Region: Abbau von Tuffstein: Wie die Römer im Bergwerk

Region: Abbau von Tuffstein: Wie die Römer im Bergwerk

Das muss ein gewaltiges Inferno gewesen sein, als vor „nur“ 13.000 Jahren der Vulkan ausbrach, in dessen Krater heute der Laacher See liegt. Geradezu unschuldig wirkt dagegen derzeit die glatte Oberfläche des Sees, in dem sich die Wolken spiegeln.

Und an dessen Ufer an manchen Stellen immer noch Luftblasen an die Oberfläche steigen und daran erinnern, was sich damals Schreckliches in der Eifel abgespielt haben mag. Vor etwa 13.000 Jahren stiegen Aschewolken auf, fielen in sich zusammen und rasten als glühende Ströme mit Temperaturen von mehr als 600 Grad über die Landschaft und verfüllten die umliegenden Täler. Bis zu 100 Kilometer pro Stunde sollen diese Ströme aus Asche, Gasen und mitgerissenem Material schnell gewesen sein. Für die Forscher eine unglaublich zerstörerische Wirkung. Mit einer positiven Nebenwirkung: Es entstand der Tuffstein, der seit Römerzeiten dort abgebaut wird.

Lastenkran vor dem Museum: Damit wurden die Steinquader geborgen.

Zu besichtigen ist heute mit dem Römerbergwerk Meurin nahe der Ortschaft Kreft in Rheinland-Pfalz das größte erhaltene römische Untertage-Tuffsteinabbaugebiet nördlich der Alpen. Staubig und stickig, dunkel und beengt muss es vor Jahrhunderten unter der Erde zugegangen sein. Das wertvolle Baumaterial wurde für Bauwerke wie zum Beispiel die Stadtmauer des römischen Xanten gewonnen. Immerhin wurden allein hierfür 50.000 Tonnen Material benötigt.

Vom Rheinhafen im heutigen Andernach wurden die Steine flussaufwärts transportiert. Denn Tuff war der Leichtbaustein der Antike. Und wurde auch im Fundament der Römerbrücke in Trier oder im sogenannten Ubierturm in Köln verwandt. Später finden wir ihn in den romanischen Kirchen des Rheinlands verbaut.

Damals wurden rund einen Meter breite und anderthalb Meter hohe Steinblöcke herausgebrochen und noch unter Tage zu groben Mauersteinen verarbeitet — eine harte Arbeit, wie Archäotechniker Kuno Menchen (58) betont. „So war das Material leichter zu transportieren.“ Geschuftet wurde einige Meter unter der Oberfläche üblicherweise mit einem Tuffbeil, einer Art Flacheisen, und einem beilartigen Gerät im Licht von Öllampen.

Keine Sorge

So zeigt es auch ein kurzer Film im unterirdischen Vorführraum. „Eine Staublunge haben die Römer aber nicht bekommen“, erklärt Menchen. Dieser Staub sei nicht lungengängig. „Sie können das wieder abhusten.“ Was ja auch für die heutigen Besucher eine wichtige Information ist. Denn staubig ist es immer noch. Allerdings, unter Tage gerät man in diesem Bergwerk nicht (mehr), weil die teils dünnen Decken beim industriellen Abbau der Bimsschicht oberhalb von den schweren Maschinen eingedrückt wurden. Menschen mit Klaustrophobie haben hier nichts zu befürchten.

Etwa vier Jahrhunderte lang nutzten die Römer das Gebiet zum Abbau. Danach kamen private Betreiber. Sie gingen im Mittelalter so weit, die Tuffsteinsäulen in den von den Römern nach statischen Berechnungen ausgehauenen Gängen weiter auszudünnen. Die Folge: Manches Gewölbe wurde instabil und stürzte ein.

Doch nicht allein der Tuff war ein Nebenprodukt der Vulkaneruption. Basalt-Lava wurde zum beliebten Werkstoff für Getreidereiben und Mühlsteine. Schon zur Zeit der Römer waren die Vorzüge der „Mayener Basaltlava“ bekannt. Das durch Gaseinbindung stark poröse Material war leicht zu bearbeiten, hatte selbstschärfende Eigenschaften und gab nur sehr wenig Gesteinsstaub ab, was einen großen Vorteil gegenüber zahnfressendem Granit oder Sandstein darstellte.

Wikinger waren Kunden

So gelangten die begehrten Basaltlava-Mühlen über Jahrhunderte bis in die entlegensten Winkel Europas. Selbst die Wikinger bezogen ihre Mühlsteine als Rohlinge aus der Eifel, wie zahlreiche Funde in der Wikinger-Handelsmetropole Hai-thabu zeigen. Archäotechniker Kuno Menchen ist deshalb besonders stolz, wenn er die von ihm nachgebaute „pompejanische Getreidemühle“ zeigen kann. Kinderleicht zu bedienen verfügt sie über einen ebenso einfachen wie ertragreichen Mechanismus: Das Getreide kann mit demselben Gerät je nach Bedarf zu feinem Mehl oder grobem Schrot gemahlen werden.

Der gelernte Steinmetz Menchen ist überhaupt so etwas wie die menschliche Hauptattraktion dieses Museums. Er ist nicht nur unermüdlich dabei, römisches Leben und seine Technik sichtbar zu machen, er kann auch anschaulich erzählen und erklären. Und dafür unterbricht er auch gerne einmal seine Arbeit an den Maschinen, die er derzeit rekonstruiert — etwa eine Drehbank für Steinsäulen. Oder er rechnet an der klein dimensionierten Legionärsmühle vor: „Diese Mühle wiegt 40 Kilogramm und wurde von je acht Soldaten genutzt. Ein Herr von 8000 Soldaten schleppte also 1000 Mühlen gleich vier Tonnen Steine mit, damit das Getreide für den Frühstücksbrei gemahlen werden konnte.“ Und da jeder Soldat eine Tagesration von einem Kilo Korn hatte, mussten auch diese Mengen mitgeschleppt werden. Und so ein Heer sei ja manchmal jahrelang unterwegs, allein die logistische Herausforderung enorm gewesen.

Aber dieser Nebenaspekt ist Menchen nicht so wichtig, er will vielmehr den Alltag anschaulich machen. „Denn die Römer wussten bereits sehr viel und konnten mit relativ einfachen Mitteln Erstaunliches leisten.“ Für ihn ist der Nachbau der Steinsäge von Ephesos ein gutes Beispiel für diesen Einfallsreichtum. Mit ihr hätten die Römer Marmorplatten nahezu industriell fertigen können. Als Antrieb hätten sie lediglich fließendes Wasser benötigt. Die Techniken der Römer seien über viele Jahrhunderte aktuell geblieben.

Übrigens: Ein Archäotechniker ist ein handwerklich und technisch gebildeter Mensch, der Archäologen bei der Rekonstruktion unterstützt und das daraus gewonnene Wissen in einem Museum inszeniert. Der Steinmetzbetrieb ist seit Ende März nutzbar: Neben dem Stück einer originalen römischen Wasserleitung gibt es einen echten römischen Steinsarg zu sehen, und Besucher haben hier die Möglichkeit, sich in der Tuffsteinbearbeitung zu probieren.

Zurück in den Ausstellungsbereich: Ein Audioguide informiert an zwei Dutzend Stationen über die Abbautechniken, erklärt Einschlüsse von Basalt und Schiefer im Tuff und lässt den Besucher staunend vor einem verkohlten Birkenstamm stehen — vor 13.000 Jahren stand er der glühenden Lava im Weg und wurde eingeschlossen. Spätes Zeugnis für ein vermutlich gewaltiges Inferno am Laacher See.

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