1. Region

Aachen/Köln/Düsseldorf: 120 Minuten Verspätung und mehr: Frust an Bahnhöfen in der Region

Aachen/Köln/Düsseldorf : 120 Minuten Verspätung und mehr: Frust an Bahnhöfen in der Region

Für Lehrerin Sabine Pitz und ihre Schüler hat die Abschlussfahrt nach Hamburg denkbar schlecht begonnen. 45 Minuten verspätet ist sie mit den Hauptschülern aus Aachen am Kölner Hauptbahnhof angekommen. Der Anschlusszug in den Norden ist natürlich schon weg.

„Jetzt müssen wir erstmal gucken, welchen Zug wir nehmen”, sagt die 32-Jährige gestresst.

Foto: Ralf Roeger

Dass Pitz und ihre Zehntklässler sich die Beine in den Bauch stehen, liegt an den Warnstreiks bei der Bahn in ganz Deutschland. Um Druck in den Tarifverhandlungen zu machen, haben Mitarbeiter der Stellwerke am Montag für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt - mit bösen Auswirkungen auf den gesamten Tagesfahrplan.

Foto: Ralf Roeger

Vor allem die Pendler hat es kalt erwischt - unter ihnen auch Achim Zimmermann. Nachdem er in Stolberg anderthalb Stunden auf seinen Zug warten musste, ist der 47-Jährige endlich in der Domstadt angekommen. Dank Gleitzeit kommt er zwar nicht zu spät zur Arbeit. Aber: „Umgekehrt muss ich länger arbeiten - und kann mein Kind nicht sehen heute Abend.” Ein 31 Jahre alter Lehrer wettert in Dortmund: „Ich finde es richtig, für mehr Lohn zu streiken, aber nicht auf dem Rücken der Berufspendler. Das ist asozial!”

Foto: Ralf Roeger

Vor den Anzeigetafeln an vielen Bahnhöfen drängeln sich an diesem Morgen ratlose Reisende. Die Damen vom DB-Service mit ihren Bescheinigungsblöckchen sind heiß begehrt. „Ich warte hier schon seit drei Stunden”, sagt eine 21-Jährige in Köln. „Ich bin Schülerin und muss nachweisen, dass die Bahn Schuld ist an meiner Verspätung.”

Foto: Ralf Roeger

Vor ihr steht eine 17-jährige Kollegschülerin mit den gleichen Sorgen in der langen Schlange. „Mein Zug aus Siegen hierher hatte schon zwei Stunden Verspätung. Ich könnte mächtig Ärger kriegen, deshalb warte ich hier auf eine Bescheinigung.” Ihr Freund ist sauer: „Wenn man früh aufsteht, um pünktlich zur Arbeit zu kommen und dann drei Stunden am Bahnsteig rumsteht, ist das schon frustig.”

Foto: Ralf Roeger

Thomas Walter fotografiert derweil die Anzeigetafel mit den Hinweisen „120 Minuten Verspätung” oder „approx. 75 minutes later”. Um munitioniert zu sein für seine Rückzahlungsforderungen an die Bahn, erklärt er. „Man muss ja alles belegen. Ich will nach Berlin und ich weiß überhaupt nicht, wann ich ankomme und ob ich überhaupt ankomme. Da will ich wenigstens mein Ticket erstattet haben.”

Das Ehepaar Madl will nach Österreich - und kommt nicht vom Fleck. „Wir sind verunsichert”, sagt Michaela Madl. Ihr Ehemann meint: „Als Kunde habe ich für solche Streikaktionen überhaupt kein Verständnis.”

Alfred Voss hat mit seiner Frau ausgerechnet für den Streik-Montag eine Bahntour von Köln über Bielefeld nach Minden und Hagen geplant. Schon beim ICE Richtung Ostwestfalen sei unklar, ob der Zug überhaupt fahre: „Wir wissen nicht, wie weit wir kommen.”