e.Go und Vodafone kooperieren bei 5G: Aachener E-Autobauer ist „digitalste Fabrik Deutschlands“

e.Go und Vodafone kooperieren bei 5G : Aachener E-Autobauer ist „digitalste Fabrik Deutschlands“

In der Produktionshalle von e.Go wird der kommende Mobilfunkstandard 5G freigeschaltet. Werkzeuge und Maschinen kommunizieren miteinander. Das Start up leistet Pionierarbeit.

Vor ein paar Monaten trafen Günter Schuh, der Erfinder und Geschäftsführer von e.Go, und Hannes Ametsreiter, der Deutschland-Chef von Vodafone, aufeinander. Der Treffpunkt war das Automobil-Testgelände in Aldenhoven. Die beiden Unternehmer sahen sich in einem Elektrokleinbus e.Go Mover. Es gab viel zu bereden für die beiden Herren während der autonomen Fahrt. Das Besondere: Sie waren da, aber nicht vor Ort. Ametsreiter und Schuh wurden als Hologramm zugeschaltet. Die kommende Mobilfunkstandard 5G macht solche Konferenzen eben möglich.

Stolzer Wirtschaftsminister

Am Mittwoch sahen sich Ametsreiter und Schuh dann wieder - diesmal ganz analog. Das Treffen fand in der e.Go-Produktionsfabrik in Aachen statt; viele geladene Gäste waren vor Ort, wieder ging es um die digitale Zukunft, um Industrie 4.0. Mit den Worten von Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, der ebenfalls nach Aachen gekommen war: „Ein toller Tag, an dem Innovationsgeschichte geschrieben wird.“ Das e.Go-Werk im Aachener Osten wird an diesem Tag, um genau 10.22 Uhr, Deutschlands „digitalste Fabrik Deutschlands“. So sieht es Pinkwart mit dem Stolz eines Landesministers, in dessen Ressort das Projekt fällt.

Die Produktion des Stadtautos e.Go Life erfolgt nun im Hightech-Modus, im Werk 1 sind die 5G-Technologien installiert. 36 kleine Mobilfunkantennen garantieren in der 8500 Quadratmeter großen Werkshalle hohe Bandbreiten und niedrige Latenzzeiten. Die Daten, die dort nun unsichtbar fließen, sind der Treibstoff der modernen Automobilproduktion.

Der Austausch in Echtzeit bringt handfeste Vorteile mit sich, sagt Schuh, der Pionier auf dem Gebiet der Elektromobilität. Transportfahrzeuge, Maschinen und Werkzeuge tauschen in Echtzeit Informationen miteinander aus – über den aktuellen Standort, den Batteriezustand oder die geplante Fahrtroute. Autonome Transportfahrzeuge ersetzen klassische Produktionslinien, bewegen das Chassis eigenhändig von Station zu Station. Das E-Auto wird komplett digital und ziemlich effektiv gebaut. „Dabei streben wir nicht nach einer vollautomatisieren Fabrik, sondern wollen vielmehr coole Jobs anbieten“, sagt der Hochschulprofessor und Unternehmer.

Mit viel Elan in die Zukunft: e.GO-Chef Günther Schuh (vorne) feiert mit Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (links) den Start des schnellen 5G-Netzes im Produktionswerk. Foto: Wolfgang Birkenstock

Vodafone betreibt das superschnelle Netz. Deutschland-Chef Ametsreiter hat sich in den letzten Monaten an der bundesweiten Auktion für das 5G-Netz beteiligt. Aber parallel hat sein Unternehmen das Campus-Netz für e.Go aufgebaut, das das Start-Up-Unternehmen für eine „Projektgebühr“ in Millionenhöhe zur Verfügung gestellt bekommt. Die Daten gelten als besonders gesichert, sagt Amtsreiter, „sie verlassen nicht das Werksgelände“.

Für Vodafone ist das Projekt auch eine Art Schaufenster. Die ganze Telekommunikationsbranche hofft auf gute Geschäfte mit der Industrie – 5G soll vollvernetzte Fabriken und Neuentwicklungen wie das autonome Fahren ermöglichen.

Auch andere Konzerne wie Daimler arbeiten an dem Thema, die Umstellung auf die 5G-Produktion dauert aber noch. Das Unternehmen will zum Leidwesen der üblichen Anbieter am Markt das schnelle Netz selbst betreibten. Für den kleinen Autobauer in Aachen ist das keine finanzierbare Option. 5G wird deswegen mit Partnern aufgezogen.

„Suchen und Warten“ entfällt

Dieser „Quantensprung“ verbillige die Prozesse, weil das verbreitete „Suchen und Warten“ auf einzelne Fahrzeugteile wegfällt. Wartezeit an den 26 Baustationen soll es nicht mehr geben. Fehler werden zeitnah registriert. Jede Komponente wird höchstens zwei Mal in die Hand genommen, den Rest regelt das Netz mit unsichtbarer Hand. Schon mit der Anlieferung werden alle Produktionsstoffe - und Materialen berührungslos identifiziert und registriert. „Wir geben ein wöchentliches Produktionspensum vor, von dem wir nicht mehr abweichen“, sagt Schuh.

 „Wenn man als kleiner Fisch im großen Haifischbecken der Autobauer mit schwimmen will, braucht man starke Partner“, sagt Schuh etwas kokett. Unternehmen - und damit auch Kompetenzen - verbinden sich in der neuen grenzenlosen, digitalen Welt. So ist in der 5G-Fabrik nun auch die Firma Ericsson als Technologiepartner involviert.

 Der fertiggebaute e.Go Life verlässt die Fahrzeughalle so vorbereitet, dass er sich mit einem öffentlichen 5-G-Netz verbinden kann. Der neue Standard wird dann auch die Voraussetzung für autonomes Fahren sein. Das wird gerade auf dem Testgelände in Aldenhoven erforscht, wo die Holograme vom Ametsreiter und Schuh sich vor ein paar Wochen begegneten.

In Aachen mussten die beiden Vordenker am Mittwoch noch ganz analog Hand anlegen. Sie drückten auf einen Knopf - und damit ist denn die Fabrik der Zukunft freigeschaltet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die digitalste Autofabrik der Welt steht in Aachen