1. Region

Abschuss diskutiert: Ist Wölfin „Gloria“ ein Problemwolf?

Gericht verhandelt Abschuss : Ist Wölfin „Gloria“ ein Problemwolf?

Wölfin „Gloria“ strapaziert am Niederrhein die Nerven der Weidetierhalter. Doch die Behörden halten bislang zur Wölfin. Nun hat die Justiz das Wort.

Im Behördendeutsch geht es um Wolfstier „GW965f“, im Volksmund um Wölfin „Gloria“. Je nachdem, wer zählt, soll „Gloria“ bereits zwischen 92 und 140 Weidetiere am Niederrhein gerissen haben: „Shetland-Ponys, Schafe, Ziegen und Dammwild im Gehege“, listet Rechtsanwalt Stefan Steinkühler auf. Allein Schäfer Kurt Opriel beklagt 26 getötete Tiere. Elf Mal sei seine Herde in der Region Schermbeck von Wölfin „Gloria“ heimgesucht worden.

Nun hat Opriel den Abschuss des Raubtieres beantragt. An diesem Donnerstag findet am Düsseldorfer Verwaltungsgericht die Hauptverhandlung statt. Der Schäfer will den Kreis Wesel verpflichten, eine Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erteilen, damit die Wölfin getötet werden darf (Az.: 28 L 2558/20). Im Eilverfahren war er im Januar allerdings bereits gescheitert, entsprechend dürften seine Chancen nicht besonders gut stehen.

„Gloria“ habe mehrmals Stromzäune von 1,20 Meter überwunden und sei damit eigentlich verhaltensauffällig, sagt sein Anwalt. Doch die Kriterien, kritisiert er, würden ständig nach hinten verschoben. Erst hieß es, ein Problemwolf sei einer, der einen 1,20 Meter hohen Elektrozaun überwunden habe. Dann heiße es, er müsse das zwei Mal tun, dann müsse er es zwei Mal binnen vier Wochen tun.

<figure role="group" class="park-embed-iframe"> <span class="park-embed-iframe__wrapper"> <div class="park-iframe" > <div class="park-iframe__iframe"> <noscript> <iframe src="https://www.google.com/maps/d/u/1/embed?mid=1BUJvjFtXbVo4Y46Sl6mHSsCkmVaUaYXL" width="640" height="480" frameborder="0" name="embedded1" title="" ></iframe> </noscript> </div> </div> </span> <figcaption class="park-embed-iframe__caption"> </figcaption> </figure>
Dieses Element enthält Daten von GoogleMaps. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Auch was den „zumutbaren Herdenschutz“ angehe, strebe sein Mandant vor allem an, Klarheit zu schaffen. Er solle seine Tiere jede Nacht in einen Stall sperren, hätten die Behörden ihm empfohlen. Doch dies habe erhebliche wirtschaftliche Folgen: „Dann kann er die weiter entfernt liegenden Weiden nicht mehr bewirtschaften, weil er die Tiere nicht für nur einen Tag dort hin und zurück schaffen kann“, sagt Steinkühler.

„Außerdem ist das Einstallen der Schafe besonders im Sommer nicht artgerecht.“ Das Fell der Tiere werde dadurch viel stärker von Parasiten befallen. Die Weidetierhalter fühlten sich hilflos, würden vor immer neue Hürden gestellt, so der Anwalt.

 Schafe fressen im Stall von Schäfer Opriel.
Schafe fressen im Stall von Schäfer Opriel. Foto: dpa/Caroline Seidel

Bei nur 90 Zentimeter hohen Schutzzäunen brauche man zusätzlich Herdenschutzhunde, heiße es. „Mein Mandant hat aber 1,20 hohe Zäune“, sagt Steinkühler. Inzwischen besteht der Verdacht, dass ein Wolf in der Region sogar einen 1,70 Meter hohen Zaun überwunden hat.

Der Wolf gehört zu den streng geschützten Tierarten. Grundsätzlich ist seine Tötung verboten. Das nationale und europäische Artenschutzrecht lässt eine Tötung nur in Ausnahmefällen zu. Vom Gericht ist nun zu klären, ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt.

Weidetierhalter und Bauern am Niederrhein haben sich im Gahlener Bürgerforum zusammengeschlossen und fordern den Abschuss. Sie befürchten, dass der Wolf seine Attacken auf Weidetiere auch an Wolfsnachwuchs weitergeben könnte.

Dem Landesumweltamt werfen sie vor, die tatsächliche Situation zu beschönigen. Umweltschutzorganisationen wie der BUND kritisieren Abschussforderungen dagegen als „blanken Populismus“.

(dpa)