Düsseldorf: Alemannia: Verfassungsschutz beobachtet Teile der „Karlsbande”

Düsseldorf: Alemannia: Verfassungsschutz beobachtet Teile der „Karlsbande”

Der Aachener Fußball-Fanclub „Karlsbande” wird nach den Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums „von Neonazis für ihre Propagandazwecke” genutzt. Wie Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte, ist der Fußball-Fanclub des Drittligisten Alemannia Aachen seit einigen Wochen „fest im Visier der Polizei”.

Zudem werden derzeit etliche Mitglieder der „Karlsbande”, die zugleich als Aktivisten und Funktionäre der rechtsextremistischen Szene tätig sind, nach Informationen unserer Zeitung intensiv vom Verfassungsschutz beobachtet.

Nach den Beobachtungen der Sicherheitsbehörden organisieren sich in der 2010 gegründeten „Karlsbande” gegenwärtig etwa 150 Fans der Alemannia. „Einzelne Mitglieder” hätten Verbindungen zur rechtsextremen Szene und gehörten der vom NRW-Innenminister vor zwei Wochen verbotenen Neonazi-Organisation „Kameradschaft Aachener Land” an.

„Das gewalttätige Auftreten der Aachener Karlsbande als Teil der Ultra-Szene bereitet besondere Sorgen”, sagte Jäger. „Die Brutalität und das aggressive Auftreten gegenüber Andersdenkenden” sei auch ein wesentlicher Grund für das Verbot der „Kameradschaft Aachener Land” gewesen.

Viele heutige Mitglieder der „Karlsbande” hatten nach den Feststellungen des Innenministeriums zunächst in dem 1999 gegründeten Fanclub „Aachener Ultras” ihre Heimat gefunden. Meinungsverschiedenheiten über die Aufnahme rechtsnational gesinnter Fans hätten zur Spaltung und zur Gründung der „Karlsbande” geführt. Im Oktober vergangenen Jahres seien die beiden Fanclubs bei einem Auswärtsspiel „nach Provokationen der Karlsbande” erstmals aneinander geraten. Weiter Konfrontationen folgten.

„Diese Verhalten hat mit Fußballkultur nichts mehr zu tun”, erklärte der Innenminister gegenüber den „Nachrichten”, „hier geht es ausschließlich um Randalieren und Terrorisieren”.

Laut Innenministerium sind in Deutschland bisher etwa 2500 bundesweite Stadionverbote verhängt worden. Alleine 77 dieser Verbote seien „aufgrund rechtsextremistischer Handlungen” erfolgt. In neun Fällen stammten die mit Stadionverboten belegten Neonazis aus NRW.

Jäger betonte, dass es hier „derzeit keine Anhaltspunkte für eine systematische Unterwanderung der Fan-Szene durch Rechtsextremisten” gebe. Er habe den Eindruck, dass sich die Führungen der Fußballclubs zunehmend ihrer Verantwortung bewusst würden und gegen Neonazis im Stadion vorgingen.

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