2017 werden. „Wenn der Verkehr zeitgleich auf die neuen Fahrbahnen umgelegt wird, dann muss alles Hand in Hand gehen.”

Die Millionenblitze am Jackerather Dreieck hat bald ausgeknipst und macht den „Umzug” im Jahr 2017 nicht mit. Davon geht Josef Kreutzer aus, Sprecher des Kreises Düren. „Wir überwachen den Verkehr nur an Gefahrenstellen. Daher muss am neuen Dreieck nicht zwangsläufig eine Kamera stehen. Dies hängt maßgeblich von der Verkehrsentwicklung ab”, sagt er.

Die Blitze wurde Ende 2009 aufgestellt, da sich seit dem Kreuz-Umbau 2005 zahlreiche Unfälle ereignet hatten. Allein im Jahr 2010 wurden 143 000 Temposünder geblitzt, die rund zwei Millionen Euro an den Kreis zahlen mussten.

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