Aachener Buchhalterin kommt nach Betrug mit Bewährungsstrafe davon

840.000 Euro ergaunert : Aachener Buchhalterin kommt mit Bewährungsstrafe davon

Ein Leben in Saus und Braus, schöne Klamotten, teure Taschen, ein Haufen Schmuck und eine Luxuswohnung in exzellenter Lage am Aachener Lousberg: Das Leben auf der Sonnenseite hatte sich eine 54-jährige Aachenerin klammheimlich ergaunert.

Über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren erleichterte sie als Buchhalterin ihren Arbeitgeber, eine Hausverwaltungs- und Immobilienfirma, und dortige Kunden Stück für Stück um insgesamt rund 840.000 Euro. Heute ist das Geld weg, und eine Strafkammer am Aachener Landgericht verurteilte die geständige Angeklagte gestern wegen gewerbsmäßigen Betruges in 357 Fällen zu einer vergleichsweise milden Strafe von zwei Jahren Haft, die die Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Küpper zur Bewährung aussetzte. Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgesetzt.

In seinem Plädoyer hatte Staatsanwalt Jost Schützeberg eine wesentlich härtere Strafe von vier Jahren Haft beantragt, eine solche Strafe kann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. „Sicher fehlte in der Firma ein Controlling völlig“, hielt auch Staatsanwalt Schützeberg der 54-Jährigen zugute, die laut ihrem Verteidiger Peter Schäfer seit Jahren an schweren Depressionen leidet. Auf der anderen Seite habe sie über Jahre eine erhebliche „kriminelle Energie“ an den Tag gelegt, begründete der Anklagevertreter sein gefordertes Strafmaß. Auch die Schadenssumme von mehr als 800.000 Euro sei beachtlich. Dies sei zweifellos eine Summe, die für die geschädigte Firma existenzbedrohend gewesen sei.

Das Gericht verbuchte auf der Habenseite vor allem das „von Einsicht und Reue“ getragene Geständnis, das bei den Ermittlungen viel zur Aufklärung und schnellen Abwicklung des Prozesses beitrug. Das Verfahren war mit nur zwei Verhandlungstagen zügig abgeschlossen worden, vergleichbare Prozesse mit nicht geständigen Angeklagten können angesichts der Masse von Einzelfällen durchaus Monate dauern.

Die luxus- und kaufsüchtige Buchhalterin hatte einen Trick in der Firmensoftware gefunden, mit dem sie mit Einzelüberweisungen zwischen 200 und in einem Fall 13.000 Euro auf ihre eigenen Sparbücher und Konten transferierte. Mit diesem Geld bestückte sie ihre Kreditkarten und kaufte in Luxusboutiquen Marken wie Prada oder Chanel. Bislang zahlte sie 29.000 Euro zurück, die Differenz von 800.000 lastet jetzt auf ihren Schultern. Ihr wurde zudem auferlegt, 200 Sozialstunden abzuleisten.