Aachener Friedenspreis: Vorstand will Ruslan Kotsaba doch nicht ehren

Aachener Friedenspreis : Vereinsvorstand möchte Ruslan Kotsaba doch nicht auszeichnen

Wenn es nach dem Vorstand des Vereins Aachener Friedenspreis geht, soll Ruslan Kotsaba nun doch nicht ausgezeichnet werden. Erst am Mittwoch war der ukrainische Journalist als internationaler Preisträger vorgestellt worden und geriet dann massiv in die Kritik. Hintergrund ist ein Video, in dem er sich antisemitisch geäußert hat.

„Der Vorstand des Aachener Friedenspreis e.V. hat sich nach den Vorwürfen gegen Ruslan Kotsaba zu dessen antisemitischen Äußerungen gegen eine Preisverleihung an den ukrainischen Pazifisten entschieden“, teilte der Verein in einer schriftlichen Stellungnahme am Freitag mit. Man habe diese Entscheidung am Freitag gemeinsam getroffen, sagte Ralf Woelk vom Vereinsvorstand auf Anfrage dieser Zeitung. „Inhaltlich sind wir im Vorstand geschlossen einig.“

Laut Vereinssatzung kann der Vorstand die Entscheidung der Mitgliederversammlung aber nicht außer Kraft setzen. Zuvor hatte nämlich eben diese Mitgliederversammlung Kotsaba als Preisträger gewählt – noch bevor die Vorwürfe gegen ihn laut geworden waren. Aus diesem Grund plane man für den 14. Juni eine Mitgliederversammlung des Aachener Friedenspreises, mit dem Ziel, den Vorstandsbeschluss von den Mitgliedern bestätigen zu lassen.

Zwar könne Woelk das Ergebnis der Abstimmung auf der Mitgliederversammlung nicht vorhersehen. „Ich gehe aber davon aus, dass die Versammlung uns vertraut und uns zustimmt.“

„Die Aussagen im Videoausschnitt sind zweifelsfrei als antisemitisch zu werten“, sagte Woelk. „Das ist sehr eindeutig und nicht zu relativieren.“ In dem verhängnisvollen Video aus dem Jahr 2011 sagt Kotsaba: „Die Juden können sich wahrscheinlich in Trauer an die Phase erinnern, wie sie hier wie Schafe gelaufen sind und Tausende erschossen wurden, während sie von zwei Soldaten mit Maschinengewehr bewacht wurden.“ Obwohl die Juden, so sagt er, den Konvoi mit ihrer Körpermasse hätten stoppen können, taten sie es nicht. Dann zieht er die Parallele zur Situation des ukrainischen Volkes im Jahr 2011. „Aber wahrscheinlich haben sie gespürt, dass sie die Strafe dafür austragen, den Nazismus, den Kommunismus (. . .) mit erzeugt zu haben.“ Seine Äußerungen lassen also den Schluss zu, dass er den Juden eine Mitschuld am Aufstieg des Nazismus und Kommunismus und folglich am Holocaust gibt.

Inzwischen hat Kotsaba sich von seinen Aussagen distanziert und bat „diejenigen, die sich durch sie verletzt gefühlt haben, um Verzeihung“.

Eigentlich sollte Kotsaba für seine Berichterstattung zum bewaffneten Konflikt in der Ukraine ausgezeichnet werden, in der er als Pazifist auftritt und sich für eine friedliche politische Lösung einsetzt. Dieses Engagement sei zwar nach wie vor auszeichnungswürdig. Dennoch stecke hinter der Aussage des Journalisten ein „verschrobenes Weltbild“, das fundamental gegen die Grundsätze des Vereins verstoße, sagte Woelk.

Erst am Mittwoch hatten Anni Pott, Darius Dunker und Lea Heuser den ukrainischen Journalisten als internationalen Preisträger vorgestellt. Foto: Andreas Herrmann

Die beiden Linken-Politiker und Vereinsmitglieder Darius Dunker und Andrej Hunko hatten am Donnerstag in einer gemeinsamen Stellungnahme mitgeteilt, sie hielten die Äußerungen Kotsabas für „völlig inakzeptabel“. Gleichwohl schätzten sie die Distanzierung Kotsabas von seiner Aussage als glaubwürdig ein, auch wegen seiner politischen Ansichten, die sich inzwischen verändert hätten, und hielten den Journalisten nach wie vor für preiswürdig. Dem widersprach nun der achtköpfige Vereinsvorstand.

Vorher habe es von keinem der Mitglieder einen Hinweis zu den Äußerungen Kotsabas gegeben, sagte Woelk. „Wir akzeptieren eine Mitschuld, da wir im Vorfeld offenbar nicht weit genug geschaut haben.“ Nun gelte es, möglichst Schaden vom Verein abzuwenden. Der Vorgang, einem designierten Preisträger die Auszeichnung wieder abzuerkennen, ist in der Vereinsgeschichte einzigartig.

Der mit 4000 Euro dotierte Aachener Friedenspreis würdigt Verdienste um die Verständigung von Menschen und Völkern „von unten her“. Er ist unterteilt in einen internationalen und einen nationalen Preis. Nationale Preisträger sind in diesem Jahr Atomwaffengegner in der rheinland-pfälzischen Eifel.

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