Aachen: „Aachen 2025“: Welches Programm läuft in der Schule von morgen?

Aachen: „Aachen 2025“: Welches Programm läuft in der Schule von morgen?

Stefan Döhlers Erinnerungen an den Schulunterricht sind vor allem eines: analog. Nun ist es so, dass er sich heutzutage als Informatiker beinahe täglich in den Lernhäusern der Region aufhält. Sein Job als Projektleiter für digitale Strukturen der Schulen beim kommunalen Dienstleister Regio IT macht es möglich und nötig. Im Rahmen der Digitalisierungsinitiative „Aachen 2025“ hat er die Leitung des Themenparks „Lernen, Bildung und Kultur“ übernommen.

Seit Döhlers Gymnasiastenzeit hat sich vieles verändert. Angesichts vernetzter Schulen und der Tatsache, dass das Smartphone bereits vielerorts zum Unterrichtswerkzeug gehört, könnten Fragen auftreten wie diese: Muss man überhaupt noch klassisch lernen in einer digitalisierten Welt, wo Wikipedia, Suchmaschinen und Co. gewaltige Ressourcen an Wissen bündeln und jederzeit und überall verfügbar machen?

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„Ja, unbedingt“, sagt Döhler, „aber selbstverständlich hat die Digitalisierung das Lernen grundlegend verändert. Und es geht noch weiter.“

Am vierten September-Wochenende bietet ein gutes Dutzend Institutionen in und um Aachen die Gelegenheit, moderne Bildungsmöglichkeiten kennenzulernen: Ausstellungen und Vorträge, praktische Demonstrationen an Schulen sowie Workshops zur aktiven eigenen Beteiligung locken.

Einer von denen, die den pädagogischen Chancen der Digitalisierung den Weg in den Schulalltag ebnen, ist Peter Schmücking. Er ist Informatik-Lehrer am Aachener Berufskolleg für Gestaltung und Technik — und ein glühender Anhänger des Einsatzes von Computer, Internet und vernetztem Lernen. „Vor 15 oder 20 Jahren hätte sicher niemand gedacht, dass wir rechnerbasiertes Arbeiten an den Schulen etablieren“, blickt Schmücking zurück.

Virtuelle Realität als Lernort

Er empfindet die Entwicklung als „ungeheuer spannend“, betont aber auch: „Digitalisierung ja, aber nicht um jeden Preis. Der Mensch ist nicht ersetzbar, ob in der Bildung, der Industrie oder sonst wo. Die Erfahrung lehrt mich: Eine Mischung aus direkter Ansprache und dem Einsatz von digitalen Lernmethoden macht einen guten Unterricht aus.“ Möglichkeiten, aber auch Fallen gelte es aufzuzeigen.

Für das Event „Aachen 2025“ hat er am Berufskolleg ein vielseitiges Programm erarbeitet. Unter anderem wird ein moderner Klassenraum mit seinen Chancen vorgestellt — sprich: Austausch von Unterrichtsmaterial via Datenleitung, rechnerbasierte Aufgabenlösung oder das Projizieren von Inhalten an die Kreidetafel der Neuzeit — das sogenannte Smartboard.

„Wir wollen zeigen, wie Menschen jeden Alters jetzt und in den kommenden Jahren ausgebildet werden“, erklärt Schmücking, „dazu schlagen wir die Brücke von der Theorie, die in Vorträgen erlebbar wird, hin zu unseren PC-Labors als moderne Lernorte.“

Ausprobieren — ein Wort, das Schmücking immer wieder benutzt, wenn er seine Version von zeitgemäßer Bildung erläutert. „Viele Leute rümpfen die Nase, wenn wie kürzlich bei der Computerspiele-Messe Gamescom die virtuellen Realitäten hochgelobt werden. Darüber hinaus wird Virtual Reality aber auch längst als Forschungs- und Lernmethode genutzt.“

Chancen auf einen ersten Eindruck bieten sich auch am vierten September-Wochenende: Im „Holodeck“ des Kybernetik-Clusters der RWTH kann man ausprobieren, wie es sich anfühlt, ausgerüstet mit einer sogenannten „Oculus Rift“-Brille durch eine virtuelle Welt zu wandern und in verschiedene Lernszenarien einzutauchen. „Noch einmal: keine Bildung ohne Dialog zwischen den Beteiligten. Die digitalen Möglichkeiten sollten da eingesetzt werden, wo es Sinn macht“, sagt Schmücking.

