„Hannah - ein buddhistischer Weg zur Freiheit“ im Apollo-Kino Aachen

Sondervorführung im Apollo: „Hannah - ein buddhistischer Weg zur Freiheit“

Von: Andrea Zuleger
Letzte Aktualisierung:
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Ein Dokumentarfilm über die Dänin Hannah Nydahl und ihre Arbeit startet bald in den deutschen Kinos, unter anderem auch in Aachen. Foto: © W-film/Connected Pictures
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Das Paar: Hannah und Ole Nydahl 1995 in Kopenhagen. Foto: © W-film/Connected Pictures
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Die Regisseure: Der Film ist ein Projekt von Marta György-Kessler ... Foto: © W-film/Connected Pictures
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... und Adam Penny. Foto: © W-film/Connected Pictures
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Erste westliche Schüler: Hannah und Ole 1974 beim 16. Karmapa in Nepal. Foto: © W-film/Connected Pictures

Aachen. Eine Schwäche kann man an ihr beim besten Willen nicht entdecken: Sie ist klug, vergeistigt, immer und überall den Menschen zugewandt, dabei unglaublich stark und zäh wie ein Pferd, obwohl sie optisch eher zart wirkt.

In dem Dokumentarfilm „Hannah – ein buddhistischer Weg zur Freiheit“ lächelt Hannah Nydahl eigentlich ununterbrochen – wenn sie buddhistische Lehrer begleitet, wenn sie ihren Mann Ole anschaut oder wenn sie in unzähligen Reisen quer über den Erdball auf Freunde und Fremde trifft.

Sie lächelt sogar noch kurz vor ihrem Tod 2007, als sie weiß, dass ihr nur noch wenige Tage bleiben. Es ist wohl auch dieses Lächeln gewesen, das die Ungarin Marta György-Kessler dazu animiert hat, den Film zu drehen, obwohl sie (noch) keine Filmemacherin ist. Fünfeinhalb Jahre hat sie gebraucht, alleine zwei Jahre hat der Schnitt gedauert. 2014 wurde die Doku fertig und lief dann bei einigen Festivals von Leipzig bis Los Angeles. Auf einigen von ihnen wurde der Film mit Preisen ausgezeichnet. Jetzt kommt der Film über die „Mutter des Buddhismus“, wie sie oft bezeichnet wird, in die Kinos. Ab 18. Januar läuft er bundesweit, auch in Aachen, wo es eine Sondervorführung im Apollo geben wird.

Auf dem Hippietrail

Der Film skizziert das Leben des dänischen Paares Hannah und Ole Nydahl, das sich vollständig der Idee gewidmet hat, den Buddhismus, und genauer die Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus, in die westliche Welt zu tragen. Hannah und Ole Nydahl reisen Ende der 60er Jahre auf dem Hippietrail von Kopenhagen nach Kathmandu.

Zu Hause haben sie mit Drogen experimentiert, um ihr Bewusstsein zu erweitern, eigentlich aber sind sie auf der Suche nach einer anderen Art der Erleuchtung. Als sie in Nepal den 16. Karmapa, das Oberhaupt der Karma Kagyu Linie, kennenlernen, – der Dalai Lama ist das geistliche Oberhaupt der Gelugpa Schule – verändert das ihr Leben radikal. Sie werden die ersten westlichen Schüler des „Königs der Yogis“. Drei Jahre bleiben sie bei ihm und lernen. Dann beginnt die eigentliche Reise, die sie kreuz und quer durch die Welt führt.

Zu Beginn der 90er Jahre besucht Marta György-Kessler einen Vortrag von Ole Nydahl in Budapest und ist sofort beeindruckt. Die damals 19-jährige Ungarin ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, und in dem Vortrag scheint sie Antworten auf Fragen zu erhalten, die sie umtreiben. „Zwei Wochen später habe ich Hannah kennengelernt, als ich an einem Meditationskurs mit Lama Ole Nydahl teilnahm, bei dem auch Hannah anwesend war.

Ich war sofort eingenommen von dieser so starken und doch so liebenswürdigen Frau. Sie war auf Anhieb ein Vorbild für mich“, erzählt die Regisseurin. In den folgenden Jahren trifft sie das Paar immer wieder, teilweise geht sie mit ihnen auf die Reise, vor allem Hannah bewundert sie sehr. Als Hannah 2007 erkrankt und kurz darauf in ihrer Heimat Dänemark stirbt, ist Marta György-Kessler auch da. Die Idee, einen Film aus dem Leben von Hannah Nydahl zu machen, kam ihr erst zwei Jahre später. „Ich wollte etwas Bleibendes schaffen, das das Leben dieses Paares auch jenen erklärt, die sie nicht mehr kennengelernt haben“, sagt Marta György-Kessler.

Ein Glück für sie war, dass es von Beginn an Filmmaterial von den Reisen gab. „Es war ein großer Fundus und ein riesiger Schatz, denn es war ja nicht selbstverständlich, dass man Ende der 60er Jahre seine Reisen filmte“, erklärt die Ungarin. Und das war wohl auch mehr ein Zufall. Ein Freund des Paares ging immer wieder mit auf Reisen und filmte dabei für seine Frau und seine Kinder zu Hause. „Die Bilder sollten einfach nur zeigen, schau mal, so sieht‘s da aus, wo der Papa gerade ist. Es waren natürlich Laienaufnahmen.“

Aber es war ein Grundstock für den Film. Um das zeitgeschichtliche Material mit neueren Bildern anzureichern, führten Marta György-Kessler und ihr Mitregisseur Adam Penny 59 Interviews. Sie reisten nach Kathmandu, um dort auf den Spuren des 16. Karmapa mittlerweile den 17. Karmapa zu treffen, sie sprachen mit Freunden, Fans, Begleitern und auch mit Hannahs Familienangehörigen in Dänemark.

Herausgekommen ist das berührende Porträt einer Frau, die zugleich stark und fragil wirkt und an der man als einzige Schwäche wahrnimmt, dass sie keine Schwäche zu haben scheint. Selbst in gefährlichen Situationen wie einer Fahrt durch den Himalaya über Pässe in 6000 Meter Höhe, bei der die Reisenden fast erfrieren, meditiert Hannah auf der Ladepritsche des alten Lasters die Kälte weg.

Ein wilder Junge

Auch Marta György-Kessler muss lange überlegen, wenn sie nach einer Bruchkante in Hannahs Persönlichkeit gefragt wird. Dann lacht sie und sagt: „Hannah war eine wahnsinnig coole Frau, sexy, intelligent, unabhängig und extrem sie selbst. Die einzige Schwäche, die wir gefunden haben, war die Schwäche für ihren Mann. Er war so ein wilder Junge – ein ‚bad boy‘ würde man sagen. Hannahs Familie war zunächst nicht glücklich, dass sie mit ihm einen so unkonventionellen Lebensstil führte.“ Ole Nydahl ist auch mit 76 Jahren noch im Namen des Buddhismus in der Welt unterwegs.

Mit ihrem Filmporträt will György-Kessler in gewisser Weise die Arbeit ihres Vorbildes Hannah fortführen. Ein bisschen Mission ist auch dabei: „Man muss nicht in einem Kloster sitzen, man kann auch in der Großstadt wohnen und buddhistisch sein. Unabhängig davon, dass es eine Religion ist, kann man Teile davon in sein Leben integrieren. Das macht auf jeden Fall glücklicher“, ist die praktizierende Buddhistin und Yoga-Lehrerin überzeugt.

Dokumentarfilm / 89 Minuten / Regie: Marta György-Kessler, Adam Penny / ab 12 Jahren freigegeben

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