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Aachen/Heinsberg/Düren: Feuerwehr wegen Orkantief Antonia im Einsatz

Unwetter in NRW : Ab Mittwoch soll das Wetter endlich besser werden

Auch Sturmtief „Antonia“ richtet in NRW größere Schäden an. Unsere Region kommt einigermaßen glimpflich davon. Der Zugverkehr rollt wieder an.

Seit Tagen jagt in Nordrhein-Westfalen ein Sturmtief das andere: Nach „Ylenia“ und „Zeynep“ richtete auch „Antonia“ erhebliche Schäden an – und sorgte an Rhein und Ruhr teils für chaotische Zustände mit Unfällen auf den Straßen sowie Verspätungen und Zugausfällen auf den Schienen.

Schwere Verletzungen oder Todesfälle gab es nicht, meist blieb es bei Sachschäden. Auch am Dienstag werden noch Sturm und Regen erwartet. Erst am Mittwoch ist Entspannung in Sicht. Dann soll das Wetter endlich wieder besser werden, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.

Auch das verheerende Feuer in einem großen Essener Wohnkomplex, bei dem am Montagmorgen drei Menschen verletzt und zahlreiche Wohnungen zerstört wurden, wurde vom Wind negativ beeinflusst.

Wie die Feuerwehr mitteilte, sorgte das in der Nacht wütende Sturmtief offensichtlich dafür, dass sich das auf einem Balkon ausgebrochene Feuer rasend schnell über die Fassade und Balkone ausdehnen konnte. Etwa 100 Personen mussten aus dem Komplex in Sicherheit gebracht werden. Die Feuerwehr war mit 150 Einsatzkräften vor Ort.

Auch in den nordrhein-westfälischen Wäldern hinterließen die Stürme und orkanartigen Böen zum Teil deutliche Spuren, hieß es, auch wenn das Bild nach „einer ersten groben Lageeinschätzung“ des Landesbetriebs Wald und Holz am Montag uneinheitlich war. In den östlichen Teilen des Sauerlandes und den höheren Lagen der Region Soest-Sauerland sowie des Wiehengebirges in Ostwestfalen-Lippe seien starke Schäden registriert worden. Im restlichen Land gab es „leichte bis mittlere Schäden“.

Nahezu alle Baumarten seien betroffen, hieß es weiter. Neben den durch den Borkenkäfer vorgeschädigten Bäumen habe es auch vitale Fichtenbestände und Buchen erwischt. Nach ersten Schätzungen sei die Schadholzmenge aber geringer als nach den Stürmen „Kyrill“ (2007) und „Friederike“ (2018). Eine genauere Einschätzung könne erst erfolgen, wenn die Wege freigeräumt seien - voraussichtlich in der kommenden Woche.

In vielen Regionen des Landes ging es turbulent zu. Vielerorts kippten Bäume um. Autodächer wurden beschädigt. In Herdecke südlich von Dortmund flog das Dach eines Mehrfamilienhauses davon und landete auf einem anderen Dach, das ebenfalls massiv beschädigt wurde, wie die Feuerwehr am Montag mitteilte.

Wegen Unwetterschäden fielen erneut viele Züge der Deutschen Bahn aus oder kamen später. Ab Dienstag werde wieder ein weitgehend normaler Fernverkehr mit nur noch einzelnen Einschränkungen erwartet, teilte die Deutsche Bahn mit.

Zwischenzeitlich waren nach Unternehmensangaben 6000 der rund 33 000 Kilometer Streckennetz nicht befahrbar gewesen. Restschäden an rund 300 Kilometern Strecke sollten im Laufe der Woche behoben werden. In NRW fuhren ab dem Mittag nach Bahnangaben wieder die meisten Regionalzüge planmäßig – am Sonntagabend war dort der Regionalverkehr eingestellt worden. Ab dem Nachmittag sollten auch die Züge der Eisenbahngesellschaft Metronom, die viele Regionallinien in Niedersachsen, Hamburg und Bremen betreibt, wieder fahren.

Dienstag wird es noch stark bewölkt, aber niederschlagsfrei. Später fällt laut DWD bei sieben bis elf Grad jedoch vermehrt wieder Regen – und im Bergland auch Schnee. Außerdem werden noch immer stürmische Böen erwartet. Am Mittwoch soll der Regen endlich abziehen. Der Wind ist dann nur noch schwach bis mäßig, im Bergland gibt es noch vereinzelt starke Böen. Laut DWD wird es in NRW dann wechselnd bewölkt, teils sogar heiter bei 9 bis 13 Grad.

Des einen Leid, des anderen Freud: Für Wintersportler sind die Aussichten wieder besser. Es ist wieder kälter. „Bis Dienstagmorgen erwarten wir gute 10 Zentimeter Neuschnee“, teilte die Sauerländer Wintersport-Arena am Montag auf Twitter mit. „Die Bedingungen sind gut und insbesondere der Mittwoch verspricht ein schöner Tag zu werden zum #skifahren #snowboarden #rodeln!“

Lage in der Region

Die Feuerwehren in der Region waren seit Freitag in Dauereinsätzen, die zumeist durch umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, lose Dachelemente oder umgestürzte Verkehrsschilder im Straßenraum und auf Privatgrundstücken ausgelöst wurden.

