Ahnengalerie der Staatskanzlei: Jim Raketes Foto von Hannelore Kraft

Eine ehrliche Haut : Hannelore Krafts Foto für die Ahnengalerie

Links von Jürgen Rüttgers (CDU) ist jetzt nur noch Hannelore Kraft (SPD): Seit Freitag hängt ihre Aufnahme von Starfotograf Jim Rakete in der Ahnengalerie der Düsseldorfer Staatskanzlei.

Damit Krafts Foto nicht erst am Ende des Ganges im 3. Stock zu sehen ist, wurden die Bilder all ihrer Vorgänger umgehangen. So ist die Reihenfolge der zehn Köpfe jetzt genau andersherum als bislang. Der Besucher kommt erst an den Porträts von Kraft und Rüttgers vorbei - und schafft es vielleicht bis zum Ölgemälde des ersten Ministerpräsidenten Rudolf Amelunxen. Der hängt jetzt etwas Abseits einige Meter hinter dem Büro-Eingang des aktuellen Landeschefs Armin Laschet (CDU).

„Supercool mit diesen Goldrahmen“, lobt Jim Rakete, als er die Ahnengalerie mit Kraft und Laschet abschreitet. Der Fotograf, der sonst Schauspieler und Stars in Szene setzt, hatte im Januar die ehemalige Landeschefin in seinem Studio vor der Kamera. Auf seinem eher dunklen Porträt wirkt Kraft sanft leuchtend. Man sieht - das muss man sagen - praktisch jede Falte im Gesicht der 57-Jährigen. Eine ehrliche Haut.

Dem Vernehmen nach hatte Kraft darum gebeten, dass das digitale Foto nicht so retuschiert wird, wie man es sonst vielleicht von Wahlplakaten kennt. Rakete selbst sagte am Freitag dazu nur: „Es ist sehr natürlich...“

Tatsächlich wirkt das Porträt Krafts nicht nur wie ein Spiegel ihrer selbst, sondern auch unserer Zeit. Amelunxen hält auf seinem Gemälde noch eine Zigarre in der rechten Hand. „Das könnte man sich heute ja gar nicht mehr vorstellen“, sagt Laschet. Er erinnert bei der Enthüllung an eine Besonderheit, die durch den Wirbel um das erste Foto in der Galerie in den Hintergrund gerückt ist: Mit Kraft hängt erstmals das Porträt einer Frau in der Reihe älterer Herren.

21 Monate nach ihrem Ausscheiden als Ministerpräsidentin ist Kraft nur noch einfache Abgeordnete. Dass sich ein Dutzend Fotografen und Kameraleute vor ihr postieren, hat sie lange nicht erlebt. Sie scheint es auch nicht zu vermissen. Sie verliert nicht viele Worte, lobt kurz Jim Rakete („ich schätze ihn als Künstler und als Mensch“) und erklärt ihre Entscheidung für ein Lichtbild anstelle eines Ölgemäldes: „Es muss ab und zu was Neues sein.“

Auf die Frage eines Journalisten, ob das Porträt für sie so etwas wie der Abschluss ihrer politischen Karriere sei, antwortet Kraft entspannt: Der Abschluss ihrer Zeit als Ministerpräsidentin liege ja schon etwas zurück - „und ich schaue ohne Gräuel und mit viel Freude zurück. Es war eine wunderbare Zeit, die ich diesem Land als Ministerpräsidentin dienen durfte. Jetzt bin ich Abgeordnete und das werde ich auch bis zum Ende der Legislaturperiode sein.“

Sollte sie danach nicht mehr im Landtag sein, bleibt sie der Staatskanzlei - nur ein paar hundert Meter entfernt - als Foto erhalten. Sollte Ministerpräsident Laschet irgendwann ausscheiden, wird allerdings auch das Porträt von Kraft wieder umziehen müssen. Dann braucht es Platz für das nächste Bild. Und das wird nicht mehr hin passen. Denn links neben Kraft ist jetzt nur noch die Tür zum Treppenhaus der Staatskanzlei.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung