Köln: Achtung Musical-Muffel: Versucht es mal mit „Hairspray”

Köln: Achtung Musical-Muffel: Versucht es mal mit „Hairspray”

Vom Studienrat an aufwärts hält sich in Deutschland die Vorstellung, dass Musicals vornehmlich von Leuten in etwas zu grellen Jacketts besucht werden. „Musical, ach ja, ich habs mal ausprobiert, aber irgendwie...”

Für alle, dies noch mal versuchen wollen: Im Kölner Musical Dome läuft am Sonntag „Hairspray” mit Uwe Ochsenknecht an. Wer danach immer noch keine gute Laune hat, sollte es wirklich für alle Zeiten drangeben mit den Musicals.

Der 53-jährige Ochsenknecht ist in „Hairspray” in einer Frauenrolle zu sehen. Er spielt die beleibte amerikanische Hausfrau Edna Turnblad - das kann natürlich leicht zur Klamotte geraten. Aber Ochsenknecht demonstriert den Unterschied zwischen einem Comedian und einem Schauspieler. Er nimmt sich vor allem am Anfang zurück, verstellt noch nicht mal die Stimme. Dann steigert er sich langsam bis zu einer wunderbaren Szene, in der er sich von seinem Bühnen- Ehemann Wilbur Turnblad (Leon van Leeuwenberg) anmachen lässt. Urkomisch und rührend zugleich.

Ochsenknecht wurde am Donnerstagabend bei einer Vorpremiere gefeiert. Ebenso umjubelt war die Hauptdarstellerin Maite Kelly (29). Sie glänzt als übergewichtige Tracy Turnblad, die 1962 im spießigen amerikanischen Baltimore zum Tanzstar aufsteigt und sich gegen Rassentrennung stark macht. Diese Maite ist niemand anderes als das elfte Kind der Kelly Family. The Kelly Family - langhaarig, irisch, barfuß in Jesuslatschen, do you remember?

Manches scheint sich ja doch zu vererben. Karl-Theodor zu Guttenberg ist nach soundsoviel Generationen gehobenen Raubrittertums ein gewisser aristokratischer Stil eigen, und die Kelly-Kinder können eben von Natur aus gut singen und tanzen, selbst wenn sie dick sind. Und dick ist Maite Kelly: „Selbst wenn ich durch das ganze Tanzen 10 oder 15 Kilo verliere, bin ich immer noch dick.”

Das Musical lief schon sehr erfolgreich am Broadway und in London. Vorlage dafür ist der gleichnamige Film von US-Regisseur John Waters aus dem Jahr 1988. „Die ganze Story handelt von Diskriminierung, alles basiert auf einer wirklichen Geschichte”, sagte Waters kürzlich in einem dpa-Interview. „Aber auf der Bühne müssen die Dinge reduziert werden.”

Das führt zwangsläufig zu einer gewissen Verkitschung und einem Maß an politicial correctness, das stellenweise am Rande des Erträglichen ist. Auf Deutsch wirkt das Ganze irgendwie auch noch platter als auf Englisch. Vermutlich liegt das daran, dass man auf Englisch doch nicht jeden Witz versteht und sich dann einredet, das wäre nun eine ganz besonders raffinierte Pointe nur für Eingeweihte gewesen.

Aber was solls - insgesamt ein spritziger Abend, man glaubt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Am Ende singt Uwe Ochsenknecht mit dem Publikum. Wirklich, der Mann ist gar nicht so grummelig, wie immer gesagt wird.

Mehr von Aachener Zeitung