Aachen: Aachener Friedenspreis geht an das Peng!-Kollektiv

Aachen : Aachener Friedenspreis geht an das Peng!-Kollektiv

Dass einer der Träger des Aachener Friedenspreises öffentlich zu Straftaten aufruft, ist für Gerd Diefenbach kein großes Problem. Eigentlich ist es für Diefenbach überhaupt kein Problem, weil er im Aufruf zur Straftat Satire zu erkennen glaubt. Wer deutsche Urlauber dazu aufruft, Flüchtlinge illegal nach Europa zu schleusen, würde doch zumindest „verhindern, dass sie im Mittelmeer ertrinken“, sagt Diefenbach.

Den Aufruf zur Beihilfe zur illegalen Einreise hatte 2015 das Berliner Peng!-Kollektiv veröffentlicht, das am 1. September gemeinsam mit der kolumbianischen Organisation Concern Universal Colombia mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet werden soll.

In einer Zeit, in die öffentlichen Diskussionen zunehmend unversöhnlich werden und ganze Länder drohen, politisch entzweit zu werden, fällt auf, dass auch der Verein Aachener Friedenspreis letzthin Projekte auszeichnete, die wenn nicht radikal, dann zumindest in auffälligem Maß provokativ auftreten, wie das Peng!-Kollektiv.

Oder 2017 die Initiativen „Junepa“ und „No Muos“. All diesen Preisträgern ist gemein, dass sie sich zu sogenanntem zivilen Ungehorsam bekennen, also zu Gesetzesübertretungen, die sie als moralisch gerechtfertigt ansehen. Oder, wie Lea Heuser vom Vorstand des Vereins Aachener Friedenspreis sagt: „Die notwendig sind, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen“ — und deswegen ihre eigene Moral über geltendes Recht stellen.

Am 2. Mai veröffentlichte das Peng!-Kollektiv, ein nach eigener Darstellung „explosives Gemisch aus Aktivismus, Hacking und Kunst im Kampf gegen die Barberei unserer Zeit“, bestehend unter anderem aus Künstlern, Wissenschaftlern und Handwerkern, über Twitter folgende Stellungnahme, und zwar unter Verwendung des Bundeswehr-Logos: „Eine Demokratie braucht Mörder in Uniform.“ Es sollte aussehen wie der Slogan einer Bundeswehr-Kampagne. Auch darin erkennt Gerd Diefenbach Satire, die auf „die Einsätze der Bundeswehr in völkerrechtswidrigen Kriegen aufmerksam machen will“.

Dieter Spoo, ebenfalls Vorstandsmitglied im Verein Aachener Friedenspreis, ist etwas anderer Meinung. Er hält es „für völligen Unsinn, Soldaten als Mörder zu bezeichnen“. Und in der Tat habe die Auswahl der diesjährigen Preisträger vor der Stimmabgabe für Diskussionen unter den Vereinsmitgliedern gesorgt. Das Peng!-Kollektiv sei bereits 2017 in der engeren Auswahl möglicher Preisträger gewesen, habe damals aber noch keine Stimmenmehrheit auf sich vereinigen können, sagte Spoo.

Weniger kontrovers ist die Auswahl des zweiten Preisträgers: Seit den 80er Jahren arbeiten Siobhan McGee und Jaime Bernal in Kolumbien im Friedensprojekt Concern Universal Colombia. Eines ihrer Projekte ist die Resozialisierung früherer Mitglieder der Bürgerkriegsguerilla, sie treten für die Rechte von Frauen, Kindern und Minderheiten ein. Seit mehr als 20 Jahren, sagte Christoph Kriescher vom Vorstand des Aachener Friedenspreises, bestünden Kontakte zu Gruppen in Stadt und Bistum Aachen. Der Diözesanrat des Bistums zählte am Donnerstag zu den ersten Gratulanten.

Der Aachener Friedenspreis wird am 1. September in der Aula Carolina in der Nähe des Aachener Marktes vergeben. Jeder Preisträger erhält 2000 Euro.

(red)
Mehr von Aachener Zeitung