Aachen: Alkohol und Drogen führen eher zum Verlust des Scheines als Raserei

Aachen: Alkohol und Drogen führen eher zum Verlust des Scheines als Raserei

Unser Justizforum beschäftigt sich mit dem Thema „Führerscheinentzug“. Wir haben hier zehn Fragen rund um den Führerscheinentzug zusammengestellt - wie schnell der „Lappen“ weg sein kann, und was nach dem Strafverfahren auf einen zukommt — bis zum Idiotentest.

Was ist eine Trunkenheitsfahrt?

Ein Kraftfahrer begeht eine strafbare Trunkenheitsfahrt, wenn er nach dem Genuss von Alkohol oder illegalen Drogen sein Fahrzeug führt, obwohl er dazu nicht mehr in der Lage ist. Das ist immer dann der Fall, wenn er 1,1 Promille oder mehr Alkohol im Blut hat. Ist der Promillewert niedriger, ist im Einzelfall zu prüfen, ob der Fahrzeugführer schon fahruntauglich war. Insoweit können Ausfallerscheinungen wie das Fahren in Schlangenlinien den Ausschlag geben. Auf eine strafbare Trunkenheitsfahrt stehen Geld- oder Freiheitsstrafen und der Führerscheinentzug. Daneben ist das Führen eines Kraftfahrzeugs mit mindestens 0,5 Prozent Alkohol bzw. illegalen Drogen im Blut stets eine bußgeldpflichtige Ordnungswidrigkeit mit Fahrverbot.

Wie schnell baut sich Alkohol im Blut ab?

Die Abbaurate für Alkohol ist relativ konstant und liegt im Durchschnitt bei 0,15 Promille pro Stunde. Der Abbau beginnt bereits kurz nach Trinkbeginn, wenn der erste Alkohol nach der Aufnahme in das Blut, welche zum größten Teil im Dünndarm geschieht, über den Blutstrom in die Leber gelangt. Die Abbaugeschwindigkeit lässt sich durch keine Substanzen wie Medikamente oder Maßnahmen (Joggen etc.) beeinflussen.

Dürfen Männer mehr trinken als Frauen?

Um die gleiche Promillezahl zu erreichen, „dürfen“ Männer mehr Alkohol konsumieren als Frauen. Alkohol wird über den Blutstrom zu den Organen und Körpergeweben transportiert und verteilt sich dort in der sogenannten „wässrigen Phase“ des Körpers, nicht dagegen im Fettgewebe. Da sich die Anteile von wässriger und fettiger Phase bei Männern und Frauen unterscheiden und der männliche Körper einen höheren Anteil an wässriger Phase aufweist, steht dem getrunkenen Alkohol beim Mann ein größeres Verteilungsvolumen zur Verfügung.

Führt ein Joint zum Führerscheinverlust?

Der Konsum von Drogen (insbesondere von Kokain, Heroin, Amphetaminen) führt in jedem Fall zur Entziehung der Fahrerlaubnis durch das Straßenverkehrsamt und zwar auch dann, wenn man nicht als Kfz-Führer unter Drogeneinfluss „erwischt“ wird. Bei Cannabis erfolgt ein Entzug der Fahrerlaubnis durch das Straßenverkehrsamt dagegen grundsätzlich nur dann, wenn man unter Cannabiseinfluss aktiv am Straßenverkehr teilnimmt. Wer allerdings mehrmals in der Woche einen Joint raucht, gilt als regelmäßiger Konsument und verliert den Führerschein auch dann, wenn es nicht zu einer Rauschfahrt kommt. Zudem ist zu beachten, dass die Wirkungen eines Joints bis zu 24 Stunden anhalten. So lange darf man sich also nach einem Joint nicht ans Steuer setzen.

Können Raser ihren Führerschein verlieren?

Jedenfalls nicht ohne weiteres. Die Geschwindigkeitsüberschreitung ist nach deutschem Recht keine Straftat, sondern eine bußgeldpflichtige Ordnungswidrigkeit. Die Höhe der Geldbuße hängt von der Höhe der Überschreitung ab. Hinzu kommt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 31 km/h innerorts bzw. 41 km/h außerorts ein Fahrverbot von einem Monat.

Erst wenn bei der Geschwindigkeitsüberschreitung Menschen und/oder Sachen verletzt oder konkret gefährdet werden, kann sich der Raser auch strafbar machen und dann im Strafverfahren seinen Führerschein verlieren.

Drängeln, Drohen, Schlagen: Führerschein weg?

Zu dichtes Auffahren, Beleidigung anderer Verkehrsteilnehmer, tätliche Übergriffe etc. können in schweren Fällen zu einer Entziehung der Fahrerlaubnis sowohl durch das Strafgericht als auch durch die Fahrerlaubnisbehörde führen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Tat ein hohes Aggressionspotenzial zeigt.

Auch Taten, die mit dem Straßenverkehr an sich nichts zu tun haben, etwa gefährliche Körperverletzung (mit Messer, bei Tritten gegen den Kopf etc.), können dazu führen, dass eine Begutachtung des Täters durch die Fahrerlaubnisbehörde angeordnet wird.

Was kommt nach dem Strafverfahren?

Eine Fahrt unter Drogeneinfluss führt nicht zur Entziehung der Fahrerlaubnis im Strafverfahren, wenn es an Ausfallerscheinungen des Fahrers (z.B. Schlangenlinien fahren) fehlt. Das Strafverfahren wird wegen des fehlenden Nachweises der relativen Fahruntüchtigkeit regelmäßig eingestellt und der Betroffene bekommt (nur) einen Bußgeldbescheid mit Fahrverbot.

Da aber gleichwohl davon auszugehen ist, dass eine Person, die unter Einfluss von Drogen am Straßenverkehr teilnimmt, eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt, wird die Fahrerlaubnisbehörde ihm nach Einstellung des Strafverfahrens im Regelfall die Fahrerlaubnis entziehen.

Wann muss ich mich untersuchen lassen?

Ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) — umgangssprachlich auch als „Idiotentest“ bezeichnet — kann nur von der Fahrerlaubnisbehörde (nicht vom Strafgericht) angeordnet werden und ist immer dann beizubringen, wenn das Strafgericht die Fahrerlaubnis wegen einer Rauschfahrt entzogen hat und nunmehr bei der Fahrerlaubnisbehörde ein Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis gestellt wird. Eine Ausnahme von der Pflicht zur Beibringung einer MPU kann es dann geben, wenn der Entzug wegen einer einzelnen Rauschfahrt unter 1,6 Promille erfolgt ist.

Was ist eine medizinisch-psychologische Untersuchung?

Vor jeder Neuerteilung der Fahrerlaubnis muss die Führerscheinstelle prüfen, ob der betroffene Autofahrer wieder zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist oder ob Bedenken gegen seine körperliche, geistige und charakterliche Eignung bestehen. Bei Eignungszweifeln kann die Behörde eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) bei einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) fordern.

Die Begutachtung erfolgt durch ein Team eines verkehrspsychologischen und eines verkehrsmedizinischen Gutachters.

Gilt in Belgien und in den Niederlanden strengeres Recht?

Das kann man so nicht sagen. Bei Trunkenheitsfahrten ist das deutsche Recht sehr streng. Andererseits sind die Geldbußen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen in Belgien und mehr noch in den Niederlanden deutlich höher als in Deutschland.

(mku)