Flughafen-Chef von Weeze verlangt Abschaffung der Luftverkehrssteuer

Von: Bernd Mathieu
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Nachteile durch Steuer und Maut: Ludger van Bebber, Chef des privaten Flughafens Weeze am Niederrhein, verlangt gleiche Behandlung der Flughäfen in der EU. Foto: Michael Jaspers
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Die Flughafen-Halle in Weeze: Die Passagierzahlen lagen 2016 bei etwa zwei Millionen Reisenden.

Aachen. Irgendwann hört bei Ludger van Bebber der Spaß auf. Er ist Geschäftsführer des Flughafens Weeze am Niederrhein und ist es ziemlich leid, immer wieder erklären zu müssen, wie rentabel Weeze arbeitet. Das sei einmal vorangestellt. Van Bebber widerspricht bei einem Besuch in unserer Redaktion energisch der Behauptung, sein Flughafen trage zu einem Überangebot an Kapazitäten in Nordrhein-Westfalen bei.

„In NRW sind drei von sechs Flughäfen profitabel: Düsseldorf, Köln und Weeze.“

Der „Airport Weeze“ so der offizielle Name, liegt 70 Kilometer nördlich von Düsseldorf unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden. 1,9 Millionen Fluggäste reisen jährlich in 45 Flugziele. Weeze liegt damit im Passagieraufkommen der deutschen Flughäfen auf Platz 14 von 21. In der Pünktlichkeitsstatistik belegt Weeze auf Platz eins.

Der Standort am Niederrhein ist Kostenführer unter den regionalen Flughäfen und erwirtschaftete bei einem Umsatz von 22 Millionen Euro zwei Millionen Euro Gewinn. Zum Areal des Flughafens gehören zudem ein Gewerbegebiet und das größte Solarkraftwerk in NRW. Immer wieder sorgen verschiedene Veranstaltungen für überregionale Beachtung, zuletzt „Parookaville“, ein Electronic-Music-Festival mit 80.000 Besuchern.

Nicht subventioniert

Der Flughafen ist nicht öffentlich subventioniert, sondern zu hundert Prozent in privater Hand. 90 Prozent gehören einem niederländischen Investor. Zu den restlichen zehn Prozent zählt unter anderem der Kreis Kleve.

Weeze gilt als extrem kosteneffizienter Standort. Van Bebber: „Die effiziente Verwendung von finanziellen Mitteln bedeutet nicht, dass wir keinen guten Job machen und keinen guten Service leisten. Mehr Mittel sind nicht immer eine Verbesserung.“ Er vergleicht das mit der Fluggesellschaft Ryanair, die zu ähnlichen Ergebnissen komme. Ryanair ist für Weeze die mit Abstand wichtigste Fluggesellschaft. Ohne sie könnte der Flughafen nicht existieren. Flüge anderer Gesellschaften sind da wesentlich seltener.

Van Bebber verlangt einheitliche Bedingungen, erst recht für einen Flughafen, der ohne Subventionierung kalkulieren müsse. Sorgen bereitet ihm seit 2011 die damals eingeführte Luftverkehrssteuer. „Das hat uns als Low-Cost-Airport mit einem Anteil von 40 Prozent niederländischer Passagiere härter getroffen als andere.“ Da geht der Blick vor allem zum Flughafen Eindhoven, dem Wettbewerber auf der niederländischen Seite. Dort gibt es keine Luftverkehrsabgabe. Seit der Einführung der Steuer sind die Passagierzahlen in Weeze zurückgegangen und auf unter zwei Millionen gesunken. Davon hat Eindhoven profitiert.

„Eine solche Steuer gibt es in Europa nur in Deutschland und in Großbritannien, in Österreich ist die Steuer immerhin halbiert worden.“ Das verzerre den europäischen Wettbewerb erheblich, vor allem in unmittelbarer Grenznähe.

Ludger van Bebber setzt unterdessen auf die neue nordrhein-westfälische Landesregierung und eine Änderung des Landesentwicklungsplanes. Darin ist Weeze nur als „regional bedeutsam“ und nicht als „landesweit bedeutsam“ eingestuft worden. „Mit dieser Einstufung sind wir nicht einverstanden. Denn regionale Flughäfen dürfen sich nur im Einklang mit den landesweit bedeutsamen entwickeln.“ Und damit hänge er unzumutbar vom großen Nachbarn in Düsseldorf ab. „Es sollten jedoch alle die gleichen Chancen haben“, verlangt van Bebber.

Auch die Maut würde zum Standortnachteil für Weeze, da sie die vielen niederländischen Fluggäste betreffe. „Wir entwickeln uns mit der Luftverkehrssteuer und der Maut mitten in Europa zu echten Nationalstaatlern“, sagt der Weezer Flughafenchef. Immerhin habe die schwarz-gelbe NRW-Koalition signalisiert, in Sachen Luftverkehrssteuer in Berlin einen Vorstoß zu machen – mit dem Ziel, die Steuer abzuschaffen.

In der Zwischenzeit muss van Bebber mit Steuer und vielleicht bald mit Maut gegen die Konkurrenz jenseits der Grenze mithalten. Es gibt auch positive Nachrichten: Jüngst hat Eurowings die neue Fluglinie von Weeze nach München neu in Betrieb genommen.

Selbst der flugkritische „Bund“ (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) bescheinigte im August 2015 in seinem NRW-Luftverkehrskonzept, dass der Flughafen Niederrhein (Weeze) pro Passagier einen Aufwand habe, der „extrem und niedrig“ sei.

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