Aachener Wissenschaftler Prof. Matthias Wessling bekommt Leibniz-Preis

Professor an der RWTH: Aachener Wissenschaftler ist plötzlich Forschungsgeld-Millionär

Man könnte ihn als den deutschen Nobelpreis bezeichnen. Mit dem Leibniz-Preis honoriert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jedes Jahr herausragende Arbeiten aus allen Wissenschaftsgebieten.

Die Preisträger erhalten jeweils ein forschungsgebundenes Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. In diesem Jahr ist auch wieder ein Wissenschaftler der RWTH Aachen darunter: Chemie-Ingenieur Prof. Matthias Wessling erhält den Preis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Membrantechnologie. Im Interview mit Katharina Menne spricht Wessling darüber, was seine Forschung besonders macht, und wie er sich gefühlt hat, als er von der Auszeichnung erfahren hat.

Herr Wessling, Sie sind jetzt auf einen Schlag Forschungsgeld-Millionär – was machen Sie mit dem Geld?

Matthias Wessling: Das geht natürlich in die Forschung – zwei große Projekte schweben mir vor. Zum einen möchte ich die nachhaltige Verfahrenstechnik vorantreiben. Dabei geht es vor allem darum, mit verfahrenstechnischen Methoden CO2 in Industrieprozessen so umzusetzen, dass es gar nicht erst in die Atmosphäre gelangt und auch CO2 nachträglich aus der Luft herauszuziehen. Das andere Thema, das mich brennend interessiert, ist, ob wir es schaffen aus chemischen Bausteinen organische Zellen zu bauen. Das ist zurzeit eins der spannendsten Themen in der Grundlagenforschung: Wie ist Leben entstanden? Lässt sich das nachahmen? Wann kann man ein System überhaupt als lebend bezeichnen?

Sie entwickeln Membranen, gelten auf dem Gebiet sogar als weltweit führend. Was zeichnet Ihre Arbeit aus?

Wessling: Wir arbeiten sehr interdisziplinär und beschäftigen uns mit vielen unterschiedlichen Themen. Das zeichnet aber die RWTH Aachen insgesamt aus, dass immer über den eigenen Tellerrand geschaut wird. Das wird auch der Schwerpunkt unserer neuen Exzellenzstrategie sein: die Vernetzung der verschiedenen Disziplinen untereinander.

Was ist das besondere an den Membranen, die Sie entwickeln?

Wessling: Generell sind Membranen dünne Materialschichten, die zwei Räume voneinander trennen und nur ausgewählte Stoffe von der einen auf die andere Seite durchlassen. Damit werden sie zu wichtigen Bestandteilen in vielen industriellen Prozessen wie der Wasserentsalzung, Abwasser- und Abgasbehandlung oder bei Hochleistungsbatterien und Brennstoffzellen. Ein ganz neues Feld sind sogenannte Memristoren. Die Forschung daran ist aber auch sehr risikoreich.

Inwiefern?

Wessling: Es geht dabei um künstliche Schaltelemente, die aber die Funktion von Nervenzellen nachahmen und einmal auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz eingesetzt werden sollen. Das steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Aber es ist für mich eine persönliche Herausforderung und damit auch extrem motivierend.

Haben Sie mit dem Preis gerechnet oder kam die Auszeichnung überraschend?

Wessling: Die Auszeichnung kam für mich sehr überraschend. Ich freue mich sehr darüber, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf diese Art meine Arbeit honoriert, die mittlerweile schon über die Grundlagenforschung hinausgeht und ihren Weg in verschiedenste Anwendungen gefunden hat, zum Beispiel bei der Nierendialyse in der Medizintechnik.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie davon erfahren haben?

Wessling: Ich habe es per E-Mail erfahren und konnte es erst gar nicht glauben. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle – von Unglaube bis zur riesigen Freude.

Wie werden Sie feiern?

Wessling: Ich freue mich sehr darauf, heute Abend beim Uni-Cup in Aachen darauf anzustoßen. Das ist wirklich der perfekte Rahmen, denn die Leistung als Forscher bringt man nie alleine, sondern immer im Team – wie beim Eishockey auch. Dort kann ich dann passenderweise mit ganz vielen Doktoranden, Post-Docs und Studierenden auf den Erfolg anstoßen. Es gab aber auch heute Mittag schon ein Gläschen Sekt im Institut und morgen werden wir sicher nochmal überlegen, in welchem Rahmen wir den Preis noch feiern. Bei der Senatssitzung heute im Rektorat war es  schon ein erhebendes Gefühl von der unterschiedlichsten Hochschulgruppen mit einem so herzlichen Applaus empfangen zu werden.

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