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Aachen: 15 Künstler loten die Grenzlinien aus

Aachen : 15 Künstler loten die Grenzlinien aus

15 Künstler zeigen auf der deutsch-belgischen Grenzlinie bei Aachen in der Freiluft-Ausstellung „Seitenwechsel” Werke zum Thema Grenze.

Auf dem rund drei Kilometer langen Waldweg an Grenzsteinen entlang und vorbei an den Panzersperren des Westwalls sind vom 21.Mai bis zum 1.Oktober 22 Installationen, Markierungen sowie Arbeiten aus Naturmaterial zu sehen.

Initiator der Aktion ist der belgisch-deutsche Verein „Kunst und Kultur im Köpfchen” (KuKuK), der im Grenzhäuschen am Übergang „Köpfchen” an der Eupener Straße seinen Sitz hat. Beteiligt sind Künstler aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden.

Schmuggel, Flucht oder Grenzverlauf - Verbindung oder Einschnitt: Die Künstler waren aufgefordert, sich mit der Geschichte des Grenzabschnitts auseinander zu setzen. Entweder sie schufen für einen Seitenwechsel an der Grenze jeweils ein Werk für die deutsche und eins für die belgische Seite oder wie Wolfgang Brecklinghaus (Gelsenkirchen) nur ein Werk.

Der Künstler legte an einem Grenzstein unter mächtigen, alten Buchen einen überdimensionalen Reißverschluss aus leuchtend blauem Holz aus. Es ist ein Kunstwerk für die europäische Gegenwart. „Hier werden die Grenzen zusammengezogen”, erklärte Elke Kohlrautz von KuKuK, die das Projekt mitbetreut.

Von bedrückender Schönheit ist die Arbeit von Jean-Paul Laixhay (Lüttich) an den Panzersperren des Westwalls in der so genannten Höckerlinie. Die bis zu 1,60 Meter großen Zähne aus Stahlbeton, die die deutsche Westgrenze sichern sollten, hat der Künstler einseitig blutrot getüncht. Die anderen Seiten sind über Jahrzehnte im Schatten hoher Fichten mit tiefgrünem Moos bewachsen.

Das Rot erinnert an Blut. Bei der Offensive der Alliierten 1944 sind am Westwall viele Soldaten gestorben. Verblüffend die Installation von Svenja Doering (Köln) „Ein Quadratmeter Heimaterde”: Von einer belgischen Kuhwiese stach sie einen Quadratmeter Wiese ab und verfrachtete sie vier Meter weiter in einen Holzrahmen auf die deutsche Seite. Von dieser Stelle stach sie braunen Waldboden mit Tannennadeln, -zapfen und Ästen ab und transportierte sie auf die belgische Kuhwiese.

„Seitenwechsel” ist das bisher größte Projekt des kleinen Vereins KuKuK. Auch wenn die Grenze im Alltag schon lange nicht mehr existiert, ist sie in den Köpfen noch da. „Die Leute halten an und erzählen uns, wie sie früher hier kontrolliert wurden”, sagt Elke Kohlrautz.

Die Gemeinde Raeren hat das ehemalige Zollhäuschen gekauft und vor dem Abriss bewahrt. Seit sechs Jahren ist es der Sitz von KuKuK. Der veranstaltet auf der rund 25 Quadratmeter kleinen Fläche regelmäßig Ausstellungen, meistens zum Thema Grenze.