1. Region

Corona-Krise: 430 Millionen Euro für Aufholprogramm für Schüler in NRW

Corona-Krise : 430 Millionen Euro für Aufholprogramm für Schüler in NRW

Für Kinder und Jugendliche soll in Nordrhein-Westfalen bis Ende 2022 ein millionenschweres Corona-Aufholprogramm bereitstehen. Der Großteil der Mittel wird wohl in die Schulen fließen.

Um Versäumnisse der Schüler in der Coronavirus-Pandemie aufzuholen, werden in Nordrhein-Westfalen 430 Millionen Euro bereitgestellt. Das hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag angekündigt. Bundesmittel in Höhe von 215 Millionen Euro würden vom Land in gleicher Höhe aufgestockt.

Von dem Aufholprogramm könnten befristet arbeitslose Lehrer, Studierende, Pensionäre oder Quereinsteiger beschäftigt werden, um Unterrichtsstoff nachzuholen. Auch die Nachhilfe-Institute würden einbezogen.

Ansonsten werde das kommende Schuljahr so beginnen, wie das alte aufgehört habe, kündigte Gebauer an: mit Präsenzunterricht in vollem Umfang ab dem 18. August. Weiterhin werde an Grund- und Förderschulen zweimal pro Woche mit den so genannten Lollitests auf das Coronavirus getestet, an den weiterführenden Schulen mit Selbsttests.

In den Schulen müssten auch nach den Sommerferien zunächst weiter Masken getragen werden, draußen nicht. Das Tragen der Masken in Innenräumen stehe aber auf dem Prüfstand: Man werde die Inzidenzzahlen beobachten und dann entscheiden, „ob die Maske fällt“, sagte Gebauer. Die Einschulungsfeiern könnten ohne vorherige Tests abgehalten werden.

Der Bundesrat hatte das Corona-Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche am Freitag gebilligt. Es soll zusätzliche Maßnahmen zur Lernförderung finanzieren, aber auch Sozialprojekte ausweiten und Freizeit-, Sport- und Erholungsangebote finanzieren.

Gebauer dankte allen Schülerinnen und Schülern. Sie hätten die Herausforderungen des abgelaufenen Schuljahres mit Bravour gemeistert und die Einschränkungen geduldig ertragen. „Sie haben hoffentlich Einmaliges geleistet“, sagte die Ministerin. Sie dankte auch den Lehrern. Alle Abschlussprüfungen hätten abgehalten werden können und es gebe nicht mehr Eingaben gegen sie als sonst auch.

Dass der Großteil der 430 Millionen Euro direkt in die Schulen fließen soll, sei positiv, kommentierte Sven Christoffer, Vorsitzender des Verbandes Lehrer NRW. Er forderte zugleich eine Laufzeit des Programms über das jetzige Ablaufdatum Ende 2022 hinaus.

„Das ständige Hin und Her zwischen Distanz-, Präsenz- und Wechselunterricht hat die Nerven der Familien und des Schulpersonals überstrapaziert. Was getan werden kann, damit sich dieser Stress nicht wiederholt, sollte getan werden“, forderte der Lehrerverband VBE NRW. Der Verband begrüßte das Festhalten an Maskenpflicht und Tests: „Es ist besser, vorsichtig in das neue Schuljahr zu starten“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Behlau.

Die SPD-Landtagsfraktion warf Gebauer vor, kein pädagogisches Konzept dafür zu haben, „wie die Lernrückstände der Kinder im kommenden Schuljahr aufgeholt werden sollen“. Die Schulen könnten daher auch nicht wissen, wo sie nach den Ferien die Schwerpunkte setzen sollen, kritisierte Vize-Fraktionschef Jochen Ott. Es müsse jetzt alles daran gesetzt werden, individuelle Lernstandserhebungen bei den Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen und die Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs wieder auf den gleichen Stand zu bringen.

(dpa)