Als Bereicherung empfindet der Pädagoge, der auch lange als Informatiker und Netzwerk-Spezialist gearbeitet hat, die internetbasierten Lernmethoden, welche unabhängig von Unterrichtszeiten funktionieren. „Lernen, wann und wo wir wollen — das ist spannend und zeitgemäß“, sagt Schmücking und spielt etwa auf eine Online-Plattform an, bei der Kurse zu allen erdenklichen Themen abgerufen und bei freier Zeiteinteilung absolviert werden können. „Eine Methode, die auch in der Erwachsenenbildung funktioniert. Das Ergebnis wird zu einem festen Zeitpunkt geliefert. Der Weg dahin ist zeitlich frei wählbar.“

Eine weitere spannende Lernmethode mit durchaus grenzüberschreitendem Charakter wird an der Themenpark-Station des Aachener St.-Leonhard-Gymnasiums erlebbar. Beim sogenannten „GLAS-Projekt“ hält die Schule mit ihren Partnerschule in den Niederlanden in einem speziell eingerichteten Telepräsenzraum gemeinsamen fremdsprachlichen Unterricht ab per Videokonferenz.

Gedanken zur Zukunft darstellen

In einer völlig anderen — weil analogen, aber nicht weniger zukunftsorientierten — Art und Weise nähert man sich am Aktionswochenende zur Initiative „Aachen 2025“ dem Thema an einer der renommiertesten freien Bühnen der Region. Das Angebot des Das Da Theaters richtet sich speziell an junge Menschen, „also an diejenigen, die die Zeit um 2025 aktiv mitgestalten“, sagt Tom Hirtz. Der erfahrene Theaterleiter hat mit seinem pädagogischen Mitarbeitern Workshops erarbeitet, bei denen Gedanken an die Zukunft mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Theaters umgesetzt werden sollen.

Am Anfang steht dabei ganz Grundsätzliches: „Ich bin gespannt, wie sich Kinder und Jugendliche die Zukunft vorstellen“, sagt Hirtz. „Dann wollen wir gemeinsam mit den verschiedenen Ausdrucksmethoden ein Bild auf die Bühne bringen. Das kann Spiel, Tanz, Gesang sein. Alles geht.“

Den Bezug zum Kulturleben in Zusammenhang mit dem Zukunftsthema sieht Hirtz ohne Vorbehalte: „Auch die Kulturlandschaft verändert sich mit den gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen, das war schon immer so. Der vielzitierte Faktor Mensch spielt bei uns eine unumstrittene Hauptrolle.“ Im Idealfall, sagt Hirtz, kommen im Theater die Aspekte der digitalen Lebenswelt 2025 zusammen.

„Vielleicht können wir durch spielerische Freiheit die Chancen, das Nützliche, aber auch Ängste und Vorbehalte gegenüber der digitalen Welt abbilden“. Eine weitere kulturbezogene Auseinandersetzung mit der Zukunft findet in Festival-Form statt: Das Apollo Kino und der Verein „Aachen Fenster“ zeigen zehn Filme an sechs verschiedenen Orten. Unter dem Hashtag „dmnchst“ sollen Themen und Ideen des digitalen Wandels in außergewöhnlichen Filme gezeigt werden.

Seitdem Stefan Döhler in der neunten Klasse einen heute vorgeschichtlich wirkenden Computerraum als Lernort besucht hat, ist viel passiert. „Heute steht in jeder Schule ein PC im Klassenraum, das ist der Standard“, sagt der IT-Spezialist. Döhler ist sicher: „Der Frontalunterricht durch einen Lehrer wird nicht verschwinden, nur weil die technischen Möglichkeiten sich verbessern.“ Da ist er sich mit Peter Schmücking einig: „Die Mischung macht es.“