Aachen, Düren, Heinsberg: Viele NRW-Milchbauern geben Betriebe auf

Trockenheit und Kostendruck : Viele NRW-Milchbauern geben ihre Betriebe auf

Hoher Wettbewerbsdruck hat viele Bauern in Nordrhein-Westfalen dazu bewogen, Kühe abzugeben und ihren Milchbetrieb ganz aufzugeben. Auch die Anzahl der Milchbauern in der Region haben sich drastisch verringert.

Wie das Statistische Landesamtes am Dienstag in Düsseldorf mitteilte, sank die Zahl der Milchkuhhaltungen im Mai binnen eines Jahres um 4,1 Prozent auf knapp 5700. Vor allem kleine Milchbauern warfen das Handtuch - dadurch stieg die Durchschnittszahl der Tiere pro Betrieb sogar um eins auf 74. Rund 405.500 Kühe wurden im Mai den Angaben zufolge in NRW zur Milcherzeugung gehalten - das waren etwa 10.000 weniger als ein Jahr zuvor (minus 2,4 Prozent).

In der Städteregion ist die Anzahl der Milchkühe von 2012 bis zum Jahr 2019 fast konstant geblieben. Dadurch, dass 43 Betriebe in diesem Zeitraum geschlossen wurden, werden also mehr Kühe pro Betrieb gehalten. Waren es im Jahr 2012 noch 65 Kühe je Milchbauer, sind es im Jahr 2019 bereits 84 Kühe pro Betrieb.

Noch dramatischer haben sich die Zahlen im Kreis Düren und im Kreis Heinsberg entwickelt. Im Kreis Heinsberg leben mehr als 12.700 Kühe in 153 Betrieben (Jahr 2012: 237 Betriebe). Das ergibt 83 Milchkühe je Betrieb, diese Zahl lag im Jahr 2012 noch bei 57. Im Kreis Düren hat sich dieser Wert von 42 Milchkühen auf 68 Milchkühen pro Haltung erhöht. Die meisten Betriebe wurden im Kreis Heinsberg geschlossen (84 Betriebe), gefolgt vom Kreis Düren (59 Betriebe) und der Städteregion (43 Betriebe).

Der Rheinische Landwirtschaftsverband begründete die sinkenden Zahlen mit dem hohen Kostendruck in der Branche. Zwar seien die Milchpreise mit zuletzt 29 bis 34 Cent pro Kilo wieder etwas entfernt von früheren Tiefstständen, die Lage bleibe aber angespannt, sagte eine Sprecherin. Es habe drei schlechte Jahre nacheinander gegeben. „Der maßgebliche Grund sind die Marktverhältnisse.“

Im vergangenen Jahr habe zudem die lange Trockenheit den Milchbauern zu schaffen gemacht. „Das Gras wuchs schlecht und die Nährwerte waren gering - es musste Ersatzfutter gekauft werden, was teuer war.“ Zudem gebe es Erkrankungen wie die Blauzungenkrankheit, wodurch Landwirte in betroffenen Sperrbezirken ihre Kälber nicht verkaufen konnten. Eine große Rolle spielt die Milchwirtschaft in den Kreisen Kleve und Borken, wo zusammengerechnet etwa ein Viertel aller NRW-Kühe gehalten werden.

(jas/dpa)
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