Aachen: Alemannia-Familie in der Belastungsprobe

Aachen: Alemannia-Familie in der Belastungsprobe

Kurz vor Anpfiff hatten die Kontrahenten noch die Friedenspfeife herausgeholt - zumindest atmosphärisch - und zur Fairness aufgerufen. Trotz aller zu erwartenden Scharmützel um Vereinswappen, Kandidatenbestimmung und Stärkung der Mitgliederrechte.

Und so wirkte es Donnerstagabend schon ein wenig inszeniert, als Jupp Ebert nach der Begrüßung durch Präsident Dr. Alfred Nachtsheim das Alemannia-Lied „You never walk alleng” anstimmte. Ein Einschwören auf den Alemannia-Geist. Ob´s klappt? 649 Mitglieder waren gespannt.

Ehrungen, vereinzelt ausufernde Berichte der Abteilungen, Leichtathleten, Volleyball, alles Grund zur Freude. „Wir müssen uns auf den Plätzen keine Sorgen um die Alemannia machen”, freute sich Nachtsheim in seinem Bericht. Im Wesentlichen ging es dem Präsidenten darum, Frieden und Einheit zu beschwören: „Im Sommer werden wir uns zusammensetzen. Die Deutsche Fußball Liga schreibt vor, bei Wahlen einen Film vorzuschalten. Vielleicht ist ein Wahlausschuss die Lösung. Wie kann eine Satzung gestaltet werden, die die Mitglieder stärker einbindet? Das sind die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen.”

Aber er zitierte auch eine andere Prioritätenliste: Der Jugendfußball habe keine Plätze, unter Hochdruck werde an der Umfinanzierung der Stadionlast gearbeitet. Nachtsheim warnte vor Verhältnissen wie beim HSV, wo der Fußball nur noch eine nachgeordnete Rolle spiele. Alemannia habe nicht nur Freunde in der Region. Sein Appell: „Lasst uns aus den Gräben herauskommen und keine Nabelschau beginnen.” Der Applaus dürfte ihn beruhigt haben. Vorerst. Nagelprobe: Entlastung des Vorstands. Manfred Lorenz, Verwaltungsratsvorsitzender, drängte auf die Entscheidung: „Husch, husch, die Hände hoch!” Tatsächlich basiert die Entlastung auf 447 Ja-Stimmen zu 140 Nein-Stimmen.

Dann der Knackpunkt der Veranstaltung, der Antrag auf Satzungsänderung. „Der Weg zu mehr Kontinuität, Stabilität und Qualität”, wie die Satzungsgruppe postuliert hat - und die Chance auf mehr Auswahl für zu wählende Gremienvertreter. Hans-Werner Fröhlich führte die kompletten Argumente für die Änderung ins Feld. Präsidiumsmitglied Dr. Christoph Terbrack forderte Zeit ein. Der Entwurf lasse zu viele Fragen offen. Im Mai soll ein Kongress am Tivoli stattfinden - mit Mitgliedern, DFL- und DFB-Vertretern - und den „Verein von übermorgen beraten”. Er argumentierte ganz als Jurist. Dann kochten die Emotionen langsam hoch. Zahlreiche Wortmeldungen waren Indiz für Diskussionsbedarf. Wie werden Gesprächszusagen garantiert? Wieso soll eine größere Wahlmöglichkeit „Teufelswerk” sein?

Die Uhr tickte Richtung Mitternacht, die Argumente wiederholten sich. Das Präsidium drängte auf Abstimmung, die Diskussion wurde beendet - und Fröhlich streckte mit Antragsteller Hans-Dieter Schaffrath die Hand aus. Eine paritätisch besetzte Arbeitsgruppe soll es richten. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Doch die Anträge zu den Satzungsänderungen erhielten allesamt nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Zum Abpfiff der Hauptversammlung zeigte die Uhr weit nach Mitternacht.