125.000 Euro jährlich für talentierte Hochschulabsolventen

Förderung für junge Forscher für Europa : Aachener Karlspreis gründet eine Akademie

Der Aachener Karlspreis erweitert sein Spektrum. Ab sofort werden jährlich fünf Hochschulabsolventen mit einem Stipendium in Höhe von jeweils 25.000 Euro unterstützt. Der Name der Akademie: Charlemagne Prize Academy.

Europa dürfe nicht als „Käsescheibe auf dem Brötchen zwischen China und den USA enden“, sagt Thomas Prefi, Vorstandssprecher der Stiftung Internationaler Karlspreis. Dafür braucht Europa nach Überzeugung der Aachener Karlspreis-Verantwortlichen mehr Miteinander, mehr wissenschaftliche Teamarbeit, mehr gemeinsame Aufmerksamkeit, „um mit den Augen junger Menschen Probleme zu identifizieren und gemeinsame Zukunftsperspektiven zu entwickeln“, wie es der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, am Dienstag in der Düsseldorfer Staatskanzlei formulierte, wo er gemeinsam mit Prefi, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, „die neue Tochter“ des Karlspreises vorstellte.

Sie heißt Charlemagne Prize Academy und wird künftig in jedem Herbst einen Europäischen Karlspreis-Gipfel in Aachen veranstalten. Der soll „ein Forum für wichtige und lebhafte Debatten zwischen Entscheidungsträgern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft und den Stipendiaten des European Charlemagne Prize Fellowship bieten“. Fünf Forschungsstipendien in Höhe von jeweils 25.000 Euro werden ab sofort jedes Jahr an herausragende Hochschul-Absolventen in Europa vergeben.

An der ersten Ausschreibung haben sich laut Linden 114 Bewerber aus 37 Staaten beteiligt. Die ersten fünf Stipendien werden am Donnerstag, 14. November, im Aachener Rathaus vergeben. Wer die Glücklichen sind, wird am Abend während einer Feier im Krönungssaal des Aachner Rathauses bekanntgegeben; Laschet wird dort eine Europäische Grundsatzrede halten.

Am Tagesprogramm dieses ersten Karlspreis-Gipfels von 11 bis 17.30 Uhr im Rathaus und im Haus Löwenstein am Markt können Interessierte teilnehmen; Anmeldung ist erforderlich unter https://veranstaltungen.land.nrw/event.php?vnr=4b-10a. Themen der insgesamt vier Diskussionsforen sind Chancengleichheit für Europas Jugend, die Suche nach einer europäischen Antwort auf Sicherheitsfragen, neue Technologien für mehr Nachhaltigkeit sowie institutionelle Herausforderungen und Grenzen der europäischen Einigkeit.

Seit Jahren versuchen Karlspreis-Direktorium und -Stiftung sowie die Stadt Aachen, das inhaltliche Spektrum und die Wirkung dieser europäischen Auszeichnung zu erweitern und vor allem junge Menschen näher an das Integrationswerk zu führen. Mit dem neuen jährlichen Fellowship-Programm und dem Karlspreis-Gipfel ist nun ein weiterer konkreter Schritt getan. Ganz bewusst wendet sich das Programm an junge Wissenschaftler, die in klarer europäischer Perspektive an Zukunftsthemen forschen: Migration, Klimawandel, Digitalisierung, Mobilität und anderes. Sie sollen dabei nicht nur finanziell, sondern auch wissenschaftlich unterstützt werden sowie durch den Aufbau eines internationalen Netzwerks und den Austausch mit führenden europäischen Persönlichkeiten.

Nun ist gerade die Wissenschaft international und europäisch vernetzt und der Grundidee des Karlspreises verbunden. Die Frage, wie man die Europa-Skeptiker in anderen gesellschaftlichen Milieus erreichen kann, vermag Linden noch nicht zu beantworten. Europa dürfe aber sicher kein Projekt der Eliten bleiben; weitere Initiativen seien nötig. Laschet sieht die eigentliche Gefahr für die Europäische Union ganz woanders: „Unser Problem sind die Eliten, die das europäische Projekt von innen zerstören wollen. Die anti-europäischen Töne aus den Parlamenten und Regierungen der Mitgliedsstaaten werden lauter“, sagt Laschet. „Und vor allem dagegen müssen wir kämpfen.“

Aus der Riege der Karlspreisträger hat sich vor allem der britische Historiker und entschiedene Brexit-Gegner Timothy Garton Ash an der Planung der Karlspreis-Akademie beteiligt. Nach dem Start in der kommenden Woche sollen die ersten fünf Stipendiaten auf dem Karlspreis-Gipfel im Herbst 2020 ihre Forschungsergebnisse vorstellen und damit nachhaltige Diskussionen anstoßen. Unterstützt wird das gesamte Programm vom Auswärtigen Amt, der NRW-Landesregierung, der König-Baudouin-Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung.

Einer der Förderer und Planer der Aachener Karlspreis-Akademie: der britische Historiker Timothy Garton Ash. Foto: Andreas Herrmann

Weitere Informationen unter www.charlemagneprizeacademy.com

Mehr von Aachener Zeitung