Köln: Aids-Kranke werden häufig zu spät therapiert

Köln: Aids-Kranke werden häufig zu spät therapiert

Aids-Kranke werden nach Expertenangaben häufig nicht rechtzeitig mit lebensverlängernden Medikamenten behandelt. „In Westeuropa werden 80 Prozent der HIV-Infizierten zu spät therapiert”, sagte der dänische Mediziner Jens Lundgren am Freitag zum Abschluss der 12. Europäischen Aidskonferenz in Köln.

Ein Grund dafür sei, dass die Betroffenen häufig nichts von ihrer Krankheit wüssten.

Viele junge Leute in Europa sterben Lundgren zufolge jedes Jahr unnötigerweise, weil sie nicht früh genug behandelt wurden. „Und das geschieht, ohne dass die Politik oder die Gesellschaft eine Diskussion darüber führen.” Lundgren forderte zusätzliche Maßnahmen gegen die Stigmatisierung von HIV-Infizierten.

Eine regelrechte Homosexuellen-Feindlichkeit herrsche in Ländern wie Polen und Russland, aber auch in Südeuropa, sagte der Experte weiter. Viele Homosexuelle wüssten, dass sie gefährdet sind, ließen sich aber aus Angst vor der Diskriminierung nicht testen. Lundgren rief die nationalen Gesundheitsbehörden dazu auf, alles zu unternehmen, um möglichst frühzeitig HIV-Infektionen zu diagnostizieren.

Der russische Mediziner Alexander Panteleev beklagte, dass in Russland viele HIV-Patienten zusätzlich mit Tuberkulose infiziert seien. Besonders Drogenabhängige in den Großstädten und Häftlinge seien betroffen. Tuberkulose sei auch in der ehemaligen Sowjetunion ein großes Problem gewesen. Sie habe wirtschaftliche und soziale Gründe. Außerdem fehle es im russischen Gesundheitssystem an Geld zur Behandlung von Tuberkulose- und Aids-Kranken.