Kreis Heinsberg: Notfallseelsorge leistet Erste Hilfe für Seele

Kreis Heinsberg: Notfallseelsorge leistet Erste Hilfe für Seele

Die Ökumenische Notfallseelsorge im Kreis Heinsberg hat jetzt ihren Jahresbericht 2013 vorgestellt. Seit dem Jahr 2001 sind die Mitarbeitenden dieser Einrichtung kreisweit im Einsatz, wenn Notsituationen Hilfe erfordern.

Was ist die Notfallseelsorge? Der Rettungsdienst leistet medizinische und die Feuerwehr technische Erste Hilfe. Was ist mit der Ersten Hilfe für die Seele? Dafür ist die Notfallseelsorge zuständig.

Plötzlich und unerwartet kann jeder in eine Krise stürzen und mit Unfall, schlimmer Krankheit und Tod konfrontiert werden. Das ­eigene Leben und das von Angehörigen ändert sich schlagartig. Die Betroffenen werden mit den Grenzen ihres Lebens konfrontiert. Notfallseelsorge sorgt dafür, dass Menschen, die in solche seelischen Extremsituationen geraten sind, Beistand bekommen und begleitet werden.

Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger wollen nicht belehren oder missionieren, sondern zuhören, trösten, Mut machen, beim Abschied von einem Verstorbenen zur Seite stehen, Trauer ermöglichen, in aller Hilflosigkeit und Ohnmacht einfach da sein. Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger haben Zeit.

Die Notfallseelsorge arbeitet mit anderen Notfallseelsorgegruppen und Kriseninterventionsteams in den benachbarten Städten und Kreisen zusammen. Ihr Know-how steht bei Bedarf auch den Einsatzkräften in eigener Sache zur Verfügung.

Rund um die Uhr

Seit September 2001 sind katholische und evangelische Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger rund um die Uhr für die Menschen im Kreis Heinsberg da. Sie fragen dabei nicht nach Konfessions- oder Religionszugehörigkeit; das Hilfsangebot gilt jeder und jedem.

Zurzeit umfasst die Notfallseelsorge im Kreis Heinsberg 39 Mitarbeitende, und zwar hauptamtliche Kräfte (Pfarrer oder Pastoral- und Gemeindereferenten) und ehrenamtliche Kräfte (zum Beispiel Krankenschwestern, Rettungsassistenten oder Psychologen). Die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger sind speziell für diesen Dienst ausgebildet.

Alle übernehmen den Bereitschaftsdienst in der Notfallseelsorge neben ihrer sonstigen Arbeit. Sie arbeiten in enger Kooperation mit Notärzten, Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei, mit den Kirchen- und Pfarrgemeinden vor Ort sowie mit anderen Fachkräften aus dem psychosozialen Bereich.

Die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger werden von Einsatzkräften (zum Beispiel vom Notarzt) angefordert und über die Kreisleitstelle alarmiert. Ein spezieller Hintergrunddienst über-nimmt Vertretungs- und Unterstützungsaufgaben. Alle Gespräche unterliegen der Schweige-pflicht.

Finanziert wird die Arbeit durch die beiden beteiligten Kirchen, durch Spenden und durch Sponsoring der Kreiswasserwerke.

Die Organisation der Dienstpläne liegt in den Händen der beiden Koordinatoren: Pastoralrefe-rent Manfred Sybrandi für die katholische Kirche und Pfarrer i. R. Manfred Jung für die evangelische Kirche. Diese kümmern sich auch um Fortbildung und Supervision für die Mitarbeitenden.

Und sie achten darauf, dass die Mitarbeitenden auch für sich selbst gut sorgen, damit sie bei ihrer schwierigen Arbeit nicht auf der Strecke bleiben. So organisieren sie beispielsweise nach besonders belastenden Einsätzen die Möglichkeit einer zeitnahen Betreuung durch eine Supervisorin oder einen Supervisor.

76 Einsätze im vergangenen Jahr

Die Notfallseelsorge im Kreis Heinsberg wurde im vergangenen Jahr zu insgesamt 76 Einsätzen gerufen. Die meisten Einsätze standen in Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen. Zwölfmal ging es um das Überbringen einer Todesnachricht (zusammen mit der Polizei), 32-mal um die Begleitung von Angehörigen nach erfolgloser Reanimation, dreimal nach plötzlichem Kindstod, viermal bei Unfällen.

Hinzu kamen 15 Einsätze im Bereich Suizid sowie sieben Gespräche mit Gruppen und Einzelnen einige Tage nach einem schlimmen Ereignis. Dreimal wurde die Notfallseelsorge ins Krankenhaus gerufen. Die meisten Einsätze fanden im häuslichen Bereich statt.

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