1. Region

Enorme Spendensumme: Aachener Tafel bis zum Jahresende gedeckt

Enorme Spendensumme : Aachener Tafel bis zum Jahresende gedeckt

In der Region wächst der Andrang auf die Tafeln, die Menschen mit Lebensmitteln versorgen. In Aachen rief man erstmals zu Geldspenden auf – mit überwältigendem Erfolg.

Dass die Aachenerinnen und Aachener hilfsbereit sind, davon war Jutta Schlockermann schon ausgegangen. Dass die Unterstützung so groß wird, hat die Leiterin der Aachener Tafel dann aber doch überwältigt: „Es ist toll, dass so viele Menschen Solidarität zeigen, dass so viele nicht wollen, dass andere Menschen in Aachen Hunger haben“, sagt sie.

Was Schlockermann so überwältigt, bringt man am besten mit einer nackten Zahl auf den Punkt: 34.089,61. Exakt so viele Euro und Cent sind auf dem Konto der Aachener Tafel eingegangen, seitdem die Vereinsvorsitzende erstmals in der Geschichte der Hilfseinrichtung Ende Juni in unserer Zeitung offensiv um Geldspenden gebeten hatte.

Das war für die Tafel, deren Philosophie es normalerweise ist, gespendete Lebensmittel zu verteilen, ein Tabubruch. Aber es war die Zeit für Tabubrüche. Denn infolge der galoppierenden Inflation und der steigenden Flüchtlingszahlen wegen des Kriegs in der Ukraine wuchs die Zahl der Menschen rasant, die bei der Aachener Tafel anklopften.

Zum Stamm von rund 2100 Kunden, die man zum Jahreswechsel gezählt hatte, kommen zurzeit jeden Monat mehr als 100 weitere hinzu – Flüchtlinge, aber auch viele „Einheimische“, bei denen das Geld nicht mehr reicht, um den Kühlschrank ausreichend zu füllen. Und da die Menge der Lebensmittel, die die Tafel von rund 40 Lieferanten erhält, nicht in gleichem Maße wächst, standen die Helfer vor einem wachsendem Problem: Schlockermann und ihr Team mussten die Lebensmitteltüten, die sie gegen einen Kostenbeitrag von 1,50 Euro abgeben, immer bescheidener befüllen.

Außerdem beobachtete man, dass immer mehr Menschen immer früher vor dem Monatsende das Geld ausging, so dass sie sich nicht einmal mehr Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln und Öl kaufen konnten – also Lebensmittel, die nicht zur typischen eher verderblichen Tafelware zählen. Um solche Waren vermehrt selbst zu kaufen, brauchte die Tafel Geld. Und das hat sie nun.

„Wir können jetzt bis zum Ende des Jahres die Tüten wieder besser füllen und ausreichend Grundnahrungsmittel dazukaufen“, freut sich Jutta Schlockermann über die „sehr, sehr großzügigen Spenden“ unserer Leserinnen und Leser. Und noch eine Sorge ist ihr genommen: „Ich bin guter Dinge, dass wir in nächster Zeit kleinen Aufnahmestopp verhängen müssen.“

Das sieht mancherorts anders aus. Überall in der Region – insgesamt gibt es in der Städteregion Aachen sowie in den Kreisen Heinsberg und Düren 17 sogenannte Tafeln (siehe Infokasten) – wächst infolge stark steigender Lebensmittelpreise die Zahl der Bedürftigen. In Düren beispielsweise musste deshalb ein Aufnahmestopp verhängt werden, in Heinsberg kauft man schon länger Waren hinzu und hat die Ausgabetermine reduziert. Egal wo: Jede Tafel dürfte sich in diesen Monaten über jeden gespendeten Euro freuen.

Und nicht nur die Tafeln sind in Not. Denn neben diesen gibt es noch viele andere Einrichtungen, die bedürftige Menschen mit Essen und Lebensmitteln versorgen. Dazu gehören zum Beispiel auch kirchliche Hilfsangebote wie der Aldenhovener Tisch, der von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben wird. Und an dem es immer enger wird.

„Der Bedarf ist riesig, und der Druck wird immer größer“, sagt der dortige Pfarrer Charles Cervigne. Drei Mal pro Woche ist der Tisch in Aldenhoven gedeckt, pro Termin kommen mittlerweile bis zu 200 Leute. Das sprengt die Kapazitäten, auch die finanziellen. „Grundnahrungsmittel kaufen wir schon lange aus Kirchensteuermitteln ein“, sagt Cervigne.

Aber auch dieses Budget ist begrenzt, weshalb Geldspenden willkommen sind (siehe Infokasten). Das Geld wir nicht nur für Essen gebraucht. „Ein großes Problem sind auch Hygieneartikel“, weiß Pfarrer Cervigne. Wenn die Preise steigen, wächst die Not an allen Ecken und Enden.