„Kunst x Kuba“: Die Rechnung geht auf

Von: Angela Delonge
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Gestern und heute: Die Ausstellung zeigt Werke von Frauen wie das bewegliche Plastikrosen-Porträt „Einfach schön“ und die Installation „Alternativen für den Mythos: Leda denkt“... Foto: Andreas Herrmann
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...und von Männern, wie die ironische Installation zur sozialistischen Ideologie von Glexis Novoa... Foto: Andreas Herrmann
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...oder die Gehstöcke mit den Köpfen kubanischer Revolutionshelden mit dem Titel „Mein Führer und meine Stütze“. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Chancen, dass die Rechnung des Ludwig Forums für Internationale Kunst aufgeht, stehen mehr als gut: Mit der Formel „Kunst x Kuba“ (Kunst mal Kuba) haben die Ausstellungsmacher um Direktor Andreas Beitin zwar eine Gleichung mit vielen Unbekannten aufgemacht, doch gleichzeitig so ein stimmiges Konzept rund um die Mulde im Forum geschaffen, dass sich jedem Besucher die Kunst des Karibikstaats auf Anhieb vermitteln dürfte.

250 Meter neue Wände wurden diagonal aufgestellt, trotzdem bleibt der Ausstellungsraum offen und luftig für die rund 70 Gemälde, Installationen, Videokunst, Fotografien. Beim Presserundgang am Mittwoch zeigte sich, dass das Forum an der Jülicher Straße seinem Namen alle Ehre macht – sowohl hinsichtlich der ausgewählten Kunstwerke als auch in Bezug auf die Ausstellungsarchitektur.

„Zeitgenössische Positionen seit 1989“ – damit ist kubanische Kunst von gestern und heute gemeint. Altes hängt hier neben Neuem, ein kostenlos erhältlicher Kunstführer erläutert jedes Werk und setzt so die Kunstwerke sinnvoll miteinander in Beziehung.

Es handelt sich um die größte Ausstellung kubanischer Kunst in Deutschland, und dies ist vor allem den „Kunstnomaden“ Peter und Irene Ludwig zu verdanken, die schon in den 90er Jahren einen globalisierten Blick auf die Weltkunst warfen und diese kauften, wie Aachens Kulturdezernentin Susanne Schwier und Brigitte Franzen vom Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung sagten.

Dieser „Weltkunstblick“ habe die Bundeskulturstiftung beeindruckt und bewogen, das Projekt zu fördern, sagte Franzen. Auch die Tatsache, dass Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) die Schirmherrschaft übernommen hat und der Schau in einem begeisterten Brief gutes Gelingen wünscht, spricht für „Kunst x Kuba“.

Das Herzstück der Ausstellung stammt aus der Sammlung des Ehepaars Ludwig, das 1990 viele der gezeigten Werke direkt aus der berühmten Schau „Kuba o.k.“ in der Kunsthalle Düsseldorf heraus erwarb und damit in Aachen eine der größten Sammlungen kubanischer Kunst weltweit etablierte.

Erstmals wurden die Objekte nun aus den Depots wieder zusammengestellt. Die ihnen gegenüber gestellten Werke junger kubanischer Künstler hat Ko-Kurator Antonio Eligio (Tonel) zusammen mit Andreas Beitin ausfindig gemacht. Unter den Künstlern sind viele von Tonels Freunden. Sie brechen die Schau thematisch auf, zeigen moderne Kunst jenseits der Auseinandersetzung mit der Revolution.

So lässt sich gut verfolgen, wie sich die kubanische Kunst in den vergangenen 25 Jahren verändert hat. Welche Themen haben noch Relevanz, wie haben sich künstlerische Strategien, Medien und Formen entwickelt? So findet sich neben der oft folkloristisch anmutenden Malerei der 80er und 90er Jahre nun Aktuelles aus dem neuen Jahrtausend, das jeden Blick wert ist.

Setzten sich Kubas Künstler früher häufig in ironischer Art und Weise mit der sozialistischen Ideologie ihrer Heimat auseinander, bringen die Künstler sich und ihre Person heute viel intensiver ein. Sie ringen mit Formen, Farben und teils krassen Ausdrucksformen um gesellschaftliche und soziale Themen, die Helden der Revolution haben längst ausgedient. Auch die Rolle der Frau und Weiblichkeit spielen hierbei eine große Rolle, Künstlerinnen sind heute weitaus häufiger vertreten als damals.

Die Frische der jungen Werke steht jedoch nicht in sperrigem Gegensatz zur Kunst der Alten. Die Kunst wird hier vielmehr zu einem wechselseitigen Spiel, das auch durch die besondere Ausstellungsarchitektur immer wieder neue Einblicke und Erkenntnisse hervorbringt und sich gegenseitig befruchtet. Das ist beabsichtigt und mehr als gelungen. Dass der Besucher in diesem Spiel mit so vielen Unbekannten nicht alleine gelassen wird, ist ein weiteres Plus der Ausstellung. Andreas Beitin kann stolz auf sein Team sein.

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