Aachen: AKV muss die ersten Absagen verdauen

Aachen: AKV muss die ersten Absagen verdauen

Lichte Reihen sind bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst am 23. Januar im Aachener Eurogress wohl nicht zu erwarten, aber auf einige klangvolle Namen wird der Aachener Karnevalsverein (AKV) doch verzichten müssen.

Nach dessen Entscheidung, an dem umstrittenen CSU-Politiker Markus Söder als Ordensritter festzuhalten, haben mehrere Bundes- und Landespolitiker angekündigt, der Sitzung fernbleiben zu wollen. Darunter auch Grünen-Chef Cem Özdemir und Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken.

Beiden ist nicht erst seit Söders Skandal-Twittermeldung nach den Terroranschlägen in Paris die Lust auf einen gemeinsamen Karnevalsabend mit dem bayerischen Finanzminister vergangen. Söders Äußerung sei „nicht nur schäbig, sondern kreuzgefährlich“, meint Wagenknecht. Mit seinem im Internet verbreiteten Tweet „Paris ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen“ mache Söder „Stimmung gegen diejenigen, die selbst vor Terror fliehen mussten“.

Inwieweit dies noch dem Grundgedanken des Ordens für „Humor und Menschlichkeit im Amt“ entspricht, fragt sich auch die Aachener SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Jansen. Sie hat bereits früh entschieden, nicht zur Sitzung zu gehen. „Und nach der jetzt nachgeschobenen Begründung erst recht“, bekräftigt sie. Damit nimmt sie Bezug auf eine am Dienstagabend verbreitete Erklärung des AKV-Elferrats, wonach sich der Vorzeigeverein des Aachener Karnevals weiterhin überzeugt zeigt, in Söder einen „würdigen Ritter“ gefunden zu haben.

Zwar distanziert sich der AKV darin von Söders Äußerung, zugleich erklärt er aber auch: „Demokratie muss Meinung aushalten.“ Die Grenze des Zumutbaren habe Söder mit seiner Äußerung nicht überschritten, findet der Elferrat.

Ausgerechnet Söders Parteifreund Horst Seehofer äußerte sich am Mittwoch hingegen komplett entgegengesetzt. „Das war eine Grenzüberschreitung“, kanzelt der bayerische Ministerpräsident am Mittwoch seinen Finanzminister in ungewohnter Deutlichkeit ab, und fast hört sich dies wie eine direkte Re­plik auf die AKV-Erklärung an. „Meine Toleranz ist groß, aber nicht unendlich“, fügt Seehofer hinzu, der Söder vorwirft, den Terror für seine eigene Profilierung auszuschlachten.

„Absolut daneben“ nennt auch die Aachener CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen Söders Twitter-Meldung. „Diese Verknüpfung von Terror und Flüchtlingskrise macht man nur am rechten Rand“, sagt sie. Sie hätte Verständnis dafür gehabt, wenn der AKV dem CSU-Politiker den Preis aberkannt hätte, akzeptiert aber auch die jetzige Entscheidung. „Ich werde dabei sein und ganz genau darauf achten, was er von sich gibt“, kündigt sie an.

Früh ist auch NRW-CDU-Chef Armin Laschet auf Distanz zu Söder gegangen. Die Vorgänge rund um die Ordensverleihung will er nun jedoch nicht kommentieren. Ob er an der Sitzung teilnehmen wird, lässt er somit ebenso offen, wie die Aachener SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt. „Wenn ich hingehe, dann sowieso nur aus Liebe zum AKV“, sagt sie. Aktuell sei es für sie jedoch nur schwer vorstellbar, über einen Mann zu lachen, „der in einer schwierigen Situation zündelt“. Gefreut habe es sie, dass sich der AKV überhaupt mit einer möglichen Aberkennung des Ordens befasst hat. „Das zeigt, dass der Karneval nicht einfach über solche Themen hinweggeht.“

Absagen wird hingegen Cem Özdemir, der die AKV-Entscheidung bedauert und fragt: „Heißt das Motto Polarisieren statt zusammenhalten?“ Özdemir war Ordensritter 2013 und mehrfach auf der AKV-Bühne zu erleben.

Weitere Ordensritter hätten bisher nicht abgesagt, teilte AKV-Chef Werner Pfeil am Mittwoch auf Anfrage mit. Gut zwei Drittel der Plätze im Eurogress seien bislang vergeben, was zum jetzigen Zeitpunkt normal sei. Noch habe kein Gast seine Karten wegen des umstrittenen Ordensritters zurückgegeben, sagt Pfeil. Gegenüber unserer Zeitung haben dies inzwischen allerdings mehrere Besucher, darunter auch lokale Prominenz, angekündigt.

Der designierte Preisträger betrachtet die Vorgänge aus der Ferne eher gelassen. „Ich freue mich besonders über die einstimmige Entscheidung und komme natürlich gerne nach Aachen“, teilt Söder kurz und knapp mit.

Als gesichert kann auch das Kommen der diesjährigen Ordensritterin Annegret Kramp-Karrenbauer gelten. „Selbstverständlich halte ich die Laudatio“, bestätigt sie auf Anfrage und fügte vielsagend hinzu: „Ich freue mich auch irgendwie drauf, weil es doch viel zu sagen geben wird.“ Die Entscheidung des AKV habe sie nicht zu kommentieren, sagt sie. Wie wenig sie jedoch von Söders Twitterei hält, macht ihr Verweis auf Seehofer deutlich: „Ich halte es in dem Fall mit meinem bayerischen Kollegen.“

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