Aachen: Noch 55 Tage kann geschunkelt werden

Aachen : Noch 55 Tage kann geschunkelt werden

Im letzten Jahr war die Karnevalssession extrem kurz, bereits am 17. Februar war Aschermittwoch und alles vorbei. In diesem Jahr finden die tollen Tage wesentlich später statt, Rosenmontag ist am 7. März. Eine XXL-Session, die erst 2038 übertroffen wird: Dann liegt der Aschermittwoch auf dem 10. März, haben Kalenderkünstler herausgefunden.

Was bedeutet die lange Session für die aktiven Jecken, was sagen die Leute, die den öffentlichen Frohsinn organisieren oder Säle zur Verfügung stellen? Die „Nachrichten” hörten sich um.

Toni Kommer vom gleichnamigen Saalbau in Forst kann dem großzügigen Zeitrahmen nur Gutes abgewinnen: „Man hat nicht den Druck, direkt nach Silvester und den Neujahrsempfängen in den Karneval zu starten.” Und man könne besser auf die Wünsche der Vereine eingehen: „Jeder kriegt einen Samstag.” Und noch einen Vorteil hat er ausgemacht: „Es ist wichtig, dass die tollen Tage nach einem Monatsersten sind, denn dann haben die Leute mehr Geld. Das hat schon mein Vater gesagt.” Er wünsche nur, dass „die Leute nicht in Urlaub fahren”.

Denn allzu viel Hoffnung auf höhere Umsätze macht sich der Gastronom nicht: „Der Pro-Kopf-Verzehr ist in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Die Leute haben nicht das Geld.” Eine Tendenz, die auch Dirk Deutz, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, bestätigt: „Es wird weniger gegessen und getrunken. Die Leute gucken schon auf das Geld.” Er hoffe allerdings, dass die Sitzungen mehr Besucher bekommen, weil zwischendurch Zeit für Erholung sei. Ohnehin habe sich die Stimmung gebessert - parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung. „Es ist fröhlicher, optimistischer.”

Ähnliche Erfahrungen hat Beatrix Karlsberg vom Eurogress gemacht. Bei der ausverkauften Prinzenproklamation seien die Gäste länger geblieben, seien auch die Umsätze höher gewesen, hat die Leiterin der Marketing- und Verkaufsabteilung beobachtet. Der Vorverkauf für viele Großveranstaltungen laufe gut. „Die Tendenz ist positiv.” Und der Terminkalender sei so breit gefächert, dass diesmal zwischen all dem Karneval noch Platz für andere Veranstaltungen bleibe, etwa ein Meisterkonzert oder der Auftritt des Petersburger Staatsballetts.

Der Sitzungskarneval beginnt gerade erst. Deshalb tun sich die organisierten Jecken etwas schwer damit, Prognosen zu wagen. Aber alle sind zuversichtlich, dass es aufwärts geht. Die Ordensfeste im November waren meist gut besucht. Und auch die Oecher Jonge, traditionell mit der ersten Sitzung in der Session dran, meldeten für vergangenen Samstag, trotz Prinzenproklamation, 250 jecke Besucher.

Wenn man den November mitzählt, kommen Prinz Alwin I. (Fiebus) und sein Hofstaat auf rund rund 400 Auftritte. „Da sind aber auch die Besuche bei karitativen Organisationen, die Galas und anderes bei”, erklärt Hofstaats-Adjutant Georg Cosler. Er erklärt, dass eine so lange Session durchaus ihren Reiz habe, „aber auch zeitintensiv ist, weil wir nahezu jeden Tag einen Termin haben”.

Prinz Alwin kommentiert trocken: „Das ist doch schön, dass wir so lange Zeit haben. Ich habe darauf hingewirkt, dass ich als zweiter Prinz nach Heinrich I. in einem Jahr âelfÔ Tollität bin. Dass dann noch eine so lange Session daraus wird, das freut mich besonders.” Heinrich Wiertz hatte übrigens auch eine relativ lange Prinzenzeit, Aschermittwoch des Jahres 1911 war der 1. März.

Während die Prinzengarde die Tollität in die Säle begleitet, hat die Oecher Penn etwa 50 Fremdauftritte und rund 20 Auftritte bei eigenen Veranstaltungen zu absolvieren. Die Penn sei in einer glücklichen Lage, sagt Zeremonienmeister Oliver Klöcker. Die Herrensitzung war bereits Mitte Oktober ausverkauft, bei der Galasitzung am Samstag, 29. Januar, ist ebenfalls kein Platz mehr frei. „Für den Pennball am Karnevalssamstag werden wir erst im Februar mit dem Kartenverkauf beginnen. Letztes Jahr war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft.”