Eschweiler: Nicht nur beim Tivoli: „Verstärkt über Mehrfachnutzungen nachdenken.”

Eschweiler: Nicht nur beim Tivoli: „Verstärkt über Mehrfachnutzungen nachdenken.”

In seiner Branche gilt er als Legende. Als Konzertveranstalter hat er mit nahezu allen Größen der Musikwelt eng zusammengearbeitet. Am Mittwochabend war Fritz Rau nun auf Einladung von Max Krieger, Kulturpartner der Städteregion sowie Kulturmanager der Städte Eschweiler und Stolberg, im Talbahnhof in Eschweiler zu Gast.

Einerseits, um aus seinem Buch „50 Jahre Backstage” vorzutragen, andererseits, um mit Max Krieger und Moderator Robert Esser, Redakteur dieser Zeitung, das Thema „Konzerte und Open Air Festivals in der wachsenden Städteregion Aachen” zu beleuchten.

Möglichkeiten, hochklassige Musiker in die Region zu holen, gebe es durchaus, waren sich die Diskutanten einig. Der Katschhof in Aachen, das Gelände des Flugplatzes Merzbrück in Würselen, die Burgen in Monschau und Stolberg, aber auch der Marktplatz in Eschweiler seien für Konzerte bestens geeignet. Doch gerade die Stadt Aachen verpasse Chancen, kritisierten Gäste aus dem Publikum.

„Ist es nicht fahrlässig, dass der neue Tivoli keine Möglichkeit bietet, dort Konzerte zu veranstalten?”, ging auch eine Frage von Robert Esser in diese Richtung. „Ich werde niemals müde, darauf hinzuweisen. Es gibt doch genügend Beispiele für Mehrzweckstadien. Die Situation in Aachen ist einfach schade. Wir müssen dahin kommen, dass verstärkt über Mehrfachnutzungen nachgedacht wird”, blieb Fritz Rau die Antwort nicht schuldig.

Merzbrück besteht Feuerprobe

Dagegen habe der Flugplatz Merzbrück mit dem Auftritt von Bela B. vor wenigen Monaten seine Feuerprobe mit Bravour bestanden. „Das Konzert war ein großer Erfolg. Allerdings muss klar sein, dass ohne Sponsoren nichts läuft. Eine solche Veranstaltung muss professionell aufgezogen werden. Mittelmäßigkeit darf nicht der Maßstab sein”, machte Uwe Zink, Geschäftsführer der Flugplatz Aachen-Merzbrück GmbH, deutlich. „Es sollte niemand an ein Open-Air-Konzert herangehen, wenn er knapp bei Kasse ist”, wies auch Fritz Rau auf finanzielle Risiken für Veranstalter hin.

Die Frage, ob nicht die Gefahr einer Übersättigung des Publikums bestehe, verneinte Fritz Rau energisch. „Deutschland hat mehr als 80 Millionen Einwohner, eine Tournee mit 100.000 Besuchern gilt bereits als großer Erfolg. Es gibt viele Menschen, die noch nie in einem Konzert waren. Man muss die Leute verführen, auch mal vom Fernseher wegzukommen. Da ist noch viel Luft nach oben. Von einer Überfütterung kann also keine Rede sein.”

Und das Erfolgsgeheimnis eines Konzertveranstalters? „Schizophrenie!”, sagte Rau. „Er muss einerseits ein Musikliebhaber, andererseits aber ein kalter Rechner sein. Und dass ich Rechtsanwalt bin, hat auch nicht geschadet.”

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