Orkan „Friederike”: Acht Tote, eine halbe Milliarde Euro Schaden

Orkan „Friederike” : Acht Tote, eine halbe Milliarde Euro Schaden

Nach dem schwersten Orkan seit mehr als zehn Jahren in Deutschland ist die Zahl der Toten bundesweit auf mindestens acht gestiegen. In Sachsen-Anhalt kamen durch das Sturmtief „Friederike” zwei Männer ums Leben, wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilte. Beide seien am Donnerstagabend ihren schweren Verletzungen erlegen.

Ein 65-Jähriger kam in Sachsen-Anhalt ums Leben, als er an seinem Dach Sicherungsarbeiten durchführte. Er fiel rund acht Meter in die Tiefe. Im Burgenlandkreis wurde ein 34-Jähriger von einem umstürzenden Baum getroffen. Mindestens weitere sechs Menschen starben am Donnerstag bei dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Brandenburg, viele wurden während des Orkans verletzt.

Selbst einzelne Gebäude konnten der Wucht des Orkans nicht standhalten, wie dieses landwirtschaftliche Anwesen im hessischen Meimbressen. Foto: Uwe Zucchi/dpa

30.000 Helfer in NRW im Einsatz

Hier nicht weiter: Ein vom Sturm entwurzelter Baum hing am Donnerstag in Düsseldorf-Kaiserswerth auf Oberleitungen. Auch am Freitag waren in Nordrhein-Westfalen noch längst nicht alle Bahnstrecken wieder frei. Foto: David Young/dpa

Alleine in NRW hat Orkantief „Friederike” zu mehr als 20.000 Einsätzen von Feuerwehren, Katastrophenschutz und Rettungsdiensten geführt. Rund 30.000 Helfer waren im Einsatz, wie das NRW-Innenministerium am Freitag mitteilte. Hinzu kamen den Angaben nach noch rund 8000 sturmbedingte Einsätze der Landespolizei. 600 Verkehrsunfälle wurden registriert.

Unter den landesweit drei Todesopfern war ein Feuerwehrmann, der im Einsatz starb. Fast 100 Menschen wurden verletzt. NRW-Innenminister Herbert Reul dankte den Einsatzkräften, die große Gefahren für sich selbst in Kauf genommen hätten.

Am Freitagmorgen rollten die ersten Züge deutschlandweit im Nah- und Fernverkehr wieder - weitgehend fahrplanmäßig. Reisende und Pendler müssen allerdings noch mit Einschränkungen rechnen. Am Morgen standen an vielen Bahnhöfen im ganzen Land viele Menschen ratsuchend an Service-Ständen und Infotafeln. An zahlreichen Bahnhöfen seien zusätzliche Mitarbeiter zur Betreuung der Reisenden im Einsatz, so die Bahn.

Nach Angaben der Deutschen Bahn hat „Friederike” Millionenschäden am Schienennetz angerichtet. An mehr als 200 Streckenabschnitten seien Reparaturen notwendig. Bahnreisende oder Mitarbeiter seien nicht zu Schaden gekommen. Der Bahn-Vorstand für den Personenverkehr, Berthold Huber, verteidigte die bundesweite Einstellung des Bahnverkehrs. „Die Entscheidung, die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter über alles zu stellen, war richtig.” Erstmals seit „Kyrill” 2007 rollte am Donnerstag im ganzen Land kein Zug mehr.

Einsatzkräfte im Dauereinsatz

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bedankte sich via Twitter bei den Rettungskräften und sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus. „Ich danke vor allem den mehr als 1000 ehrenamtlichen THWlern sowie allen anderen Einsatzkräften, die sich in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben.” Der Sturm habe gezeigt, wie wichtig das Technische Hilfswerk (THW) für das Zusammenleben sei.

Polizei und Rettungskräfte waren während des Orkans im Dauereinsatz und in der Nacht sowie am Freitagmorgen mit Aufräumarbeiten beschäftigt. In den betroffenen Regionen wurden die Einsatzkräfte oft alarmiert, weil Bäume umgestürzt waren oder Dächer abgedeckt wurden. Es kam zu zahlreichen Verkehrsunfällen und Straßensperrungen.

Der Orkan wütete auch im Wald. Der Landesbetrieb Wald und Holz in Nordrhein-Westfalen etwa geht zwar davon aus, dass die Schäden deutlich geringer sind als „Kyrill”. Allerdings sollten Spaziergänger generell vorsichtig sein, wenn sie in Wäldern und Parks unterwegs sind. Abgebrochene Äste könnten herabfallen, auch manche Bäume könnten Tage nach dem Sturm noch umfallen, warnte zum Beispiel der hessische Waldbesitzerverband.

Schwerster Sturm seit 2007

Das Tief, das von Westen her über Deutschland fegte, ist laut Deutschem Wetterdienst (DWD) der schwerste Sturm seit dem Jahr 2007. Auf dem Brocken im Harz seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometer gemessen worden. „Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse”, sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich.

Im Tiefland wurden ebenfalls hohe Spitzen-Windgeschwindigkeiten erreicht. So stellte der DWD fast 138 km/h im thüringischen Gera fest, 134 Kilometer pro Stunde wurden im nordhessischen Frankenberg erreicht.

Auch in anderen Ländern wütete „Friederike”. In Belgien und den Niederlanden kamen Menschen ums Leben. In Polen gab es mehrere Verletzte.

Um Mitternacht hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die letzten Unwetterwarnungen auf. Er kündigte für Freitag noch Sturmböen auf den Bergen und an der See an und warnte vor Glätte. Ansonsten erwarteten die Experten für Freitag und das Wochenende vor allem Wolken und Regen-, Schnee- und Graupelschauer. An den Alpen erwartet der Wetterdienst kräftige Schneefälle.

(dpa)