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NRW-Einzelhandel: 400 Beschäftigte beteiligen sich an Warnstreiks

NRW-Einzelhandel : 400 Beschäftigte beteiligen sich an Warnstreiks

Der Einzelhandel ist ganz unterschiedlich durch die Corona-Krise gekommen: Während Supermarktketten mehr Geschäft machten, kämpften Modehändler. Nun ringen Branchenvertreter um einen neuen Tarifvertrag.

Im Tarifstreit in Nordrhein-Westfalens Einzelhandel ist es zu Warnstreiks gekommen. In mehreren Städten von NRW legten nach Angaben von Verdi etwa 400 Beschäftigte bestimmter Einzelhändler ihre Arbeit nieder, um den Druck auf die Arbeitgeberseite vor der nächsten Verhandlungsrunde zu erhöhen. In Dortmund gab es eine Kundgebung, bei der auch Warnstreikende aus anderen Städten mitmachten, etwa aus Köln und Düsseldorf. Aus Mönchengladbach, Viersen, Moers und Neuss reisten Douglas-Beschäftigte an. Neben Innenstadt-Geschäften wie Saturn, H&M und Zara waren auch einige Ikea-Möbelhäuser betroffen.

Verdi fordert 4,5 Prozent mehr Geld und begründet dies unter anderem mit Finanzeinbußen der Beschäftigten in der Coronavirus-Zeit, in der sie mit hohem Einsatz neue Konzepte wie Click & Collect umgesetzt oder trotz Angst vor einer Infektion weiter gearbeitet hätten.

Der Handelsverband NRW hält die Forderung für überzogen und bietet deutlich weniger - je nachdem wie stark die Firma betroffen war, soll es unterschiedliche Erhöhungsschritte geben. In der Vergangenheit hatten Warnstreiks im Einzelhandel häufig keine großen Auswirkungen für die Kundschaft, weil nur ein Teil der Belegschaft teilnahm und die Geschäfte trotzdem geöffnet waren.

Eine Sprecherin des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen reagierte am Mittwoch gelassen auf die Ausstände. Solche Maßnahmen seien das gute Recht der Gewerkschaft, sagte sie. „Dass es nach langen Schließzeiten in der Corona-Pandemie jetzt zu Warnstreiks kommt, ist allerdings ein unglücklicher Zeitpunkt – es geht gerade wieder aufwärts mit dem Einzelhandel.“ Nach ihrer Einschätzung ist die Reichweite der Arbeitsausstände begrenzt und es kommt dadurch aber nicht zu großen Einschränkungen für die Kunden.

Am kommenden Dienstag (22. Juni) sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Der Einzelhandel ist ganz unterschiedlich durch die Pandemie gekommen. Während das Geschäft von Supermarktketten wie Edeka und Rewe brummte, mussten Modehändler, Warenhausbetreiber und andere stationäre Händler heftige Einbußen hinnehmen, auch weil ihre Geschäfte zeitweise geschlossen sein mussten. Im Einzelhandel sind in NRW laut Verdi rund 700 000 Beschäftigte tätig. Der 2019 abgeschlossene, zwei Jahre gültige Tarifvertrag hatte eine Erhöhung um zunächst 3 Prozent und später um 1,8 Prozent gebracht.

(dpa)