Die A44 durch den Tagebau Garzweiler ist weiterhin gesperrt. Weiterhin ist unklar, wie lange die Strecke gesperrt bleibt. Nach Mitteilung der Straßenmeisterei Simmerath bleibt auch die Hahner Straße wegen umgestürzter Bäume weiterhin gesperrt. Hinzugekommen ist die Werkstraße in Stolberg. Sie ist ab Mulartshütte/Sägewerk Richtung Zweifall/Eifel bis auf Weiteres gesperrt. Hier drohen Bäume auf die Straße zu stürzen. Die Feuerwehr sei vor Ort, hieß es.

In Aachen verzeichnete die Feuerwehr in der Nacht eine Häufung von sturmbedingten Einsätzen, allerdings wesentlich ruhiger als in den Vornächten. Insgesamt gab es in der Nacht 17 Einsätze. Dabei handelte es sich meist um abgeknickte Äste und umgestürzte Bäume. Im II.Rote Haag Weg war ein Baum auf ein Dach gestürzt und im Eberburgweg drohte eine Tanne auf Gebäude zu stürzen. In beiden Fällen konnte die Gefahr schnell beseitigt werden. Zeitweise waren alle Kräfte der Berufsfeuerwehr im Einsatz, da neben den Kleineinsätzen auch die Unterstützung bei einem Gasleck auf der Ludwigsalle und einem Einsatz der Feuerwehr Eschweiler angefordert wurde.

Im Kreis Heinsberg sprach die Leitstelle der Feuerwehr am Montagmorgen von „keinen wesentlichen Einsatzlagen”. Im Kreis Düren kam es nach Information der Leitstelle zu rund 20 Einsätzen in der Nacht, meist handelte es sich um abgeknickte Bäume und Äste. Personen- oder größere Sachschäden wurden nicht verzeichnet.

Seit Freitagnachmittag waren auch die Feuerwehren Eschweiler und Stolberg im Dauereinsatz: Die teils heftigen Orkanböen ließen reihenweise Bäume und Dachziegel auf Fahrbahnen und Wege stürzen. In Eschweiler fiel ein Baum auf ein Wohnhaus an der Preyerstraße. Verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand. In Bergrath an der Antoniusstraße beschädigte ein entwurzelter Baum Autos, und auf der Duffenterstraße zwischen Stolberg und Eschweiler (Stadtwald) versperrte ein Baum die Fahrbahn. In Dürwiß wurden die elf Bienenvölker eines Imkers zerstört.

Lage in den Niederlanden

In den Niederlanden hatten nach Abzug des Sturmtiefs von „Zeynep” die Aufräumarbeiten begonnen, während bei den Versicherungen Tausende von Schadensmeldungen eingingen. Nachdem in Den Haag ein Kirchturm während des Sturms ins Wanken geriet, konnten die Bewohner von 20 evakuierten angrenzenden Häusern am Samstag noch nicht nach Hause zurück, berichtete der Sender NOS. An der Kirche mussten erst Reparaturen vorgenommen werden. Die Eisenbahn war landesweit mit dem Beseitigen von Schäden und Hindernissen beschäftigt. Am Samstag sollten nur vereinzelt Züge fahren, ein Verkehr nach Deutschland war noch nicht möglich.

Vier Menschen kamen in den Niederlanden bei dem Sturm ums Leben. Drei wurden von umfallenden Bäumen getroffen, ein Autofahrer starb bei der Kollision mit einem umgestürzten Baum.

In Amsterdam wehte das Sturmtief Hunderte Bäume um, die Aufräumarbeiten könnten Wochen dauern, berichtete der Sender. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden am Samstag 80 Flüge gestrichen. Vor der westfriesischen Insel Vlieland verlor ein Schiff auf der Fahrt von Bremerhaven nach Rotterdam 26 Container, teilte die niederländische Küstenwache mit. Von einem Flugzeug und einem Schiff aus werde versucht, die leeren Container zu lokalisieren, um sie zu bergen.

Tote auch in Belgien

Ein durch den Wintersturm „Zeynep“ losgerissenes Solarmodul hat in Belgien einen Mann getötet. Der Mann habe das von einem Hausdach gewehte Bauteil am Freitag auf den Kopf bekommen, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Samstag unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Ostflandern. Er sei in einem Krankenhaus an den schweren Verletzungen gestorben.

Als ein weiteres belgisches Opfer des in dem Land „Eunice“ genannten Sturmtiefs gilt ein 79-Jähriger. Er war am Freitag gestorben, nachdem er in einem Jachthafen in Ypern in Westflandern von einem Boot ins Wasser gefallen war.

(red/dpa)