Aachener Pharmakonzern Grünenthal plant offenbar weiteren Stellenabbau

Erneute Umstrukturierung : Grünenthal plant offenbar weiteren Stellenabbau

Seit 2017 hat das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal weltweit 600 Arbeitsplätze abgebaut. Am Mittwochmorgen sind die Mitarbeiter in Aachen über weitere anstehende Veränderungen informiert worden. Der Betriebsrat ist „schockiert“.

Das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal plant offenbar den Abbau weiterer Stellen. Die Mitarbeiter in Aachen wurden Mittwoch über anstehende Umstrukturierungen informiert. Grünenthal teilte mit, dass die Neuausrichtung „vor allem den heutigen und künftigen Hauptforschungsstandort Aachen“ betreffen wird. Zur Zahl der von der Streichung betroffenen Stellen wollte Grünenthal auch keine Angaben machen, zumal die diesbezüglichen Gespräche mit dem Betriebsrat noch nicht stattgefunden hätten, wie eine Unternehmenssprecherin erklärte.

Ausbleibende Forschungserfolge

Das Ziel der Umstrukturierungen sei, den Bereich Forschung und Entwicklung neu auszurichten. Derzeit fehlten dem Unternehmen „wichtige Kompetenzen“, um in anderen Bereichen zu forschen als bislang bei Grünenthal üblich. „Wir wollen in der Forschung und Entwicklung außerdem noch mehr als bisher mit Partnern zusammenarbeiten“, sagte die Sprecherin weiter.

Die Hauptursache des erneuten Restrukturierungsbedarfs liegt wohl in den ausbleibenden Forschungserfolgen der jüngeren Vergangenheit. 2010 brachte Grünenthal das letzte selbst entwickelte Medikament auf den Markt, seitdem wartet Grünenthal in Aachen auf weitere bahnbrechende Forschungsergebnisse.

„Die Pharmaindustrie, insbesondere die Neurowissenschaften, leidet seit Jahren unter einer niedrigen Produktivität der Forschung und Entwicklung. Es gibt aber vielversprechende Ansätze, um das Blatt zu wenden und unsere Innovationskraft zu stärken“, sagte Geschäftsführer Gabriel Baertschi am Mittwoch. Man werde auf „unverändert hohem Niveau“ in Forschung und Entwicklung investieren, aber „wir werden die Art und Weise ändern, wie wir forschen“. Andere Unternehmen setzten bereits „in viel stärkerem Maß auf Partnerschaften, Akquisitionen und die Zusammenarbeit mit Universitäten, Start-ups und Biotech-Unternehmen“, teilte Grünenthal mit.

Die Betriebsratsvorsitzende Angelika Enderichs sagte auf Anfrage unserer Zeitung, Grünenthal sei zum wiederholten Mal „von einem massiven Personalabbau betroffen“. Das Unternehmen „kommt einfach nicht zur Ruhe“. Der Betriebsrat sei „schockiert über den Umfang der geplanten Umstrukturierung“. Man werde „Gespräche mit dem Arbeitgeber führen und die im Raum stehende hohe Zahl von infrage stehenden Arbeitsplätzen hinterfragen“. Wie viele Arbeitsplätze konkret bedroht sind, wollte auch Enderichs nicht preisgeben. Sie werde sich aber „dafür einsetzen, so viele Arbeitsplätze wie möglich am Standort Aachen zu halten“, sagte sie weiter.

Die Sorgen der Bürgermeisterin

Aachens ehrenamtliche Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne), die von Grünenthal über die anstehenden Veränderungen vorab informiert worden war, verfolgt den Prozess „mit Sorge“. In der heutigen Zeit seien Neuausrichtungen allzu oft gleichbedeutend mit Personalabbau, sagte sie. Scheidt appelliert an die „gesellschaftliche und wirtschaftliche Verantwortung des alteingesessenen Aachener Unternehmens“ und hofft, dass „die Arbeitsplätze am Standort Aachen erhalten bleiben“.

Bis feststeht, was genau bei Grünenthal passieren wird, werden wohl noch Wochen, möglicherweise sogar Monate vergehen. „Es ist uns wichtig, den gesamten Prozess transparent zu gestalten, und unsere Mitarbeiter fortlaufend zu informieren und einzubinden“, erklärte das Unternehmen am Mittwoch.

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