Düsseldorf/Aachen: 2000 alte Bergschächte sind immer noch nicht gesichert

Düsseldorf/Aachen: 2000 alte Bergschächte sind immer noch nicht gesichert

In Nordrhein-Westfalen müssen noch etwa 2000 alte Bergschächte gesichert werden. Manche „dieser Schächte stellen aufgrund der Höhe (...) des Schadensumfangs ein langfristig nicht zu akzeptierendes Risiko dar“, heißt es in einer Antwort des NRW-Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

168 sicherungsbedürftige Schächte liegen in der Städteregion Aachen, drei im Kreis Düren. Im Kreis Heinsberg ist den Angaben zufolge kein einziger sicherungsbedürftiger Schacht mehr bekannt.

Die Grünen reagierten umgehend. „Beunruhigend ist, dass wir bei vielen Risiken nun wissen, dass wir nichts wissen“, sagte die Sprecherin der Landtags-Grünen für Bergbausicherheit, Wibke Brems. Die Risikoanalyse durch die Bergbehörde müsse dringend angegangen werden.

Die für die Bergaufsicht verantwortliche Bergbehörde ist bei der Bezirksregierung Arnsberg angesiedelt. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Oberbergdirektor Andreas Nörthen am Dienstagabend, dass die allermeisten Schächte längst „im Risikomanagement erfasst sind“.

Das bedeutet, dass potenziell sicherungsbedürftige Schächte nach und nach zunächst provisorisch gesichert und im Laufe der Zeit verfüllt werden, erklärte Nörthen. Allein 2017 seien 7,3 Millionen Euro für die Sicherung alter Schachtanlagen ausgegeben worden. Es gebe „keinen Grund zur Beunruhigung“.

Alle bekannten Tiefbauschächte in NRW, also auch im ehemaligen Aachener Steinkohlerevier, seien inzwischen gesichert, sagte Nörthen weiter. Der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) sei nach wie vor in der Verantwortung für die Tiefbauschächte, zwischen 2005 und 2016 habe der EBV elf dieser Schächte gesichert. „Aber auch die bislang bekannten oberflächennahen Schächte im Aachener Revier sind untersucht“, sagte Nörthen. Auch sie würden, wenn nötig, zunächst provisorisch gesichert und später verfüllt.

Allerdings gibt es in NRW noch 65 sicherungsbedürftige Schächte, deren genaue Lage nicht bekannt ist. In der Antwort des Ministeriums heißt es: „Immer wieder ist festzustellen, dass bei der Sicherung altbergbaulicher Hinterlassenschaften durch unerfahrene Dritte Verfahren eingesetzt werden, die für den entsprechenden Zweck unzureichend (...) sind.“

Der jahrhundertelange Steinkohleabbau im Ruhrgebiet sorgt an der Oberfläche immer wieder für Schäden durch sogenannte Bergsenkungen. So war beispielsweise 2013 in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs ein einsturzgefährdeter Stollen entdeckt worden. Die Sicherung dauerte mehrere Wochen. „2018 schließen die letzten Zechen, die Folgen des Steinkohlebergbaus werden weit darüber hinaus massiv spürbar bleiben“, sagte Wibke Brems. „Immer wieder sorgen Tagesbrüche für folgenschwere Schäden.“

In den Jahren 2005 bis 2016 habe es fast 1900 Tagesbrüche gegeben. Die Größe von Kratern oder Rissen, die durch Schäden im Untergrund an der Oberfläche entstehen, variieren allerdings erheblich.

(gego/dpa)
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