Aachen: Alemannia in der NS-Zeit: Schicksalhafte Jahre in Schwarz-Gelb

Aachen : Alemannia in der NS-Zeit: Schicksalhafte Jahre in Schwarz-Gelb

In diesen Tagen ist er noch einmal in nahezu voller Größe zu sehen, zumindest als lebensgroße Figur in der Ausstellung „Alemannia 1933-1945“, die auch an seine Geschichte erinnert: Max Salomon, der trickreiche Stürmer, der für seinen Verein Alemannia Aachen zwischen 1920 — da war er knapp 14 Jahre alt — und 1933 auf Torejagd ging, hätte eine Legende werden können.

Einer, von dem man noch lange spricht. So wie sein Mannschaftskollege Reinhold Münzenberg, bis heute als „Der Eiserne“ bekannt und mit der Deutschen Nationalmannschaft im Jahr 1934 WM-Dritter. Die perfide Rassenpolitik der Nazis hat vor 85 Jahren verhindert, dass auch Salomon seiner Fußballerkarriere weitere Höhepunkte hinzufügen konnte.

René Rohrkamp (li.) und Ingo Deloie präsentieren ihr Buch vor einer lebensgroßen Porträtfigur von Max Salomon in der Ausstellung „Alemannia Aachen 1933-1945 — Fußball zwischen Sport und. Foto: A. Barth

René Rohrkamp und Ingo Deloie — beide Historiker, beide glühende Alemannia-Fans — haben sich der Geschichte Salomons und anderer jüdischer Alemannia-Mitglieder jener Zeit angenommen. Jetzt ist ihr gemeinsames Buch erschienen. In „Und Salomon spielt längst nicht mehr“ schildern sie erstmals umfassend die Geschichte der Alemannia und ihrer Mitglieder in der NS-Zeit. Mit Akribie und einem langen Recherche-Atem haben sie die Rollen von Spielern und Funktionären nachgezeichnet und darüber hinaus auch ein Aachener Stimmungsbild jener Jahre geschaffen.

„Begonnen hat alles in einer Zeit, als es der Alemannia viel besser ging als heute“, sagt René Rohrkamp über den Ursprung der Idee. 2004, als der Klub erst ins DFB-Pokalfinale stürmte und dann im UEFA-Pokal mitmischte, stellten sich die damaligen RWTH-Studenten erstmals die Frage, wie ihr Lieblingsverein in der NS-Zeit mit seinen Mitgliedern umgegangen ist. „Natürlich hofft man zuerst, dass die Alemannia sich in dieser Zeit heldenhaft verhalten hat. Dem war aber nicht so“, sagt Rohrkamp, Leiter des Aachener Stadtarchivs.

„Hitlers Machtantritt wurde bei der Alemannia wie auch anderswo als Aufbruchssignal gewertet“, sagt Ingo Deloie, der als Historiker an der RWTH Aachen arbeitet. „Man passte sich dem Gleichschaltungsprozess sehr zeitig an.“ Soll heißen: Juden wurden ohne offiziellen Zwang zum Austritt gedrängt.

Immer wieder rücken auf den knapp 250 Seiten die Biografien von Salomon und Münzenberg in den Fokus. Sie stehen auch für viele typische weil tragische Lebensgeschichten jener Zeit. Ihr langjähriger gemeinsamer Weg endet abrupt im April 1933. Während der „Eiserne“ sich mit dem System arrangierte und 1942 mit dem LSV Hamburg um die Deutsche Meisterschaft spielte, suchte der Jude Salomon nach seinem mehr als unfreiwilligen Austritt vergeblich Schutz in Belgien. Seine Spur verliert sich 1942 bei einem Arbeitseinsatz auf dem Weg ins Konzentrationslager Auschwitz.

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