Aachens Museen suchen Alltagsgegenstände aus der Zeit nach 1945

Aachens Museen suchen Alltagsgegenstände aus der Zeit nach 1945

Die Wärmflasche war einmal eine Geschosshülse, der Kleppermantel ist an viele Stellen stark durchgewetzt, ein paar Lebensmittelmarken sollten werdende Mütter mit Fleisch und Zucker versorgen.

Drei Aachener Museen spüren dem Lebensgefühl der Menschen beim Ende des Zweite Weltkriegs nach und schildern die Situation vor Ort. In Aachen ist der Stichtag der 21. Oktober 1944. Und so startet in  Aachen die 75-Jahre-Kriegsende-Retrospektiven deutlich früher als im übrigen Deutschland.

Zeitlich parallel

Alltagsgegenstände sind dabei wichtige Zeugen der Vergangenheit. „Und die suchen wir dringend“, sagt Professor Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne (Katschhof) in Aachen. Dort, im Couven Museum (Hühnermark) und im Internationalen Zeitungsmuseum (Pontstraße) werden im Oktober und November zeitlich parallel Ausstellungen zu sehen sein, die das Thema von unterschiedlichen Blickpunkten aus beleuchten. Und hierbei brauchen die Ausstellungsmacher Unterstützung. „Die Fakten sind wichtig, aber ein Gegenstand, ein Foto, ein Kleidungsstück aus dieser Zeit lässt uns dem Gefühl der Menschen nachspüren“, betont Gisela Schäffer, Kuratorin für das Couven Museum. Während sich Andreas Düspohl im Zeitungsmuseum auf die Presseberichte zum Kriegsende konzentriert, arbeitet man im Centre Charlemagne und im Couven Museum auch mit konkreten Objekten und hofft auf Unterstützung der Menschen in der gesamten Region. Ganz wichtig seien begleitend zur Historie Alltagsgegenstände und Zeitzeugenberichte.

„Man war erfinderisch“, sagt Pohle nach ersten Recherchen. So habe der Pfarrer in Niederbardenberg seine Gemeindemitglieder aufgefordert, Geschosshülsen einzusammeln. „Sie wurden flach geklopft und man konnte damit das Kirchendach reparieren“, berichtet der Historiker. Dinge des täglichen Gebrauchs von der Tasse bis zum Feuerzeug wurden aus Kriegsschrott hergestellt. „Ich weiß, dass so etwas in vielen Familien noch erhalten ist, das würden wir gern zeigen“, meint Gisela Schäffer. Spielzeug etwa aus Blech. „Es gab sogar Rüstungsbetriebe, die sich auf die neue Situation einstellten und versuchten, aus den noch vorhandenen Rohstoffen Verbrauchsmaterialien herzustellen“, erzählt Pohle.

Berührender Briefwechsel

Im Centre Charlemagne wird er die große Linie von der NS-Zeit über Krieg und Kriegsende bis zum Wiederaufbau nachzeichnen. „Trümmerräumung, erste Behelfsbauten, das musste erstmal organisiert werden.“ Erzählt wird anhand konkreter Schicksale, unterstützt von Biographien und Dokumenten, darunter der berührende Liebesbriefwechsel eines Paares. „Ein Beispiel für viele Schicksale“, weiß Gisela Schäffer. „Alles auf Anfang. Aachen 1944: Am Nullpunkt deutscher Geschichte“ lautet der Arbeitstitel für das Centre.

All das stammt aus der Zeit den Zweiten Weltkriegs. Gisela Schäffer, Volontär Lars Neugebauer und Frank Pohle brauchen mehr Objekte. Foto: Andreas Herrmann

Im Couven Museum geht man nah heran an das Leben der Menschen: „Wir Nachkriegskinder: Alltag im Aufbruch“ lautet hier das Motto. Und das soll mit Erinnerungsstücken ausgestaltet werden, bei denen die Besucher vielleicht einen unmittelbaren Bezug zur eigenen Familie erkennen – etwa den Blick ins Fotoalbum mit Schwarzweißfotos im gezackten Rand. Oder Basteleien, mit denen man sich im Haushalt behalf, weil es nichts zu kaufen gab.

„Solche Objekte brauchen wir, vielleicht aus Lappen genähte Püppchen, Blechtassen, Kleidung aus Militärdecken oder den Teddy, der ein Kind durch die Bombennächte begleitet hat.“ Gefragt sind zudem Stücke, mit denen man in die 50er Jahre schaut – vom Nierentisch bis zur Stehlampe mit Tüten-Schirmen. „Ein Traum wäre die Max-Bill-Küchenuhr von Junghans, ein Beispiel für die Bauhauszeit“, schwärmt die Kuratorin.

Das Zeitungsmuseum lässt nicht nur die Schlagzeile „Der Krieg ist aus!“ aufleben. Hier geht es auch um die Vergabe erster Lizenzen, etwa die Erstausgabe der Aachener Nachrichten vom 24. Januar 1945. Das Ausstellungsprogramm ist für die Macher ein Kraftakt: „In der städtischen Sammlung gibt es so gut wie nichts aus der Zeit, das hat lange niemanden interessiert“, sagt Pohle. „Deshalb brauchen wir Unterstützung.“