Bonn: „72 Stunden”: Tausende vom Himmel geschickt

Bonn: „72 Stunden”: Tausende vom Himmel geschickt

Die Idee ist einfach: Jugendgruppen in ganz Deutschland haben 72 Stunden lang Zeit, um im heimischen Umfeld ein Sozialprojekt umzusetzen: ein neuer Garten fürs Behindertenheim etwa oder die Organisation eines Frühlingsfests in der Obdachlosenunterkunft.

Übermorgen, am 7. Mai um 17.07 Uhr, fällt der Startschuss für die wohl größte Jugend-Sozialaktion Deutschlands 2009, die der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) erstmals fast bundesweit organisiert. Vorläuferaktionen hatten seit den 1990er Jahren nur regionale Schwerpunkte.

Diesmal werden 100.000 junge Teilnehmer in sieben Bundesländern und 14 katholischen Diözesen erwartet. Alleine im Bistum Aachen wird mit 7500 Teilnehmern in rund 250 Gruppen gerechnet.

„Uns schickt der Himmel” lautet das Motto. Es geht um Soziales, Interkulturelles oder Ökologie. „Wir wollen zeigen, dass Jugendliche anpacken, um unsere Gesellschaft ein bisschen besser zu machen”, sagt BDKJ-Vorsitzender Dirk Tänzler.

In Düren beispielsweise will die Gruppe „Die Super Fünf” Käfige im Tierheim auf Vordermann bringen. Das Team „Yes we can” aus Würselen, insgesamt mit 250 Teilnehmern eine außergewöhnlich große Truppe, will Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus durchführen.

Auf dem Programm stehen ein Treffen mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und Bürgermeistern, Gespräche mit einem Aussteiger aus der rechtsextremen Szene und ein Besuch im Seniorenzentrum. Ins Seniorenzentrum wollen auch die „Vinzenz Kids” aus Aachen. Die Behinderten gestalten für die Senioren einen unterhaltsamen Nachmittag.

Soziale Themen bilden laut Projektreferent des BDKJ Diözesanverbands Aachen, Peter Maxein, den Schwerpunkt im Bistum, Umweltprojekte wie die Säuberung des Flusses Wurm durch die „Kanu AG” aus Herzogenrath seien aber auch beliebt.

Sogar bis nach Übersee reicht die Sozialaktion, über Partnerschaften der Jugendverbände des BDKJ: So will eine Gruppe in Bolivien unrechtmäßig Inhaftierte im Gefängnis besuchen und mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf die Problematik aufmerksam machen.

Erstmals sind in diesem Jahr auch evangelische Gruppen dabei - Partnerschaften, die in Zukunft noch ausgebaut werden sollen. Doch wird nach Ablauf der 72 Stunden auch etwas von den Projekten weiter wirken?

„Wenn wir einen Spazierweg oder ein Biotop anlegen, dann bleibt das. Und auch Aktionen wie das Organisieren eines Festes für Migranten werden durch die geknüpften persönlichen Kontakte über das Wochenende hinaus tragen”, ist BDKJ-Sprecher Michael Kreuzfelder überzeugt.

Wichtig ist den Machern, dass die Aktion ehrenamtlich und mit kleinstem Organisationsetat bewerkstelligt wird. Jede Gruppe vor Ort organisiere die Finanzierung selbst, vielerorts machten erst Sachspenden ein Gelingen möglich.

Die Aktion ist auch mit der Hoffnung verknüpft, neue Jugendliche für das stetige Mitmachen in Gruppen und Verbänden vor Ort zu gewinnen.