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16-jähriger Brandstifter aus Hellenthal verurteilt

Versuchter Mord und Brandstiftung : 16-Jähriger wegen Brandserie in der Eifel verurteilt

Das Urteil ist gesprochen: Ein 16-Jähriger, der unter anderem für den Brand im Schleidener Gymnasium verantwortlich sein soll, muss viereinhalb Jahre in Haft. Das Verfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Einer der letzten Brände, die der Junge aus Hellenthal legte, überraschte die Bewohner eines Einfamilienhauses in der Eifel im Schlaf. Als sie bemerkten, dass etwas nicht stimmte, war es schon fast zu spät, der einzige Weg aus dem Haus führte durch ein Fenster in der ersten Etage. Die beiden Hausbewohner sprangen vom Fensterbrett aus ins Freie, sie hatten Glück, dass sie außer kleineren Blessuren keine sichtbaren Verletzungen davon trugen.

Der Junge aus Hellenthal, bei der Tat im Frühjahr 15 Jahre alt, ist Donnerstag zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Eine Jugendkammer des Aachener Landgerichts wertete zwei der insgesamt sieben Brände, die der heute 16-Jährige zwischen Herbst 2018 und Mai 2019 gelegt hatte, als versuchten Mord an insgesamt fünf Menschen: Neben den beiden Menschen, die damals aus dem Fenster gesprungen waren, flohen drei weitere Menschen aus einem anderen Haus, das der Junge in Brand gesetzt hatte.

Im Ermittlungsverfahren hatte derVerdacht bestanden, dass der Junge bei den Brandstiftungen psychisch beeinträchtigt gewesen sein könnte, doch die Begutachtung durch einen Sachverständigen ergab keine entsprechenden Hinweise. Die Frage nach dem Motiv des Jungen blieb weitgehend offen. Selbst die drei Richter der Jugendkammer hätten sich „schwer getan, ein Motiv zu finden“, sagte Landgerichtssprecher Thomas Birtel nach der Urteilsverkündung. Das Verfahren war wegen der Jugend des Täters unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt worden, auch zur Urteilsverkündung waren ausschließlich Angehörige des Jungen zugelassen worden.

Dennoch bestätigte Thomas Birtel, dass der 16-Jährigen zu zwei Gebäuden, die er in Brand gesetzt hatte, eine persönliche Beziehung hatte: Am Schleidener Sturmius-Gymnasium, das der Täter im Herbst 2018 gleich drei Mal in Brand setzte und schwere Schäden verursachte, war er bis zu seiner Verhaftung am 4. Mai selbst Schüler gewesen, er besuchte die neunte Klasse. Der Direktor beschrieb den 16-Jährigen als „normalen Schüler, freundlich und nett“. Unauffällig sei er gewesen.

Ein Anbau der evangelischen Kriche in Hellenthal, den der Junge am 21. Februar angezündet hatte, diente einer Pfadfindergruppe als Treffpunkt. Der Täter war Mitglied dieser Gruppe. Zu den fünf Menschen, die der Jugendliche versucht hatte zu ermorden, habe er hingegen keine Beziehung gehabt, erklärte Landgerichtssprecher Birtel, sie seien Zufallsopfer gewesen.

Das Schleidener Sturmius-Gymnasium am 16. November 20187, 2.11 Uhr: Eine Überwachungskamera filmt einen damals 15 Jahre alten Schüler, der das Gymnasium in dieser Nacht zum zweiten Mal in Brand setzte. Foto: Polizei/Küpper, Franz

Berichte einer Boulevardzeitung, denen zufolge der 16-Jährige seine Mutter früh verloren habe und später in einer Jugendhilfeeinrichtung in der Eifel gelebt haben soll, bevor sein Vater zu ihm in die Eifel zog, wollte Birtel unter Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Jugendlichen nicht bestätigen. Auch nicht, ob die familiäre Situation für das Urteil eine Rolle gespielt haben.

Die Kammer des Vorsitzenden Richters Thomas Küpper blieb weit unter der theoretischen Höchststrafe von zehn Jahren Haft. Ausschlaggebend sei vor allem gewesen, dass der Jugendliche nach seiner Verhaftung am 4. Mai, kurz nachdem er einen Carport in Schleiden-Oberhausen angezündet hatte, ein weitreichendes Geständnis abgelegt hatte. Derart weitreichend, dass die Ermittler ihm ohne seine Aussage wahrscheinlich nicht alle sieben Brandstiftungen hätten nachweisen können, sagte Landgerichtssprecher Birtel. Zudem habe der 16-Jährige während des Prozesses bei seinen Opfern um Entschuldigung gebeten. Er habe „aufrichtige Reue und Einsicht gezeigt“.

Noch im Gerichtssaal erklärten der 16-Jährige und sein Vater, das Urteil akzeptieren und nicht in Revision gehen zu wollen.